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Pressemitteilungen DIE SPENDENAKTION FÜR AFGHANISTANEs ist das schwerste Hochwasser seit 80 Jahren. Pakistan kämpft seit einem Monat gegen die schlimmsten Überschwemmungen seiner Geschichte. Nach UN- Schätzungen sind bis zu 20 Millionen Menschen von der Flutkatastrophe betroffen, rund ein Fünftel des gesamten Territoriums Pakistans sind überflutet, Millionen von Menschen sind auf der Flucht vor den durch Monsunregen ausgelösten Wassermassen. Unterernährung und Seuchen bedrohen besonders Kinder. Bislang starben etwa 1600 Menschen an den Folgen der Flut und es wird in den nächsten Tagen und Wochen eine höhere Zahl der Opfer befürchtet.Der Kurdistan Kultur- und Hilfsverein e.V., möchte diese Menschen in ihrer Not unterstützen, deshalb wurde die von Mitarbeitern und Kursteilnehmern gesammelte Spende in Höhe von 340,00 € an den afghanischen Frauenverein (http://www.afghanischer-frauenverein.de) überwiesen, dessen Arbeit hauptsächlich von Exil-Afghaninnen gemacht wird, um diese an die Bedürftige in Afghanistan zu helfen. Organisationen beziffern den Bedarf an Hilfe auf mehrere Hundert Millionen Dollar, die Hilfe des Kurdistans Kultur- und Hilfsvereins e.V. trägt, wenn auch nicht in großer Zahl, einen Beitrag dazu. Berlin, 02.09.2010
Klage gegen die türkische Zeitung Hürriyet und die türkische RegierungSehr geehrte Damen und Herren, die türkische Regierung versucht seit Jahren das Kurdenproblem als Terrorproblem darzustellen, in dem sie diese Gleichung darstellen; jeder Kurde ist gleich PKK und somit mit einem Terroristen gleichzusetzen. Die türkische Zeitung Hürriyet hat auf ihrer Homepage eine Liste von kurdischen Organisationen aufgelistet, wo die Komkar-Vereine als Pkk-Einrichtungen dargestellt sind. Wir haben daher ein Gerichtsverfahren gegen die Zeitung Hürriyet in der Türkei gestartet, wobei die Türkische Regierung die Zustellung der Klage in der Türkei verhindert hat, mit der Begrundung, dass die Souveränität und die Sicherheit der Türkei gefährdet werden. Komkar, Verband der Vereine aus Europa setzt sich seit seiner Gründung 1979 für eine friedliche und demokratische Lösung der Kurdenfrage.Daher bekommen Sie anbei unsere Presseerklärung zu dem Thema. Mit freundlichen Grüßen Kovan Amedi Vorstandsvorsitzender Komkar Eu ,Verband der Vereine aus Kurdistan e.V. |
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| Namen | Betrag |
| Arslan, G. | 15,00 € |
| Elitog, Y. | 10,00 € |
| Hüseyin | 20,00 € |
| Ucaroglu A. und , E. | 30,00 € |
| Sabir Ali | 30,00 € |
| Gül, Sezai | 50,00 € |
| Sommer, Volker | 10,00 € |
| Theuerkauf, Elke | 10,00 € |
| Disci, S. | 200,00 |
| KOMKAR Vorstand/Mitglider | 157,41 € |
| KOMCIWAN Berlin | 33,00 € |
| Kita Hêlîn (Mujef, Nermin, Silviya, Grazina) | 16,50 € |
| Deutschkursteilnehmer am Paul-Lincke-Ufer | 111,09 € |
| Deutschkursteilnehmer in der Nogatstr. | 47,00 € |
Bir
hafta boyunca Haiti deki depremzadeler için kendi
kursiyerleri ve çalışanları arasında
bağış toplayan Komkar-Berlin 740,00 € ya ulaştı.
Çoğu ilticacı ve
işşizlerden oluşan Kursiyerler ekonomik zorluklarına rağmen Haitideki
insanlık
dramını göz önüne alarak
bir ile on euro
arasında bağışta bulunurken Komkar çalışanları ve
yönetimi 50€ ya varan
bağışlarda bulundular. Toplanan para beraberce alınan
karar gereğı
Alman yardım kuruluşu DRK ya havale edildi. Havale makbuzu ve bağış
listesi
www.kkh.ev.de/haiti.html sayfasında ayrıntılı olarak
görülebilir.
Yardım
kuruluşlarına olan güvensizlik, çok sayıda devletin
ve kuruluşun yardım
toplaması, Kürtlerin böyle bir kampanya yapması
gereklimiydi gibi konular kampanyayı
organize eden Bayan Karabulut ve
Bayan Koflinin devamlı
gündemindeydi.
Neden bu
kampanyayi düzenlediklerini aciklayan Bayan Karabulut,
insanlarimizin paylaşmasını,
sadece hep bana rabbena
ikiliminden kurtulmasını ve dünya malını vermesinide bilmesi
gerektigini belirterek,
Kürtlerinde dünyadaki diğer sorunlara duyarsız
kalmaması gerektiğini mazlum bir
halk olarak diğer yardıma ihtiyacı olan halklarda destek olması
gerektiğini söyledi.
Unutmamak gerekirki Varto ve Erzincan örnekleri gibi
Kürdistan da bir deprem
bölgesidir diyen Bayan Karabulut tüm bağışta
bulunanlara teşekkür etti.
Dema Nu /
Berlin
Liebe
Freunde,
KKH e.V
kONTOVERBINDUNG: KKH e.V. Berlinersparkasse, Kontonr. : 670019402 BLZ: 10050000, Vermerk ; HAITI
Kurdistan Kultur- und Hilfsverein
e.V.
Mitglied im DPW /KOMKAR/Migrationsrat
Paul-Lincke-Ufer 44A 10999 Berlin
www.kkh-ev.de
Tel: 030 618 92 07 Fax: 030 611 33 19
Öffnungszeiten : Mo.-Fr. 9.00-15.00 Uhr
35
Jahre aktiv für Integration / Kurdistan
Kultur- und Hilfsverein feiert Vereinsjubiläum
Seit 35 Jahren hat sich der Kurdistan
Kultur- und Hilfsverein (KKH e. V.) erfolgreich für die Integration von
Migrantinnen und Migranten in Berlin stark gemacht. Toleranz, Offenheit und
Vielfalt sind die Kennzeichen seiner Arbeit. Mit einer Festveranstaltung mit
hochkarätigen Gästen aus Politik und Sozialleben wird der Verein dieses
Jubiläum am Freitag, 4.12.2009,
feiern.
Die Ausrichtung des KKH e.V. hat sich gewandelt. Bei seiner Gründung hatte sich
der Verein vor allem für seine Landsleute und deren Integration in die deutsche
Gesellschaft eingesetzt. Im Mittelpunkt standen neben der Beratung vor allem
der Erhalt der kurdischen Kultur, Sprache und Traditionen. Darüber hinaus
sollte die Öffentlichkeit für die Belange der Kurden sensibilisiert werden.
Heute ist der Verein ein moderner Dienstleister, der Bildungsangebote für
Menschen aus allen Migrantengruppen macht. Der Vorstandsvorsitzende Dr. med.
Sükri Güler bekräftigt: „Wir unterstützen Menschen aus allen Kulturen.
Menschen, die unsere Hilfe brauchen, für die sind wir da.“
Angeboten werden Deutschkurse,
Integrationskurse, Kurse für Flüchtlingsjugendliche und vieles mehr. In Zukunft
möchte der Verein auch durch die Ausrichtung von Tagungen und Kongressen
Position beziehen und die Integration von Migrantinnen und Migranten voran bringen.
Der KKH e.V. hat immer seine Stimme erhoben, wenn es galt für deren Rechte
einzutreten. Grundlage dieser Meinungsäußerungen waren stets demokratische
Strukturen.
Der Verein empfängt die Gäste der
Jubiläumsfeier stolz in den eignen Arbeitsräumen am Paul-Linke-Ufer, wo sich
die Mitarbeiter tagtäglich für die
Rechte der Migrantinnen und Migranten einsetzen. Hier, an der Grenze zwischen
Kreuzberg und Neukölln, mitten im sozialen Brennpunkt ist der Verein und sind
auch viele der Klienten zuhause. Hier ist auch die Notwendigkeit einer solchen
Institution an jeder Ecke spürbar. Jeden Tag erleben die Mitarbeiter die Nöte
der Menschen, die zu ihnen kommen, geben Auskunft und vermitteln in Kursen die
Kenntnisse, die es ermöglichen am Leben in dieser Gesellschaft aktiv
teilzunehmen.
Vorstandsvorsitzender Dr. Güler sieht eine Verpflichtung für
den Verein, auf diesem Weg weiter zu gehen: „Wir stehen für zwischenmenschliche
Beziehungen, für Solidarität, für Verständigung. Wir werden auch in Zukunft mit
Energie, Kraft und Verstand dafür weiter arbeiten. Für uns ist das eine Pflicht
in Berlin und in Deutschland etwas beizutragen, denn wir haben hier Frieden
gefunden. Wir hatten ja kein Zuhause. Durch diese demokratischen Strukturen
sind wir frei und fühlen uns Zuhause. Und deshalb möchten wir für diese
Gesellschaft beitragen was wir können.“
Die
Vorstandsvorsitzende des
Paritätischen Wohlfahrtverbandes Berlin und frühere
Ausländerbeauftragte Professor Barbara John gehört auch zu
den Rednerinnen zur Feier des Jubiläums. Sie kennt und
schätzt die Arbeit des
KKH e. V. seit vielen Jahren: „Wenn die Kinder und Enkelkinder
kurdischer
Einwanderer nun Polen oder Russen in Deutsch unterrichten, dann zeigt
das die
Selbstverständlichkeit und das Angekommensein in der
Gesellschaft.“
Die Generation der Mütter und Väter der
heutigen Mitarbeiter kam einst nach Berlin auf der Suche nach einer Heimat, in
der sie ihre Kultur, Traditionen und Sprache leben können. Ihre Kinder sind
angekommen in der Gesellschaft. Sie sprechen neben kurdisch fließend deutsch,
haben eine Ausbildung und helfen durch ihre Arbeit beim Kurdistan Kultur- und
Hilfsverein (KKH e.V.) anderen Migrantinnen und Migranten bei der Integration.
