Pressenitteilungen
Nein! zu Rassismus - in Politik, Alltag und Institutionen. GENUG - gemordet,geschwiegen, geduldet, gedeckt!
Berlin,
08.12.2011: Das am 29.11.2011 im Gedenken an die Opfer der
rassistischen Serienmorde von Migrant_innenselbstorganisationen und
zahlreichen anderen Initiativen, Organisationen und Einzelpersonen ins
Leben gerufene Bündnis gegen Rassismus ruft zur
Demonstration für Solidarität mit den Opfern und gegen Rassismus auf.
Samstag, 10. Dezember 2011 (Internationaler Tag der Menschenrechte)
11 – 13:30 Uhr, von der Karl-Liebknecht-Straße am Alexanderplatz –
Marx Engels Forum
bis zum Platz des 18. März
„Rassismus hat nicht erst mit den Morden der NSU begonnen, seine Wurzeln sind tief in den
Köpfen verankert. Der institutionelle Rassismus herrscht in den
Fluren der Verwaltungen, der alltägliche Rassismus
drückt sich in Sprache und Denkstrukturen aus“, erklärt
das Bündnis gegen Rassismus und betont: „Rassismus ist kein
Problem einer kleinen Randgruppe, das unter dem Konstrukt des
„Extremismus“ von der Mitte an den Rand der Gesellschaft
verschobenen werden kann. Vielmehr dient die alleinige Fokussierung auf
Neonazigruppen und das NPD-Verbot als ein Ablenkungsmanöver,
mit dem das gesamtgesellschaftliche Problem des Rassismus und die
eigene Verantwortlichkeit erneut verschleiert werden. Nicht nur
die Politiker_innen haben versagt, sondern der Staat und sein ganzer
Apparat. Wir fordern endlich eine gesamtgesellschaftliche
Diskussion über Rassismus und soziale Ausgrenzung, über
Ursachen und Verursacher_innen in Weißen Machtstrukturen!
Die Mordserie der NSU ist ein schreckliches Symptom einer an Rassismus
krankenden Gesellschaft. Ca. 183 Menschen wurden durch Neonazis
und Rassisten seit 1990 ermordet, zahlreiche Brandanschläge,
Attentate und Übergriffe lassen sich bis zur Entstehung der BRD
zurückverfolgen. Die Dunkelziffer der Betroffenen bzw. nicht aufgeklärten oder fälschlicher
Weise als unpolitisch eingestuften Straftaten dürfte noch weit darüber liegen.
Das Bündnis gegen Rassismus betont mit Nachdruck: „Die Mitte der Gesellschaft, die Politik,
die Sicherheitsbehörden, Medien und Wissenschaft sind für die Aufrechterhaltung und den
Ausbau institutionellen Rassismus mitverantwortlich. Wir fordern von ihnen ein konsequentes
Vorgehen gegen Rassismus und Solidarität mit den Opfern.“
Die Ethnisierung sozialer Probleme, besonders sichtbar in der
„Integrationsdebatte“, hat die Kriminalisierung und
Entrechtung von Migrant_innen und People of Color zur Folge. Gegen
diesen Rassismus, der sich in Begrifflichkeiten wie
„Döner-Morde“ oder Sonderkommission
„Bosporus“ widerspiegelt, wollen wir uns zur Wehr setzen. Es besteht Handlungsbedarf!
Wir wollen die Verantwortung übernehmen, die so lange und vehement
von Migrant_innen und People of Color eingefordert wird, durch
gleichberechtigte und selbstbestimmte
Teilhabe, nicht durch Anpassung und „Integration“ in
bestehende gesellschaftliche Ausgrenzungsverhältnisse!
Wir fordern einen bundesweiten Aktionsplan gegen Rassismus!
• Konsequenter Kampf gegen rassistische Äußerungen, Handlungen und Gesetze!
• Unverzügliche und lückenlose Aufklärung aller rassistisch motivierten Morde!
• Kritische Auseinandersetzung mit Rassismus in allen Facetten!
• Verbot der NPD und Bekämpfung aller Nazistrukturen sowie eine konsequente
Auseinandersetzung mit Rassismus!
• Deutschland ist ein Einwanderungsland! (Aufnahme ins GG!)
• Abschaffung aller Sondergesetze!
• Schluss mit der diffamierenden und ausgrenzenden „Integrationsdebatte“!
• Stärkung und Entkriminalisierung antirassistischer und
antifaschistischer Arbeit!
Ansprechpartnerinnen:
Didem Yüksel Angelina Weinbender
Bündnis gegen Rassismus
Migrationsrat Berlin Brandenburg e.V.
Oranienstr. 34 10999 Berlin Tel.: 030 61658756 Presse AG
Mail: info@mrbb.de
Der Konflikt zwischen der Türkei und der PKK schwappt
erneut nach Deutschland
Die türkische Armee greift seit
mehreren Monaten völkerrechtswidrig die Autonome Region Kurdistan/Irak (Südkurdistan) an. Kürzlich erreichten die
Kampfhandlungen einen neuen Höhepunkt: Nach der Tötung von 26 Soldaten durch
kurdische Guerilla-Kämpfer_innen bombardierten türkische Kampfflugzeuge
mutmaßliche Stellungen der PKK in Südkurdistan. Erneut wurden hunderte kurdische Politiker_innen in der Türkei festgenommen.
Die Türkei ist im Alarmzustand und dies löste eine politische Krise aus.
Mehrere hundert Kurd_innen und
linke Aktivist_innen versammelten sich daher am 22. Oktober 2011 am
Hermannplatz, um gegen den Einmarsch der türkischen Armee in Südkurdistan und
die Verhaftungswelle gegen kurdische Politiker_innen zu protestieren. Türkische
Nationalist_innen versuchten mit Fahnen oder Bozkurt-Gruß (Symbol der
faschistischen „Grauen Wölfe“) aus ihren Wohnungen heraus, die
Demonstrant_innen zu provozieren.
Am nächsten Tag, 23.10.2011,
demonstrierten etwa 2000 türkische Nationalist_innen, darunter etwa 500
Anhänger der rechtsradikalen türkischen MHP und dessen militanten Arm
"Graue Wölfe", vom Berliner Hermannplatz zum Kottbusser Tor gegen die
PKK. Dabei wurden nationalistische und faschistische Parolen gerufen. Nach
Abschluss der Demonstration versuchten etwa 250 Anhänger der „Grauen Wölfe“ die
kurdische Einrichtung am Kottbusser Tor zu stürmen, was erst nach mehreren
Versuchen durch die Polizei verhindert werden konnte. Es kam zu Handgreiflichkeiten
zwischen Kurd_innen und rechtsextremen Türk_innen (auch in anderen Städten wie
Stuttgart, Duisburg u.a).
Es ist nicht auszuschließen, dass
es wie bereits im Jahr 2007 zu weiterer Eskalation in Berlin und in den anderen
deutschen Städten kommen kann, wenn man
nicht versucht, Dialog und Vertrauen zwischen der türkischen und der kurdischen
Bevölkerung und deren Einrichtungen aufzubauen.
Es gilt, eine weitere Eskalation des gewaltsamen Konflikts zu verhindern und ihn mit zivilen Mitteln beizulegen. Dazu können staatliche, nicht-staatliche und internationale Organisationen einen Beitrag leisten. Deutschland könnte in dem Konflikt eine wichtige Rolle im Sinne präventiver Diplomatie und Politik spielen. Leider hat es diese Rolle bisher nicht zu Genüge wahrgenommen. NRO in Deutschland sollten sich bemühen, hiesige türkische und kurdische Verbände anzusprechen, und versuchen, mit ihnen einen kurdisch-türkischen Dialog in Deutschland in Gang zu setzen. Insbesondere müssen die türkischen Medien dazu angehalten werden, die Hetze gegen die gesamte kurdische Bevölkerung zu unterlassen.
Hinzukommt eine oftmals
einseitige und negativ konnotierte Berichterstattung in den deutschen Medien zu
Lasten der kurdischen Bevölkerung, was ihrem Erscheinungsbild und der
Durchsetzung ihrer berechtigten Forderungen schadet.
Der Vorstand / Berlin, 24.10.2011
Brief an Herrn Dr. Guido
Westerwelle (MdB)
Bundesaußenminister
und Vizekanzler
Berlin, 05.10.2011
aus der Region
Kurdistan- Irak
Sehr geehrter Herr Dr. Westerwelle,
Da die Kurden aus der Region Kurdistan - Irak nach Ankara fahren
müssen, um ein Familienzusammenführungsvisum zu beantragen, sind sie dabei mit
vielen bürokratischen, finanziellen und sozialen Hürden auch in der Türkei konfrontiert.
Die finanzielle Belastung des Verfahrens gefährdet auch die Existenz der in
Deutschland lebenden Familie. Dieses Verfahren dauert sogar bis zu einem Jahr.
KKH e.V.
DIE WAFFEN SOLLEN SCHWEIGEN -
LASST DIE MENCHEN SPRECHEN!
Jedes Mal, wenn es hieß, es könne Frieden kommen, blieben die Kriegsbefürworter – die sogenannten Kriegsfalken - nicht tatenlos. Und so hörten auch die Operationen des Staates gegen die PKK nicht auf.