Dieses Beispiel gelungener Integration gilt es jetzt zu feiern.
Für Rückfragen stehen Ihnen die MitarbeiterInnen des Vereins jederzeit gerne zur Verfügung.
.
Dort – inzwischen als Vorstandsvorsitzender – sowie im kurdischen
Ärzteverein engagiert er sich seitdem ehrenamtlich in besonderer Weise.
Der KKH ist mittlerweile zu einer beliebten Anlaufstelle für die rund
70.000 in Berlin lebenden Kurdinnen und Kurden geworden. Er bietet
Informationen und Beratung sowie Sprachkurse, Projekte für Frauen
verschiedener Nationen und ein Projekt zur Resozialisierung straffällig
gewordener Jugendlicher. Außerdem betreibt er eine Kindertagesstätte,
in der deutsche und kurdische Kinder gemeinsam betreut werden.
Dr. Güler im Kreis von Vereinsmitgliedern und vielen Freunden
© KKH
Laudatio zur Überreichung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der
Bundesrepublik Deutschland an Dr. Sükrü Güler am 13.2.2008 durch Senatorin Dr.
Knake-Werner
Sehr geehrter Herr Dr. Güler,
sehr geehrte Frau John,liebe Abgeordnete,meine sehr geehrten Damen und
Herren,
ich freue mich sehr, Sie hier
in den Räumen Ihres Vereins begrüßen zu dürfen, um das außerordentliche
Engagement von Ihnen, sehr geehrter Herr Güler, und das Ihres Vereins in
gebührender Weise würdigen zu können.
Ich habe die große Freude,
Ihnen heute im Auftrag des Bundespräsidenten die Verdienstmedaille des
Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu überreichen. Der Vorschlag
dazu kam von Herrn Aktas, der auch an der Ehrung teilnimmt. Ein Vorschlag, über
den sich auch die Mitglieder Ihres Vereins freuen.
Sehr geehrter Herr Güler,
Sie sind als Kurde und Alevit
erzogen worden. Für Sie waren Werte wie Frieden, Freiheit, Menschenrechte und
Demokratie prägend und bis heute betrachten Sie diese als ein sehr hohes Gut im
gesellschaftlichen Miteinander. Parlamentarische und demokratische Strukturen –
so sagen Sie – sind für Sie unantastbar.
Aufgewachsen sind Sie in
Ovacik im Fethiye-Gebirge zwischen Kiefern und Mandelbäumen.
Anfang der 70er Jahre (des
vorigen Jahrhunderts) kamen Sie nach Deutschland und wie Sie - viele andere. Sie
haben hier in Berlin an der Universität Medizin studiert.
Aber Sie haben nicht nur über
Ihren Büchern gesessen, sondern auch das Leben Ihrer Landsleute und das von
anderen Zugewanderten studiert und Sie haben erkannt, dass diese Menschen, die
nicht in Deutschland groß geworden sind, Unterstützung und Hilfe brauchen.
Damals haben Sie gesagt,
"So kann das nicht weitergehen!" und sich daran gemacht, diese Hilfe
zu organisieren.
1975 haben Sie den ersten
kurdischen Verein in Deutschland mit ins Leben gerufen, den Kurdistan Kultur-
und Hilfsverein e.V. (KKH). Außerdem wurden Sie noch als Medizinstudent
Mitglied im kurdischen Ärzteverein und sind es bis heute.
Sie selbst mussten erfahren,
wie es ist, im eigenen Land nicht mehr willkommen zu sein: Nach dem blutigen Militärputsch
in der Türkei 1980, der viele Tausende Ihrer Landsleute das Leben kostete oder
sie in die Flucht trieb und der sich vornehmlich gegen linke Kräfte und die
aufkeimende kurdische Befreiungsbewegung richtete, sind Sie ausgebürgert worden
und haben jahrelang als Staatenloser gelebt.
Menschen in der Fremde sind
Menschen, die ihre vertraute Umgebung verloren haben.
In der neuen Heimat, die
zunächst noch gar keine Heimat ist, müssen sie von vorne anfangen, müssen sich
orientieren und neu einrichten, müssen eine neue Sprache lernen und die Kultur,
die Denkweise des anderen Landes verstehen.
Menschen, die zugewandert sind, wollen hier eine Zukunft haben.
Gleichzeitig bringen sie ein Stück ihrer Vergangenheit mit: ihre Sprache, ihre
kulturellen Sitten und Gebräuche, ihre Geschichten und – ihre Erinnerungen und
Rezepte.
Alles, was sie mitbringen, ist auf der einen Seite ein großer Reichtum, ist
Quelle ihrer Kraft und Inspiration.
Auf der anderen Seite ist es auch Quelle der Sehnsucht nach den Bildern der
alten Heimat, dem Geruch und Geschmack des verlassenen Landes und vor allem
nach den Menschen, die zurückgelassen werden mussten.
Heute leben zwischen 800.000
und 900.000 Kurdinnen und Kurden in Deutschland, schätzungsweise 70.000 in
Berlin. Sie kamen als Arbeitsemigranten oder als Flüchtlinge aus Syrien, dem
Iran und Irak und stellen eine der größten Migrantengruppen in Deutschland dar.
Diese Menschen waren und sind
dankbar für die Hilfe, die ihnen der Kurdistan Kultur- und Hilfsverein auch
heute bietet.
Ehrenamtlich, das heißt neben
Ihrer eigentlichen Arbeit als Arzt, haben Sie, Herr Güler, den Verein
unterstützt im Interesse derjenigen, die auf verschiedenste Weise Hilfe
brauchten.
Seit dem Jahr 2000 sind Sie
zudem dessen Vorstandsvorsitzender und tragen eine große Verantwortung, denn
der Verein ist zu einer beliebten Anlaufstelle geworden, nicht nur für
Kurdinnen und Kurden, sondern für Menschen vieler Nationen.
Eingebürgerte, Spätaussiedler
und ihre Familien sowie Flüchtlinge mit Asylbewerber-Status kommen mit
verschiedenen Problemen, Hilfeersuchen und sicher auch mit großen Erwartungen
zu Ihnen und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Sie sind auch eine
Begegnungsstätte und ein Ort der Kommunikation.
Bei Ihnen können Erfahrungen
ausgetauscht und neue Kontakte geknüpft werden.
Darüber hinaus leisten Sie im
wahrsten Sinne des Wortes Aufklärungsarbeit in Rechts-, Sozial- und
Familienfragen.
Die Rechte von Migrantinnen und
Migranten durchzusetzen und deren rechtliche Gleichstellung sowie soziale Lage
zu verbessern ist eines der obersten Ziele des Kurdistan Kultur- und
Hilfsverein.
"In einem fremden Land
ohne geeignete Sprachkenntnisse zu leben ist nicht lustig." So lautet Ihre
ganz nüchterne Diagnose.
Deshalb bietet Ihr Verein
natürlich Sprachkurse an, darüber hinaus führt er Seminare und andere
Veranstaltungen durch.
Sie organisieren
Kinderferienlager und Projekte für Frauen, die aus allen Ecken der Welt kommen.
Der Verein betreibt einen
Kindergarten, in dem kurdische und deutsche Kinder gemeinsam betreut werden.
Bemerkenswert ist auch Ihr
Projekt für straffällige Jugendliche verschiedener Nationalitäten, die bei
ihrer Resozialisierung unterstützt werden.
Besonders hervorheben möchte
ich an dieser Stelle, dass sich der Kurdistan Kultur- und Hilfsverein nicht nur
bei der Integration der kurdischen Bevölkerungsgruppe sehr verdient gemacht
hat, sondern sich dem Lebendighalten von kurdischer Identität, Sprache und
Kultur überaus verpflichtet hat.
Damit verankern Kurdinnen und
Kurden in Berlin ein Stück Wurzelwerk ihres früheren Lebens auch hier – in der
Erde ihrer neuen Heimat und sie fühlen sich bestätigt in ihrer Eigenständigkeit.
Und noch etwas anderes liegt
Ihnen sowie den anderen Vereinmitgliedern am Herzen:
Sie alle setzen sich für eine
friedliche und politische Lösung der Kurdenfrage ein und informieren die
Öffentlichkeit in verschiedenen Veranstaltungen über die Situation der Menschen
in den besetzten Gebieten Kurdistans.
Sehr geehrter Herr Güler,
nicht nur im Kurdistan
Kultur- und Hilfsverein, sondern auch als Arzt in Ihrer Praxis sind Sie sehr
engagiert.
Sie behandeln kranke Menschen
auch dann, wenn diese ihre Rechnung nicht bezahlen können oder nicht
krankenversichert sind. Sie leisten in allererster Linie Hilfe, dort, wo Sie
gebraucht wird und über das normale Maß hinaus.
Sie gehen mit gutem Beispiel
voran – als Kurde, als Alevit, als deutscher Staatsbürger und vor allem als
Mensch.
Schluss mit der anti-kurdischen Hetze! - Nein zur Gewalteskalation!
Die Türkei plant den Einmarsch in das Bundesland
Kurdistan, das völkerrechtlich Teil des Irak ist.
Als Gründe werden zumeist die angeblich zugenommenen Aktivitäten der
Guerilla-Einheiten der PKK genannt.
Diese Gründe entsprechen aber nicht der Wahrheit, sie sind einfach zu durchschauende Vorwände. Der wirkliche Grund für die beabsichtigten militärischen Operationen ist die im Norden des Irak entstandene freie, stabile, friedliche und demokratische kurdische Regionalregierung und die dort erstarkende Wirtschaft zu destabilisieren.
Die Türkei will unbedingt die Lösung der Kirkuk-Frage nach der Artikel 140 der irakischen Verfassung und den Anschluss der irakischen Provinz Kirkuk an das Bundesland Kurdistan verhindern. Schon vor 8 Monaten, als es so gut wie keine Angriffe der PKK gab, erklärte der türkische Generalstabschef Yasar Büyükanit, eine militärische Operation gegen das Bundesland Kurdistan sei zwingend notwendig und nützlich.
Diese Äußerung wiederholte er mehrere Male zu verschiedenen Anlässen. Türkische Offiziere lehnten es es ab, mit den Vertretern des Bundeslandes Kurdistan zusammenzutreffen, die als Teil einer irakischen Delegation nach Ankara gekommen waren, um eine Lösung für den Konflikt zu finden. Seit ebenfalls 8 Monaten wird in der türkischen Presse, die übrigens auch in Deutschland erscheint und nachzulesen ist, unter dem Motto „Die Armenier haben es hinter sich, die Kurden haben es noch vor sich“ gegen die Kurden gehetzt. So forderte der nationalistische Journalist Ertugrul Özkök in der Hürriyet vom 16.10.2007 die Kurden auf, sich Vietnam-Filme anzuschauen, um zu sehen, was man mit ihnen machen werde, wenn einmal die Schutzmacht USA nicht mehr im Nahen Osten weilt.
„Ihr werdet es dann nicht mehr mit den guten Türken zu tun haben,“ heißt es unverhohlen. In der Türkei gibt es fast täglich staatlich gelenkte anti-kurdische Demonstrationen; in sämtlichen Städten unternimmt die Armee Militärparaden, um die anti-kurdische Stimmung weiter anzuheizen. Beobachter aus den kurdischen Gebieten der Türkei sprechen von einer Stimmung wie vor einem Pogrom. Inzwischen hat der Konflikt um Kurdistan auch Europa erreicht. Unverhohlen wird in der türkischen Presse gegen die europäischen Staaten agitiert, in denen zahlreiche in der Türkei politisch verfolgte Kurden Asyl gefunden haben.
Ähnlich wie die Regierung des Bundeslandes Kurdistan werden die europäischen Regierungen aufgefordert, kurdische Aktivisten an die Türkei auzuliefern. In dieser seitens der Türkei aufgeheizten Stimmung kommt es auch in Europa und Deutschland fast täglich zu anti-kurdischen Übergriffen. In Brüssel griffen türkische Nationalisten am 24.10.2007 während einer anti-kurdischen Demonstration die Polizei an, bewarfen sie mit Steinen und verletzten über 10 Beamte. In Berlin kam es am Abend des 28.10.2007 zu einer mehrstündigen Straßenschlacht zwischen nationalistischen Türken und der Berliner Polizei. Nach einer anti-kurdischen Demonstration, auf der viele Teilnehmer Fahnen der rechtsextremistischen „Grauen Wölfe“ geschwenkt hatten, bauten sich etwa 200 türkische Jugendliche vor einem kurdischen Kulturzentrum in Kreuzberg auf und versuchten, ein kurdisches Restaurant anzugreifen.
Als die Polizei den Kulturverein und das Lokal zu schützen versuchte, wurde sie mit Steinen und Flaschen beworfen. KOMKAR, der Verband der Vereine aus Kurdistan e.V., verurteilt die Gewalt. Wie in unserer Heimat Kurdistan kann auch in Europa Gewalt kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. • Wir fordern die türkischen Migrantenverbände in Deutschland auf, sich von den gewaltsamen Demonstrationen und Auseinandersetzungen zu distanzieren und das Vorgehen der Grauen Wölfe und anderer rechtsextremistischer türkischer Vereinigungen zu distanzieren.
-Wir fordern die türkische Presse auf, endlich mit der anti-kurdischen Hetze in den Medien aufzuhören und den Konflikt nicht weiter anzuheizen. Gleichzeitig fordern wir die deutschen Strafverfolgungsbehörden auf zu prüfen, inwieweit durch die Hetze in den in Deutschland verbreiteten türkischen Medien Straftatbestände wie Beleidigung, Volksverhetzung o.ä. erfüllt werden.
-Wir fordern die offiziellen
Vertretungen der Türkei in Deutschland, die Botschaft in Berlin und
die Konsulate, auf, mäßigend auf die von ihnen vertretenen Migranten
einzuwirken und nicht ihrerseits zu einer weiteren Eskalation der
Spannungen beizutragen.
KOMKAR-Bundesvorstand
Türkische Radiosendung von Radiomultikulti
Frau Ilona Marenbach Chefredakteurin von radiomultikulti Masurenallee 8-14, 14057 Berlin Berlin, 02.11.2007
Sehr geehrte Frau Marenbach, der in den letzten Tagen in der Türkei verstärkt auftretende Rassismus gegenüber Kurden, zeigt sich mittlerweile auch in Deutschland. Es liegt in der Hand, dass hinter dieser Hetzkampagne der türkische Staat selbst steht. Während einerseits die türkische Regierung die Vorbereitungen für eine Invasion des irakischen Teil Kurdistans verstärkt, wird andererseits durch solche Kampagnen versucht, das kurdische Volk einzuschüchtern um aufkommenden Widerstand im Vorfeld einzubinden.
Auch die Aktivitäten unterschiedlicher türkischer Vereine in Europa sind auf dasselbe aus. Diese werden von den jeweiligen türkischen Konsulaten gefördert. Auch die türkische Presse hetzt mit Provokanten Artikeln und Bildern und ist genauso verantwortlich für das Ausarten der Situation. Dementsprechend spielt das Multi-Kulti türkisch Programm eine untergeordnete Rolle. Die Situation wird einseitig wiedergegeben und das Kurdenproblem als ein Terrorproblem degradiert. Beispielsweise sei das Interview von Ahmet Yilmaz am 23. Oktober 2007 um 17h verdeutlicht.
Wir erhoffen uns, dass Sie sich um diese Problematik kümmern und das Nötige veranlassen, um die Situation zu deeskalieren.
Mit freundlichen Grüßen
Herr Aktas
Gemeinsame Erklärung von Kurdischen Vereinen in Berlin:
Kurdistan Kultur- und
Hilfsverein e.V.
IKK - Institut für Sprache und Kultur Kirmanc e.V.
Kerkuk Solidarity e.V. Gemeinde der Kurden aus Syrien in
Berlin/Brandenburg
Kurdisches Zentrum e.V.
Soziales
Organisatorisches Zentrum für Kurden (SOZK) e.V.
Vereinigung
kurdischer Ärzte in Deutschland e. V
Dringender Aufruf an die internationale
Öffentlichkeit!
Vor den Augen der internationalen Öffentlichkeit bemüht sich die
türkische Regierung darum, vom türkischen Parlament einen
Grundsatzbeschluss zur Truppenentsendung in den Nord-Irak
(Süd-Kurdistan) zu erlangen. Die Existenz der PKK benutzt sie dabei
als Vorwand. Parallel dazu wird in der Türkei weiter Öl ins Feuer
gegossen, anti-kurdische Kampagnen und rassistisch-chauvinistische
Initiativen bis hin zu Lynchjustiz haben Hochkonjunktur.
Gleichzeitig bemüht sich der türkische Staat auf internationaler
Ebene Verbündete für dieses Vorhaben zu gewinnen bzw. internationale
Organisationen dazu zu bringen, wegzusehen, zu dem Vorhaben zu
schweigen.
Es ist ganz offensichtlich, dass der türkische Staat mit der von
ihm geplanten Grenzverletzung internationales Recht brechen würde.
Es besteht kein Zweifel daran, dass es der Regierung nicht um die
PKK geht. Ziel des türkischen Staates ist, wie militärische und
zivile Machthaber in der Vergangenheit wiederholt betont haben, die
Zerstörung des autonomen Status Nord-Iraks.
Dabei darf nicht vergessen werden, dass das Gebiet, in das die
türkische Regierung einmarschieren will, irakisches Hoheitsgebiet
ist, und neben irakischen und kurdischen Truppen auch von
internationalen Einheiten und Gruppen geschützt wird.
Es sollte allen klar sein, dass ein solcher Angriff nicht nur die
Ruhe und Stabilität des Irak, sondern des gesamten Nahen Ostens
hochgradig gefährden würde.
Die Geschichte ist Zeuge, dass das kurdische Volk immer für seine
nationalen Rechte und für seine Menschenrechte gekämpft hat - und
nicht davor zurückschrecken wird, wieder für seine Rechte zu
kämpfen! In solch einer heiklen und sensiblen Situation fällt
den internationalen Organisationen eine fundamentale Verantwortung
zu.
Wir rufen die internationale Öffentlichkeit daher ein weiteres
Mal auf:
15.10.2007
Verband der Vereine aus Kurdistan - KOMKAR
Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Berlin
verurteilt
Brandanschlag auf Kurdischen Kultur-
und Hilfsverein
Berlin, 4. September 2007
Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Berlin
verurteilt den Brandanschlag auf die Räume seiner
Mitgliedsorganisation Kurdischer Kultur- und Hilfsverein.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag, den
2.Septmeber 2007 wurde zum zweiten Mal in diesem Jahr ein
Brandanschlag auf die Vereinsräume der seit 30 Jahren engagierten
Migrantenorganisation verübt. Junge Berliner kurdischer Herkunft
organisieren ehrenamtlich eine beispielhafte integrative Arbeit in
unserer Stadt. Sie arbeiten mit Kindern, Jugendlichen, Familien und
Flüchtlingsfrauen. Für dieses Engagement wurde kürzlich ein
Vereinsmitglied – Frau Makbule Sahin – mit der goldenen Ehrennadel
des PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverbandes ausgezeichnet.
Brandanschläge auf die Vereinsräume sind auch
Anschläge auf die engagierte und erfolgreiche Arbeit dieses Vereins.
Das dürfen wir als Zivilgesellschaft nicht hinnehmen! Wir
verurteilen Gewalt in jeder Form und rufen Politiker, Organisationen
und Bürger auf, sich mit engagierten Migrantenorganisationen zu
solidarisieren und dafür einzutreten, dass sie ihre Arbeit machen
können und wir ihnen verlässliche Partner sind.
Der PARITÄTISCHE bietet zusammen mit den
Stadtteilzentren in einer ganzjährigen Kampagne unter dem Motto „Die
Würde des Menschen ist unantastbar - wir sagen NEIN zu
Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus“
vielfältige Formen des
bürgerschaftlichen Engagements zur Stärkung des demokratischen,
solidarischen Miteinanders an.
Mehr dazu unter www.paritaet-berlin.de.
Verantwortlich: Elfi Witten, Pressesprecherin, PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband Berlin, Tel.: 86001-181, M: 0 172 343 888 1. Nachfragen auch bei Dr. Eberhardt Löhnert,
Liebe Freunde, Mitstreiter, sehr geehrte Politiker,
in unserer Pressemitteilung vom 03.09.2007 haben wir die
Öffentlichkeit über den schäbigen Brandanschlag unterrichtet, der in
der Nacht von Samstag auf Sonntag auf unseren Verein verübt wurde.
Wir möchten uns auf diesem Wege für die große Anteilnahme und
Unterstützung bedanken, die uns von weiten Kreisen der
Öffentlichkeit zu Teil wurde.
Insbesondere bedanken wir uns für die zahlreichen Zuschriften,
Telefonate und Besuche in unserem Verein. Sie haben uns darin
bestärkt, unsere Arbeit unbeirrt fortzusetzen und uns mit noch mehr
Engagement für die Interessen von Migranten einzusetzen.
Mit herzlichem Dank,
Der Vorstand
An die Öffentlichkeit !
An die Bundesregierung
An den Bundesinnenministerium
An den DPW
An die Presse
Berlin, 13.07.2007
Zum Integrationsgipfel der Bundesregierung vom
12.07.2007
Mit großem Bedauern stellten
wir fest, dass türkische Organisationen den Integrationsgipfel
boykottierten. Sie sind nicht das Sprachohr
der ca.
900.000
in Deutschland lebenden Kurdinnen und
Kurden aus der Türkei.
KOMKAR, Verband der Vereine aus Kurdistan
distanziert
sich von diesem Boykott. Komkar unterstützt die Politik der
Bundesregierung und wünscht, dass der Integrationsprozess weiter
voranschreitet, dass Immigranten die deutsche Sprache und Kultur
erlernen um
ein anerkannter und fester Bestandteil
dieser Gesellschaft zu werden,
und so ihren Beitrag zu einem harmonischen
Zusammenleben leisten.
Zugleich bedauern wir als Kurdische Organisation
nicht eingeladen worden zu sein, und wünschen uns künftig
konstruktiv in den Gremien unserer Gesellschaft mitarbeiten zu
dürfen.
Open letter for Mr. Ban Ki-moon
Excellency,
As Kurdish cultural and democratic organisations based in the Federal Republic of Germany, we are welcoming you delightedly as the Secretary General of the United Nation Organization and we are wishing you success.
Excellency,
As you know, the Kurdish nation is one of the oldest nations of Middle East with a unique language, culture and history. Their country is larger than 500.000 square kilometres and the Kurds are forming the overwhelming majority of the population there. Nonetheless, they suffer severe repression and intimidation in large parts of their homeland, because of the partition of their county.
Excellency,
In the year 1639, our country Kurdistan has officially been divided up between the Ottoman and the Persian Empire. On July 24th, 1923, it has been divided up once more, this time into four pieces. This took place in Lausanne in Switzerland, which also gave the name to the treaty. As the Kurdish nation has not been represented in the conference and this agreement of dividing stands against the claims of the Kurds, it is of course not rightful and not accepted by the Kurdish Nation.
Furthermore, none of the countries, which hold a piece of Kurdistan in their hands, has been built up on a democratic basis. Therefore, neither Turkey, nor Iran, Iraq or Syria, has respected the democratic, cultural and political rights of the Kurds. They repeatedly tried and are still trying to assimilate the Kurds by using force, repression and terror and have even tried to wipe them out.
Excellency,
Unfortunately, we cannot see a positive change in the policy of Turkey, Iran and Syria towards the Kurds. More than 30 million Kurds living within the borders of these three countries are leading a life deprived of their fundamental rights and freedom. To give you some examples, Kurds are not allowed having education in there mother language, nothing about the culture and history of the Kurds is being taught in the schools. There are no measures taken by the government for the development and protection for the Kurdish language and culture. In fact, if we put the limited rights granted by Iran aside, radio and television are closed for the reality of Kurdish language and history. The same is valid for political rights. Briefly, whenever our people ask for its rights, the mentioned countries answer with repression and terror.
Especially in Turkey, serious problems concerning the religious rights are experienced. The Sunni sect of Islam is accepted as the official religion of Turkey, all the other religious beliefs as under strong pressure. Those, who belong to the Alevi, Christian and Yezidi, are facing discrimination and humiliation.
Excellency,
The negative conditions we have shortly mentioned above, in development and life style point of view continues showing its existence. Although Kurdistan possesses rich resources and has all the other necessities required for the improvement of the living conditions, our people is living in poverty. The reason for this is again the policy of exploitation, which is pursued by the countries mentioned before. Without paying any contribution, the colonialist countries take possession of the resources and don’t give any chance or opportunity to use these resources for the benefit of our people. The Kurdish people, who does not have the right rule or decide about itself, has unfortunately no means to end this situation. At the same time these suffocative pressures, the hopelessness and poverty lead to serious social problems, which gradually increase.
Excellency,
The allied forces under the leadership of the USA, which your country South Korea joined, led to the overthrowing of Saddam Hussein’s dictatorship and opened a perspective for a new life for our people in South Kurdistan, within the borders of Iraq. While the South Kurds, who are free now, are trying to get over the injuries caused by Saddam’s genocide policy, they spend huge effort in the struggle for building up a democratic and federal Iraq. The deployment of military units of your country in Kurdistan is a serious contribution. With great pleasure we can state, that the South Korean forces not only give support in military terms. There are also many social projects, which they have put into action. That is why our people are grateful to their South Korean brothers.
This improvement of the situation of the Kurdish People makes them to the targets of those powers in the region, which do not want democracy and peace. The most serious threat to peace and stability in the region comes from the neighbour countries Turkey, Iran and Syria. These countries fear the positive developments in Kurdistan’s liberated South, because it might influence and strengthen the liberation movement of the Kurds living within their borders. They make big efforts for destroying the achievements our people have made in their country. Turkey keeps on ignoring international laws and continuously threatens the Federal Kurdistan region with occupation despite the fact that this region is under protection of the international community.
Excellency,
Since its foundation, the United Nations Organisation has been successful in various areas. It has become the light of hope for all those in the world, who are facing the threat of hunger and illness, who are the victims of natural catastrophes and wars. It is for this reason that the UN is respected that much. However, we Kurds cannot count ourselves fortunately concerning the interest of the UN in our situation. Up till now, the United Nations Organisation ignored our peoples pain.
Excellency,
The Kurds are numerically the largest nation in the world without a country on their own, whose right of self-determination has been taken away. The Kurdish question one of the liberation of a nation, whose fundamental rights have been taken away and who lives under the conditions of slavery. All the problems we are experiencing are proving again and again, that peace and stability in the middle east also depend on the just and democratic solution of the Kurdish question.
The Kurds in this frame,
want to have the Rights of Language, Culture and Identity,
want to benefit equally from the economical and social improvement possibilities and from the principles “Nations Equal Rights and the Right of Self-Determination”, which were accepted by the UN. According to this principles the Kurds want to decide about their future by themselves.
Excellency,
We hope you will show sensitivity and pay attention to the problems and the pain of the Kurdish people during your period of duty as the Secretary General of the United Nations.
With our highest respect
Signing organisations:
İMKe.V. – Human Rights Centre for the
Kurds, Bonn
İKK e.V – Institute for the Kirmancki (Zaza) Language and Culture,
Berlin
KOMKAR – Union of Associations of Kurdistan, Cologne
Kurdish PEN; Bremen
KKH - Kurdistan Association for Culture and Support, Berlin
KOMJIN – Women Office, Wuppertal
KOMCIWAN –Union of Kurdish Youth in Germany, Dortmund
German-Kurdish Association for Friendship – Hevalti, Köln
German-Kurdish Association for Friendship – Hevalti, Bottrop
German-Kurdish Association for Friendship – Hevalti, Duisburg
IVK/KOMKAR, Wuppertal
Association for Ethnic Minorities, Munich
German-Kurdish Association for Friendship, Hamburg
Kurdish Community, Mannheim
Kurdistan Labourers Association, Nürnberg
Kurdish Association, Bremen
Kurdish Community Rhein-Sieg-District, Troisdorf
Der grausame
Giftgasangriff Saddam gegen das kurdische Volk in Halabja bleibt
unvergesslich
Vor 19 Jahren versuchte der irakische Diktator mit der stillen
Duldung der Westlichen Welt die Stadt Halabja im Irakisch-Kurdistan
mit Giftgas auszulöschen.
Studien zufolge kamen vor allem Senfgas (Yperit), Sarin, VX und das
Nervengift Tabun zum Einsatz.
Etwa 5000 Kinder, Frauen und ältere Menschen
starben zwischen dem 16. und 18. März 1988 im Bombardement der
irakischen Luftwaffe einen qualvollen Tod. Das Foto eines kurdischen
Vaters, der mit seinem toten Kind im Arm vor seinem Haus
zusammengebrochen war, ging um die Welt.
Tausende weitere Menschen starben nach dem
Angriff, über 10.000 wurden lebensgefährlich verletzt oder erlitten
dauerhafte Gesundheitsschäden. Die übrige Bevölkerung floh aus der
Stadt.
Auch heute leiden immer noch sehr viele Bewohner der Stadt an Folgeschäden der chemischen Kampfstoffe. Die Chemikalien hatten die Augen der Menschen sowie ihr Atem- und Nervensystem empfindlich angegriffen. Viele Opfer erblindeten. Nervenlähmungen, Hautkrankheiten, Lungenschädigungen und Krebstumore entstanden. Unfruchtbarkeit und erblich bedingte Behinderungen kommen bei den Bewohnern von Halabja heute um ein Vielfaches häufiger vor als bei Bewohnern von Ortschaften, die nicht Opfer von Giftgasangriffen wurden.
Der Giftgasangriff auf Halabja gilt als Höhepunkt einer langen und gezielten Vernichtungskampagne des ehemaligen Saddam-Regimes gegen die kurdische Bevölkerung im Nordirak. Denn der Angriff vom 16. März war kein Einzelfall. In mindestens 42 weiteren Fällen wurde nachgewiesenermaßen Giftgas gegen die kurdische Bevölkerung eingesetzt. Über 4.500 kurdische Dörfer und Städte wurden innerhalb weniger Jahre zerstört, über 182.000 Menschen im kurdischen Nordirak wurden verschleppt oder ermordet. Die zahlreichen Massengräber, die nach dem Sturz des Saddam-Regimes in verschiedenen Gebieten Iraks gefunden wurden, geben Hinweise auf das Schicksal der deportierten Menschen. Weite Landstriche der kurdischen Region wurden vermint.
Eine andere bedauerliche Tatsache ist, dass das Giftgas, das in Halabja zum Einsatz kam, zum größten Teil mit Hilfe von deutschen Firmen und deutscher Technologie im Irak produziert worden war. Deutschland hat seine Verantwortung in diesem Punkt nie akzeptiert und hat keinen Schritt zur Wiedergutmachung bzw. juristischer Aufklärung getan. Die Kurden in Irak warten auch nach der Befreiung des Iraks von der Saddam-Herrschaft auf ein Zeichen aus Deutschland. Die Bundesregierung sollte zumindest die Beteiligung deutscher Firmen an diesen Verbrechen anprangern und eine Entschädigung der Opfer in Erwägung ziehen.
Die ersten freien demokratischen Wahlen in Irak im Jahre 2005 markieren einen Wendepunkt in der irakischen Geschichte mit einer neuen Zukunftsperspektive. Es ist deshalb dringlichste Aufgabe in Irak den angeschlagenen Weg der realen Demokratie, Pluralismus und Föderalismus konsequent zu verankern, um eine Wiederholung der Ereignisse von Halabja für die Zukunft ausschließen.
Im Bundesland Kurdistan wird unnachgiebig für die Festigung demokratischer Strukturen, für einen sozialen Marktwirtschaft orientierten Wirtschaftwachstum gearbeitet. In der kurdischen Selbstverwaltungsregion sind die Grund- und Menschenrechte grundsätzlich akzeptiert und garantiert, demokratische Freiheiten wie Meinungs- und Pressefreiheit, Pluralismus, Versammlungsrecht u. a sind reale Lebenswirklichkeit geworden.
In einer Volksabstimmung sollen die Bewohner der Region aber bis zum Jahresende über einen Anschluss des ölreichen Provinzes Kirkuk an das Bundesland Kurdistan abstimmen. Da Kirkuk über 50% der Bevölkerung aus Kurden besteht, versuchen die Nachbarstaaten des Iraks, in erster Linie die Türkei, mit allen Mitteln dies zu verhindern.
Wir appellieren an die Bundesregierung, diesen angefangenen Prozess positiven Prozess in Bundesland Kurdistan mit politischen Nachdruck und wirksamer Wiederaufbauhilfe zu unterstützen. Damit könnte zu mindest der erste Schritt zur Wiedergutmachung des Verbrechens in Halabja getan werden.
Das Verbrechen in Halabja darf sich niemals wiederholen.
16.03.2007
KOMKAR-Verband der
Vereine aus Kurdistan e.V.
IMK-Internationales Zentrum für
Menchenrechte der Kurden
Offener Brief an Frau Bundeskanzlerin Merkel
Presseberichten zufolge wird der Ministerpräsident der Türkei, Recep Tayyip Erdogan am 25.05.2006 der Bundesrepublik Deutschland und Ihnen einen Besuch abstatten.
In Deutschland leben etwa eine Million Kurden, die aus politischen und ökonomischen Gründen nach Deutschland gekommen sind und von denen zahlreiche deutsche Staatsbürger sind.
Komkar, Verband der Vereine aus Kurdistan, ist eine demokratische Organisation, die von kurdischen Migranten vor 27 Jahren in Deutschland gegründet wurde. Allerdings sind wir nicht nur für die in Deutschland lebenden Kurden, sondern für Kurden europaweit eine Anlaufstelle, denen wir bei unterschiedlichsten Problemen Beistand leisten.
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,
während der Ministerpräsident der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, die Bundesrepublik Deutschland besucht, werden in der Türkei internationale Rechte missachtet, Frieden, Demokratie und Menschenrechte mit Füssen getreten. Gewalt und Rassismus sind nach wie vor Basis der türkischen Politik.
Obgleich mit der Türkei Beitrittsverhandlungen im Hinblick auf eine Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union aufgenommen wurde, versucht diese nach wie vor, das kurdische Volk mit Verboten und Gewalt zu unterdrücken. Die im türkischen Staatsgebiet lebenden, von der Regierung immer noch verleugneten 20 Millionen Kurden, stehen nach wie vor unter Generalverdacht und müssen jederzeit mit Festnahmen und Folterungen von Seiten der Regierungsbeamten rechnen.
Ungeachtet der Tatsache, dass der türkische Ministerpräsident kürzlich in Diyarbakir die Existenz der Kurdenproblematik eingeräumt und eine Lösung versprochen hat, wurden von seiner Seite keine weiterer Schritte zur Lösung des Problems unternommen. Wie bei seinen Vorgängern sind auch die Versprechungen Recep Tayyip Erdogans in Vergessenheit geraten. Mehr noch: Sie haben sich in die entgegen gesetzte Richtung entwickelt
Im letzten Monat spitzte sich der Staatsterror in den kurdischen Gebieten der Türkei weiter zu. Türkische Sicherheitskräfte schossen in der Provinz Diyarbakir auf unbewaffnete Demonstranten, unter ihnen auch zahlreiche Frauen und Kinder. Dabei wurden mehr als 10 Zivilisten getötet und hunderte Personen schwer verletzt.
Die Antiterrorgesetze wurden daraufhin verschärft, wodurch die Demokratisierung der Türkei um Jahre zurückgeworfen wurde. Die von der Regierung bisher durchgesetzten Reformen täuschen die Lösung der Kurdenfrage nur vor – die von der EU vorgegeben Kriterien wurden, wenn überhaupt, formal erfüllt, nicht aber in die Realität umgesetzt.
Sehr geehrte Bundeskanzlerin,
in der Türkei existiert ein Staat im Staate: Diejenige Kraft in der Türkei, die die grundlegende Politik des Staates festlegt und exekutiert, ist das Militär. Die Führungskräfte dieser „illegalen“ Regierung wiederum machen – gemeinsam mit der PKK – das Kurdenproblem in der Türkei zu einem Terrorproblem. Die PKK wird weithin als die Vertreterin des kurdischen Volkes betrachtet. Der türkische Staat nimmt dies zum Anlass, das gesamte kurdische Volk mit Terror zu überziehen.
Die Konterguerilla in der Türkei setzt sich aus Sicherheitskräften und ehemaligen, übergelaufenen PKK-Mitgliedern zusammen, die Anschläge verüben, Minen verlegen und politische Morde begehen. Diejenigen, die versuchen, diese Strukturen aufzudecken, werden unterdrückt oder ermordet. Vor einem Monat explodierte unter dem Deckmantel eines Terroranschlags in Semdinli-Osttürkei eine Bombe. Der Staatsanwalt, der diesen Fall untersuchte, hat in seinem Plädoyee festgestellt, dass auch türkische Generäle in diese Angelegenheit verwickelt waren. Daraufhin wurde dieser Staatsanwalt durch das Militär seines Amtes enthoben. "Dunkelstaat" nennt man in der Türkei diejenigen reaktionären Kräfte im Staatsapparat, die sich nicht an Gesetze gebunden fühlen und die an den offiziellen Institutionen vorbei ihre eigene Politik machen. Für viele Türken und Kurden steht fest, dass der "Dunkelstaat" auch beim Bombenanschlag in Semdinli am Werk war.
Der „Dunkelstaat“ ist in letzter Zeit wieder zur bestimmenden Kraft in der türkischen Politik geworden. Nach fingierten - vermeintlich von der PKK verübten - Anschlägen auf die Sicherheitskräfte, hat die türkische Regierung an der iranischen und irakischen Grenze Truppen konzentriert. Entscheidend für diese Millitäraktion ist jedoch weniger die Bekämpfung der PKK, sondern die Angst der Generäle vor einer kurdischen Autonomie im Norden des Irak. Auch die Truppenkonzentration an der iranischen Grenze ist ähnlich motiviert. Die durch die iranische Nuklearproblematik entstandene Gefahr eines amerikanischen Angriffs auf den Iran erhöht in den Augen des türkischen Staates das Risiko, dass die Kurden auch im Iran ihre Grundrechte erlangen.
Die Politik der türkischen Regierung spaltet das türkische und kurdische Volk nicht nur in der Türkei. Die nationalistisch-militante Politik der Türkei gefährdet alle Orte, in denen Türken und Kurden zusammenleben und stellt damit eine Gefahr für den sozialen Frieden in Deutschland und Europa dar.
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
bei der Kurdenproblematik handelt es sich um das Freiheitsstreben einer ethnischen Gruppe, die als Minderheit bezeichnet wird, aber statistisch gesehen die zweitgrößte Volksgruppe innerhalb der Grenzen der Türkei ist. Wie jede ethnische Gruppe sollten auch die Kurden das Recht haben, über ihre eigene Zukunft mitbestimmen zu können. Wie das Beispiel Montenegros zeigt, ist dies in Europa gängige Praxis.
Das Kurdische Volk ist nicht gegen den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union. Vielmehr erhofft es sich durch den Einfluss der EU mehr Freiheiten und mehr Rechte. Der Staatsterror unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung darf nicht ausgeweitet werden! Die Militäroperationen in Kurdistan müssen gestoppt werden und die Kolonialisierung des eigenen Staates muss endgültig aufhören. Anstatt eine Problemlösung vorzutäuschen muss die Türkei die Erfüllung der Kopenhagener Kriterien gewährleisten und mit festen Reformen vorantreiben.
Wir hoffen, dass die Problematik der Kurden in der Türkei auf der Tagesordnung stehen wird bei Ihrem Gespräch mit dem Ministerpräsidenten der Türkei und verbleiben
Mit freundlichen grüßen
KOMKAR- Vorstand
WIEDER RECHTSRADIKALE GEWALT IN UNSEREM LAND
Rechtsextremistische Gewalttaten kurz vor der Fußball-WM erregen die Öffentlichkeit und sorgen zu Recht für Schlagzeilen in der Presse.
Besonders besorgniserregend sind die Zahlen aus dem aktuellen Verfassungsschutzbericht. Die Zahl rechtsextremistischer Gewalttaten ist um 23,5 Prozent gestiegen.
Die Öffentlichkeit erfuhr aber vorwiegend nur von Überfällen wie auf den Deutsch-Äthiopier Ermyas M. und dem Berliner Abgeordneten Giyasettin Sayan. Diese Angriffe sind jedoch nur die Spitze des Eisberges.
Die Zunahme der Führer und der Mitläufer in der rechtsradikalen Szene liegt seit Jahren auf der politischen Tagesordnung. Doch in solchen Zeiten werden meistens nur polizeiliche Maßnahmen ergriffen, obwohl man den Dingen auf den Grund gehen müsste.
Stattdessen wurden immer wieder Debatten geführt, die sich einseitig auf den fehlgeschlagenen Integrationsprozess der Migranten konzentrierten. Die immer wieder auftauchende neue Maßnahmekataloge, die die Einbürgerung und den Aufenthalt der Migranten erschweren, stellen die Bereicherung unserer Gesellschaft negativ dar. Solche Maßnahmen, oft negative Debatten um die Thematik und insgesamt die fehlgeschlagene Integrationspolitik der Bundesrepublik begünstigen die Neigung rechtsradikaler Organisationen und die Gewalt gegen den anders aussehenden und Andersdenkenden.
Die Warnungen an die Gäste der WM, die eine andere Hautfarbe haben, der Verfassungsschutzbericht, Diskussionen über die sog. „No-go-Areas“, wo sich Migranten nicht hintrauen können und die Gewalttaten in letzter Zeit sollen uns endlich mal an eine neue, vernünftige, der Realität entsprechende Migrationspolitik denken lassen, weil durch rechtsradikale Entwicklungen vor allem unsere Demokratie gefährdet ist. Arbeitslosigkeit, familiäre Probleme und ähnliche Gründe können nicht die Ursache sein, sondern nur Scheinauslöser.
"Wir werden keine Form von Extremismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus tolerieren… Leitmotiv für die Politik der Bundesregierung ist, für Freiheit, Demokratie und Toleranz zu kämpfen“, sagte Bundesinnenminister Schäuble. Wir unterstützen diese Äußerungen und erwarten von der Bundesregierung, die erforderlichen zielgerichteten Maßnahmen für ein friedliches Zusammenleben zu ergreifen und appellieren ebenfalls an alle politischen Parteien von den latenten ausländerfeindlichen Wahlkampfparolen abzusehen, die dem Rassismus einen günstigen Boden auf dem goldenen Teller anbieten.
Wir benötigen eine vernünftige Bundes- und Kommunalpolitik, die
*ein friedliches Zusammenleben von Einheimischen und Migranten und Gleichberechtigung der Migranten in allen gesellschaftlichen Bereichen ermöglicht,
* dem Abbau von gegenseitigen Vorurteilen sowie der Vermeidung der Isolation und Gettoisierung der Migranten dient,
* die Neigung der Jugendlichen zur demokratiefeindlichen Szenen verhindert,
* allen Jugendlichen Ausbildungs- und Arbeitsplätze verschafft.
*ir solidarisieren uns mit den Opfern und wünschen ihnen eine baldige Genesung.
*ir wünschen allen Menschen von nah und fern eine Fußball-WM-Zeit, in der die Völkerverständigung, Spaß und vor allem de
25.05.2006
KOMKAR- Vorstand
An die Europäische Union,
An die RegierungspräsidentInnen und AußenministerInnen der EU-Mitgliedsstaaten
Wir, die Einrichtungen der in Berlin lebenden KurdInnen, verfolgen mit größtem Interesse die politischen Veränderungen in Deutschland und in Kurdistan, unserer Heimat, die wir verlassen mussten. Die Erweiterung der EU, der größte politische Veränderungsprozess auf internationaler Ebene, hat auch für uns eine große Bedeutung. Bedingt durch die Tatsache, dass dieser Prozess die kurdischen MigrantInnen in Europa und das kurdische Volk innerhalb der Staatsgrenzen der Türkei unmittelbar betrifft, möchten wir unsere Meinung hierzu äußern.
Dabei möchten wir darauf verzichten, auf Geschichte und Ursachen der jetzigen Situation unseres Volkes und Landes einzugehen. Jedoch müssen wir erwähnen, dass für das kurdische Volk das vergangene Jahrhundert einer der schwierigsten Abschnitte der Geschichte gewesen ist. Von seinem Beginn bis zum Ende war das 20. Jahrhundert für das kurdische Volk das Jahrhundert der Repressalien, der Unterdrückung und des Völkermordes.
So ist es nur selbstverständlich, dass die Kurden diesen Unmenschlichkeiten im 21. Jahrhundert nicht mehr ausgeliefert sein möchten. Sie wollen und wünschen sich, dass dieses Jahrhundert die Ära des Friedens, der Gleichheit und Freiheit wird. Diese Werte sollten auch die Grundlagen sein, auf denen der Beitritt der Türkei in die EU vollzogen wird.
Wird die EU diesen Erwartungen gerecht werden können?
Im Lichte der bisherigen EU-Politik fällt es uns nicht nur schwer, optimistisch zu sein, sondern wir haben darüber hinaus verständliche Sorgen. Denn die EU vermeidet es weiterhin, gleich der Politik der Türkei, in ihren Dokumenten die Begriffe „das kurdische Volk“ und „die Kurden-Frage“ zu erwähnen. In den für alle Parteien verbindlichen Dokumenten der EU gibt es kaum konkrete Aussagen zum Kurdenproblem und zu den Schritten, die eingeleitet werden müssten, damit das kurdische Volke zu seinen Rechten gelangt.
Auch aufgrund dieser politischen Haltung der EU hat sich für die Kurden seit dem 17. Dezember 2004 nichts verändert. Die Machthaber in der Türkei setzen weiterhin auf eine Unterdrückungs- und Assimiliationspolitik, anstatt die Rechte des kurdischen Volkes zu respektieren.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Die Kurdenfrage ist keine Minderheitenfrage, sondern die Frage der Freiheit eines Volkes, das unter schwersten Repressalien leidet und dem seine elementarsten Rechte vorenthalten werden.
Das kurdische Volk möchte Niemandem unrecht tun. Es hat keinerlei Absicht, andere Länder zu entzweien. Es will nur die elementarsten Rechte zugesprochen bekommen, wie sie den anderen Völkern dieser Welt ebenso zustehen.
Die Kopenhagener Kriterien reichen natürlich nicht, eine endgültige Lösung für die Kurdenfrage zu finden. Diese Feststellung jedoch soll nicht so verstanden werden, das wir auf diese Kriterien keinen Wert legen. Im Gegenteil, wir legen großen Wert darauf und erwarten von der EU, sich konsequent für ihre Umsetzung einzusetzen. Von den zuständigen Gremien der EU und den Regierungen der Mitgliedsstaaten fordern wir in diesem Rahmen:
1. Die jetzige türkische Verfassung ist mit Demokratie und Pluralismus in keinster Weise vereinbar. Die Türkei benötigt eine neue und wirklich demokratische Verfassung. Die Türkei soll sich von jeglichen Tabus in der Kurden- und Armenierfrage befreien. Die neue Verfassung soll die rassistische Ideologie, dass jeder in diesem Lande ein Türke ist, nicht mehr beinhalten, die Existenz anderer Völker, nationaler Minderheiten, unterschiedlicher Religionsgemeinschaften anerkennen und deren Rechte nachhaltig gewährleisten.
2. Der Macht der Militärs in der Politik muss ein Ende bereitet werden,
3. Es soll eine Generalamnestie erlassen werden und die Militäroperationen in den kurdischen Gebieten sollen beendet werden. Die Waffen sollen endlich schweigen, unabhängig davon, von welcher Seite sie angewendet werden.
4. Folter, Misshandlungen und Selbstjustiz sollen mit sofortiger Wirkung eingestellt werden. Jedes Mitglied der Sicherheitskräfte, das solche Taten begeht, sollen seiner gerechten Strafe durch eine demokratische Justiz zugeführt werden.
5. Die Rechte des kurdischen Volkes im sprachlichen und kulturellen Bereich sollen uneingeschränkt anerkannt und respektiert werden.
6. Das türkische Bildungssystem ist antidemokratisch, rassistisch und chauvinistisch. Das Bildungssystem soll schnellstens eine demokratische Grundlage erhalten und das Recht auf Bildung in der Muttersprache anerkannt werden.
7. Verbote, die die Meinungs- und Organisationsfreiheit behindern, sollen aufgehoben werden.
8. Die aufgrund von Religion und Konfession bestehenden Benachteiligungen sollen beendet werden und die notwendigen Schritte eingeleitet werden, um Gleichheit auf allen Ebenen des Lebens zu gewährleisten.
9. Die Probleme von Millionen von vertriebenen Kurden sollen gelöst, die Möglichkeiten für ihre Rückkehr gewährleistet werden, Entschädigungen müssen geleistet werden.
10. Die Turkifizierung geographischer Bezeichnungen soll rückgängig gemacht werden.
11. Rassistischen Parolen wie „Glücklich derjenige, der sagt, ich bin Türke!“, und „Ein Türke ist soviel Wert wie die ganze Welt!“ sollen verboten werden.
12. Die Zahl der Polizisten und Soldaten in Kurdistan soll schnellstmöglichst verringert werden. Die militärischen Einheiten, die die kurdischen Städte belagern, sollen zurückgezogen werden, damit nicht der Eindruck einer Invasion entsteht. Die leeren Gebäude und Grundstücke, die diese Einheiten hinterlassen, sollen den vorherigen Besitzern oder den Städten oder Gemeinden zurückgegeben werden.
13. In den EU-Ländern lebt mehr als eine Million Kurden. Die EU soll den Status von diesen MigrantInnen aus politischer, rechtlicher und kultureller Sicht überdenken. Die Kurden sollen offiziell als Minderheit anerkannt und in den entsprechenden Statistiken als Kurden erwähnt werden. Ihre Kultur und Sprache muss gefördert werden.
In der Hoffnung, dass die EU das kurdische Volk nicht vergisst.
Hochachtungsvoll
Vertretung der Demokratischen Partei Kurdistan-Iran (DPKI) für diplomatische Beziehungen in Deutschland, Österreich und Europäischem Parlament
Tel.: +43-1-967 24 95 Mobil: +43-6991-967 24 95 Fax: +43-1-967 24 95
Presseerklärung
Wien, 25. Juli. 2005
Das Iranisch Regime und neue Gewaltwelle in Iranisch-Kurdistan Am 9. Juli 2005 greifen Revolutionsgardisten in der kurdischen Stadt Mahabad eine Gruppe von kurdischen Jugendlichen an, wobei drei Personen verletzt wurden. Ein schwer Verwundeter namens Kemal Esfarni (schiwane) wird festgenommen, wird barbarisch gefoltert (Bilder von Folter-Spurren liegen Vor) und schließlich ermordet. Seine durchsiebte Leiche, an ein Fahrzeug gebunden, wird zur Einschüchterung der Bevölkerung in den Straßen Mahabad zur Schau gestellt. Aus Protest gegen dieses Verbrechen gingen in Mahabad und anderen kurdischen Städten zehntausende Menschen auf die Straße. Am 13. Juli 2005, den 16. Jahrestag des Terroranschlags auf Dr. Abdul Rahman Ghassemlou, den DPKI-Vorsitzenden, durch die Gesandte der Islamischen Republik in Wien am Verhandlungstisch weiten sich die Protestaktionen gegen das Regime massiv aus.Daraufhin stürmen Unterdrückungsorgane des Regimes die Häuser, misshandeln die Bewohner, plündern die Geschäfte und nehmen Massenverhaftungen vor. Das Regime hat Spezialeinheiten aus Mianduab, Urmia und Kerman nach Kurdistan verlegt. Trotz brutalen Vorgehens der Schlägertrupps dauern die Demonstrationen an. Berichten aus dem Iran zufolge sind zahlreiche Demonstranten verletzt und mehr als 200 Personen festgenommen worden, die brutal gefoltert werden. Zahlreiche kurdische und iranische Parteien und Organisationen sowie „der Kongress der iranischen Völker für einen föderalen Iran“ haben das Vorgehen der Islamischen Republik in Kurdistan verurteilt und demokratische Kräfte und Menschenrechtsorganisationen im Ausland aufgerufen, gegen die Unterdrückungspolitik des iranischen Regimes zu protestieren.
Repräsentantenbüro der DPKI für internationale Beziehungen
Die Islamische Republik verstärkt die Unterdrückung in Iranisch-Kurdistan
Zwei Tote und zahlreiche Verletzte
Heute Montag, den 25. Juli 2005, nehmen die Unterdrückungsorgane des Regimes in der Kurdenstadt Oshnovieh (Shino) die
Demonstranten unter Beschuss, töten zwei Demonstranten namens Haider Abdullahzadeh und Omer Amini und verletzen zahlreiche
weitere Personen. Die friedlichen Demonstrationen fanden statt, um gegen die Festnahme von etwa 200 Personen in den Kurdenstädten
Mahabad, Piranshar und Mariwan und deren Folterung in den Gefängnissen sowie gegen die Plünderungen von Häusern und
Geschäften durch die Revolutionswächter zu protestieren. Während das Regime weitere Truppen nach Kurdistan verlegt, gehen die Protestaktionen in den Kurdistan weiter.
Repräsentantenbüro der DPKI für internationale Beziehungen
(Paris, 25.7.2005)
Die Gesellschaft für bedrohte Völker
Fast 60 Jahre lang haben türkisches Militär und amtierende
Regierungen, von Beginn der 20er Jahre bis zur Entstehung der PKK
Anfang der 80er, gnadenlos ihre kurdische Bevölkerung verfolgt. Es
begann mit dem großen Vater der Türkei Atatürk. Zur Bekämpfung der
westlichen Entente, zur Liquidierung oder Vertreibung eines
Großteils der vertriebenen Armenier und Assyrer,
zur totalen Säuberung des großen griechischen Sprachgebietes an der
Ägäis und im Pontos benötigte der türkische Führer die kämpferischen
Kurden. Im Namen des Türken und Kurden vereinigenden Islam trieb er
die ionischen Griechen ins Meer. Kaum waren
die äußeren Feinde und die christlichen Volksgruppen bezwungen oder
zum Teil vernichtet, wandte Atatürk sich gegen die Kurden. Er und
seine Nachfolger führten Massendeportationen von über einer Million
kurdischer Kinder, Frauen und Männer durch und ermordeten Zehn-
wahrscheinlich Hunderttausende.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging diese erbarmungslose Verfolgung
weiter. Ganz Südostanatolien, Türkisch-Kurdistan, stand unter
militärischer Willkürherrschaft. Immer wieder wurde über einzelne
oder alle Provinzen der Ausnahmezustand verhängt. Die
Dorfbevölkerung wurde drangsaliert, Menschenrechtsverletzungen waren
immer wieder alltäglich. Es wurde vergewaltigt, inhaftiert,
gefoltert.
Gerichte setzten sich meistens über jede Rechtsstaatlichkeit hinweg.
Die Kurden galten als Bergtürken. Die kurdische Sprache, Kultur und
Identität wurde konsequent unterdrückt, Kurdische Parteien,
Institutionen, Zeitungen oder Verlage blieben verboten.
Die Antwort auf die türkische Barbarei wurde die radikale PKK, eine
Partei, die von Anfang an Terror nicht scheute. Vor allem nicht an
der eigenen Bevölkerung. Aus dem Milieu türkischer und kurdischer
Linksextremisten entstand die PKK unter autoritärer Führung eines
Exstudenten Namens Öcalan. Einer weitgehend türkisierten Familie
entstammend, lernte Öcalan zwar kurdisch, machte aber über Jahre das
Türkische zur Verkehrs- und Schriftsprache seiner Bewegung. Anders
als erfolgreiche Freiheitskämpfer wie der Fretilin in Osttimor, der
südsudanesischen Widerstandsbewegung unter Garang oder der
irakisch-kurdischen Befreiungsfront unter Mustafa Barzani, kämpfte
Öcalan niemals in seiner Heimat. Vielmehr richtete er seine
Lager im Libanon unter der Obhut des syrischen Diktator Hafes el
Assad ein, der seine heute zwei Millionen Kurden nicht viel weniger
unterdrückte, wie die Regierenden in der Türkei. Als Verbeugung
gegenüber seinem syrischen „Schirmherren“ leugnete Öcalan überhaupt
die Existenz des kurdischen Sprachgebietes, die Existenz von
Syrisch-Kurdistan insgesamt.
In vieler Hinsicht übertraf die politische Praxis Öcalans die
diktatorische Härte Assads. Seine Partei organisierte er nach
stalinistischen Prinzipien. Der große Führer regelte alles. Während
er selbst kurdische Freiheitskämpferinnen missbrauchte, untersagte
er seinen Partisanen sowohl die Ehe, als auch erotische Kontakte.
Vielfach liquidierte er junge kurdische Kämpfer, die Dienst in
seinen Lagern hatten. Vor allem jene, die ihm widersprachen. Öcalan
beseitigte sein gesamtes erstes Politbüro. Er mordete von Schweden
über Deutschland bis in den Libanon.
Öcalan überzog die kurdischen Gemeinschaften aus der Türkei im Exil
und viele der kurdischen Städte der Türkei mit einem Netz von
Kontrolle, Denunziation und Repressionen gegen Menschen, die sich
nicht einordnen wollten. Während die türkische Armee, die
Sicherheitskräfte und die von der Armee eingesetzte mörderische,
terroristische Hisbollah nicht nur PKK Anhänger, sondern ungezählte
normale kurdische Bürger, aber auch Akademiker, Politiker und
Schriftsteller ermordete, benutze die PKK ihrerseits
Morde und Attentate als politisches Mittel. So erklärte sie allen
Türkischlehrern in Kurdistan den Krieg und ließ über Hundert von
ihnen ermorden.
Schrecklich war die Kampfweise der PKK für die eigene kurdische
bäuerliche Bevölkerung. Fern von den Kampfgebieten mit den
Direktiven des syrischen Diktators, fällte Öcalan unzählige
Fehlentscheidungen, die ein Desaster nach dem anderen für die
Partisanen
verursachten. Öcalan griff in die Führungsstrukturen ein,setzte
bewährte Kommandeure ab oder ließ sie verfolgen. Die Guerilla konnte
so den Bauern und anderen Dorfbewohnern keinen wirklichen Schutz
gewähren. Sie drangen nachts in die Dörfer ein, baten oder erzwangen
Unterstützung. Tagsüber kamen die türkischen Soldaten mit neuen
Repressionen. Schließlich stellte die Armee Kurdistans Dörfler vor
die Entscheidung: „ Ihr werdet Dorfschützer, nehmt unsere Waffen an,
verteidigt Euch gegen die PKK oder wir zerstören Eure Dörfer.“Fazit:
3.428 Dörfer Türkisch-Kurdistans wurden zerstört. Zweieinhalb
Millionen Landbewohner mussten in die
Elendsquartiere der Städte umziehen. Hunderttausende wanderten ab in
die Westtürkei oder bildeten den Grundstock der großen kurdischen
Emigration in Deutschland und den Nachbarländern. Sie gingen ihrem
Land verloren. Dafür ist die Türkei ebenso verantwortlich wie die
PKK. Unerträglich, dass diese kurdische so genannte Arbeiterpartei
sich über Jahre in ihren Pressekommuniques der täglichen
Abschussquoten in Sachen „Dorfschützern“ rühmte. Kein Wunder, dass
etwa 35.000 der 40.000 Todesopfer des türkisch-kurdischen
Bürgerkrieges Kurden waren.
Schließlich wurde Öcalan 1999 von verschiedenen Geheimdiensten,
darunter dem israelischen, verfolgt und festgenommen. Seine
Strategie hatte sich gegen ihn gewandt. Die Türkei hatte Truppen
gegen Syrien aufmarschieren lassen und der Diktator hatte schnell
klein bei gegeben und die Auflösung der PKK Aufmarschbasis
angekündigt. Öcalan verließ das Land und unternahm eine
tragische Irrfahrt. Kein europäisches Land wollte ihn aufnehmen.
Schließlich entführte ihn der israelische Geheimdienst aus Kenia und
lieferte ihn an die Türkei aus. Dort sitzt er auf einer Insel im
Maramameer, beschäftigt mehrere Rechtsanwälte und entsendet durch
sie ständig Botschaften an die Reste seiner erfreulicherweise
zusammenschrumpfenden Kampftruppen und an die Parteibasis in
Südostanatolien.
Die 3.500 wirklichen oder angeblichen PKK Sympathisanten, von
Ausnahmegerichten zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt,
seinerzeit nicht selten gefoltert, angeklagt des Separatismus, des
Terrorismus und oft einfach nur Flugblätterverteiler oder
willkürlich Verdächtige, haben keine Möglichkeit als politische
Gefangene sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Warum genießt der
PKK Parteiführer und vielfacher Mörder Öcalan dieses Privileg?
Zuletzt hat er den Waffenstillstand gekündigt. Es wird wieder
gekämpft, wenn auch auf kleiner Flamme. Die Erklärung vieler
kurdischer Persönlichkeiten ist schwer nachvollziehbar, aber
deutlich. Ohne PKK kein Krieg in Südostanatolien, keine Arbeit für
die Armee, kein Argument für deren Führung für Sondergerichte,
Ausnahmezustand und autoritären Staat. All das stellt die
konservative aber maßvolle islamische Regierung infrage,
bedrohte die Position der Armee durch eine Reihe von Reformen.
Zwei traurige Tatbestände sind nachzutragen. Gemeinsam haben Assad
und Öcalan mindestens Zehntausend junge syrische Kurden in die
Einheiten der PKK gelockt. Sie wurden dann in die Kampfgebiete
geschickt. Die große Mehrheit von ihnen, auch junge Frauen, sind
gefallen oder von türkischen Einheiten liquidiert worden.
Nicht so dramatisch, aber schlimm genug, ist das Schicksal der
deutschen Yeziden, heute eine Menschengruppe – vor allem in
Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen- von mehr als 50.000 Menschen.
Auch diese Gruppe wurde mit einem eng gespannten Netz der Kontrolle
und Repressionen überzogen – jahrelang mitten in Deutschland. Wer
sich zu wehren suchte, wurde bedroht
oder zusammenge-schlagen. Ihre kleinen Betriebe mussten Steuern
zahlen. Wer sich weigerte, dessen Einrichtung wurde zerstört oder er
wurde mit anderen Sanktionen konfrontiert. Eine Reihe junger
Menschen, junge unmündige Männer und Frauen, wurden in
niederländische oder belgische Lager geholt und dort ausgebildet.
Erst die Gesellschaft für bedrohte Völker beendete diese Praxis,
als sie die PKK und deren deutsche Freunde mit einem offenen Brief,
gesandt an die Massenmedien, so unter Druck setzte, dass die letzten
sechs Jugendlichen in ihre Heimat zurück geschickt wurden. Manchmal
zahlt sich Härte und Ausdauer
eben aus.
Noch hat die PKK nicht wirklich aufgegeben. Wieder wurde ein Konzert
des berühmtesten kurdischen Sängers Sivan Perver in Athen von PKK
Schlägern beendet, wie beinahe ein Jahr zuvor das Sivan Konzert der
Gesellschaft für bedrohte Völker in Bonn. Die inzwischen
weltbekannte kurdische Parlamentarierin Leila Zana
– lange Zeit PKK Sympathisantin
– und endlich aus politischer Haft entlassen, wurde öffentlich
bedroht. Wieder wurden auch in Deutschland PKK Dissidenten
misshandelt oder sogar ermordet. Die Weiterexistenz der PKK, als
KONGRA GEL, beschädigt den kurdischen Namen, gef
ährdet die Regionalautonomie im Nordirak, überall als
vergleichsweise human und zivilisiert gelobt, und gibt der Türkei
neue Munition, Irakisch –Kurdistan zu bedrohen. Ihre schnelle
Auflösung wäre ein großer Schritt nach vorn für die 15 Millionen
türkischen Kurden
und die Entwicklung einer Vielfalt von kurdischen Parteien,
Institutionen und NGO´s sowie für die kurdische Nation
überhaupt.
Tilman Zülch, Generalsekretär der Gesellschaft für
bedrohte Völker, Near East DeskPO-Box 2024 37010 Goettingen
Email:
nahost@gfbv.de
12
August
2004
An die Öffentlichkeit
Der türkische Staat muss sich beim kurdischen Volk für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit entschuldigen, die TäterInnen verurteilen und die Opfer entschädigen
Seit mehreren Monaten werden auf den WEB-Seiten von Gelawej und von zahlreichen kurdischen Personen und Organisationen Kampagnen geführt, die den türkischen Staat auffordern, die Folterer nach dem Militärputsch vom 12. September 1980, die im berüchtigten Gefängnis von Diyarbakir Tausende politische Gefangene gefoltert haben, zu bestrafen sowie diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die bisher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben. Sie fordern auch den türkischen Staat auf, sich bei den Betroffenen, an denen und/oder an deren Familienangehörigen seit dem Militärputsch vom 12. September 1980 bis heute Verbrechen begangen wurden, offiziell zu entschuldigen.
Die Weltöffentlichkeit ist nach der Aufdeckung der Folter an irakischen Häftlingen durch US-amerikanische Militärangehörige im Al-Graib-Gefängnis sensibilisiert. Dies hat gleichzeitig die systematische Folter, insbesondere die Kriegsverbrechen der türkischen Sicherheitskräfte gegen das kurdische Volk sowie das Verbrechen dieser Kräfte gegen die Menschlichkeit auf die politische Agenda gesetzt.
Gerade während des 15 Jahre dauernden Krieges des türkischen Staates gegen die Bevölkerung in Kurdistan wurden
unzählige Massenmorde begangen;
Tausende von Dörfern und Weiler zwangsentvölkert und zerstört;
nahezu 4 Mio. Menschen aus ihrem Siedlungsgebiet zwangsvertrieben;
Flora und Fauna in Kurdistan durch gezielte Politik zerstört, Waldflächen und Agrarnutzflächen mutwillig durch Flugzeuge und Hubschrauber in Brand gesetzt;
Tausende von Kurdinnen und Kurden durch „unbekannte Täterschaft" ermordet;
Tausende kurdischer Frauen und Mädchen durch die Sicherheitskräfte oder Dorfschützer vergewaltigt;
Hab und Gut kurdischer Geschäftsleute und HändlerInnen in den Städten durch Sicherheitskräfte zerstört;
durch Militär und Polizei Ermordete anonym in Massengräbern verscharrt und die Übergabe dieser Toten an die Angehörigen verweigert;
historische Kulturgüter in der kurdischen Region vernichtet;
Oppositionelle systematischer Folter und Sippenhaft durch die Polizei, Gendarmerie und in den Gefängnissen ausgesetzt;
mehrere kurdische Unternehmer auf Anweisung der Regierung ermordet.
Der türkische Staat hat trotz der zahlreichen Urteile des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte bisher keinen Schuldigen vor Gericht gestellt oder zur Rechenschaft gezogen. Obwohl einige der Mafiaangehörigen, die im Schutz des Staates Morde und Erpressungen begangen haben, in den westlichen türkischen Metropolen vor Gericht gestellt wurden, wurde bisher niemand angeklagt und zur Rechenschaft gezogen, der in Kurdistan Verbrechen begangen hat.
Die Türkei auf dem Wege in die Europäische Union muss sich im Rahmen des Demokratisierungsprozesses für die begangenen Verbrechen, offiziell entschuldigen, vor allem bei den Folteropfern, den Angehörigen der Verschwundenen und beim kurdischen Volk. Und sie muss den Opfern und ihren Familien eine umfassende Entschädigung zukommen lassen sowie die Schuldigen gerichtlich zur Rechenschaft ziehen. Ohne diese Handlung wäre eine Mitgliedschaft der Türkei in der EU nicht denkbar.
Der türkische Staat ist verpflichtet alle Offiziere, Sicherheitskommandeure und andere Funktionäre, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben, sowie Politiker, die diese Verbrechen befehligt haben, so schnell wie möglich vor Gericht anzuklagen. Nur so kann die Türkei ihre Vergangenheit bewältigen und in die Europäische Union aufgenommen werden.
Wir, die Unterzeicherinnen und Unterzeichner dieses Aufrufes unterstützen die