Trotz der von der PKK
erklärten einseitigen Waffenruhe, gab es nach den Wahlen am 12.
Juni 2011 Geiselnahmen und Anschläge auf Soldaten und Polizisten.
Gleichzeitig häuften sich die Operationen des Militärs und
Polizei.
Diese Situation bietet ein
gefundenes Fressen für nationalistische, faschistische und
chauvinistische Gruppierungen. Die Kriegsfalken sprechen im Fernsehen
von Blut und Feindschaft. Diejenigen, die sich etwas von der Gewalt
erhoffen, wetteifern mit Begriffen wie Märtyrer, Heimat oder Rache
darum, eine Atmosphäre des Chaos zu verursachen.
Es ist eine Tatsache, dass die
vergangenen 27 Jahre voller Gewalt und Krieg keine Lösung für
das Kurdenproblem geboten hat, sondern bei unseren Menschen Tod,
Trauer, Ruin und Armut verursacht hat.
In einer Zeit, in der sich unsere
Völker nach Frieden und Freiheit sehnen, tragen die Ansprachen wie
die des KCK-Verantwortlichen Murat Karayilan und des türkischen
Ministerpräsidenten Recep Tayip Erdogan dazu bei, dass Ruhe und
Frieden in Bezug auf das Kurdenproblem vorerst nicht in Sicht ist. So
sagte der Karayilan vor kurzem: „Wir können zum Krieg
aufrufen und das Land in eine Hölle verwandeln.“ Erdogan
verkündete: „Das Maß ist voll, unsere Geduld ist zu
Ende. Die Zeit des Sprechens ist vorbei. Sie werden dafür
zahlen.“
Wir, die Konföderation der
Vereine aus Kurdistan in Europa KOMKAR.eu, erklären
ausdrücklich, dass wir gegen jegliche Gewalt sind, gleich welcher
Seite diese entstammt. Wir fordern die PKK und den türkischen
Staat dazu auf, dass die PKK Waffenstillstand ausruft und der
türkische Staat die Angriffe und Operationen des Militärs
unverzüglich stoppt, sodass eine demokratische Basis geschaffen
werden kann und die Lösung des Kurdenproblems im Rahmen des
Dialogs eine friedliche Wende erfährt.
Wir rufen all jene Kräfte der
Gesellschaft, seien es Arbeiter, Jugendliche, Frauen, Schriftsteller,
Politiker, Meinungsführer, die an die Macht der Demokratie,
Frieden und Menschenrechte glauben, auf, nicht länger zu
schweigen, sondern ihre Stimmen laut zu erheben.
Als KOMKAR.eu sind wir bereit,
jegliche Bestrebungen in diese Richtung zu unterstützen.Besondere
Verdienste bei der Integration kurdischer Berlinerinnen und Berliner
geehrt
KOMKAR EU / 30.08.2011
Die Ehrung von Dr. Sükrü Güler
Für sein jahrzehntelanges, beispielhaftes und
außergewöhnliches Engagement zur Betreuung und Integration
von Kurdinnen und Kurden in Berlin wurde Dr. Sükrü Güler
mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik
Deutschland ausgezeichnet. Berlins Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales Heidi Knake-Werner
überreichte die hohe Auszeichnung im Auftrag des
Bundespräsidenten am 13. Februar 2008 in den Räumen des
Kurdistan Kultur- und Hilfsvereins e.V. (KKH).
Dr. Güler kam Anfang der siebziger Jahre zum Medizinstudium nach
Berlin. 1974 gründete er mit anderen Studenten und Arbeitern den
ersten kurdischen Verein in Deutschland, den Kurdistan Kultur- und Hilfsverein e.V. (KKH)
Dort – inzwischen als Vorstandsvorsitzender – sowie im
kurdischen Ärzteverein engagiert er sich seitdem ehrenamtlich in
besonderer Weise. Der KKH ist mittlerweile zu einer beliebten
Anlaufstelle für die rund 70.000 in Berlin lebenden Kurdinnen und
Kurden geworden. Er bietet Informationen und Beratung sowie
Sprachkurse, Projekte für Frauen verschiedener Nationen und ein
Projekt zur Resozialisierung straffällig gewordener Jugendlicher.
Außerdem betreibt er eine Kindertagesstätte, in der deutsche
und kurdische Kinder gemeinsam betreut werden.
Auch als Arzt in seiner Kreuzberger Praxis leistet er ehrenamtliche
Hilfe. Er ist dort nicht nur Mediziner, sondern darüber hinaus
Sozialarbeiter und Übersetzer.


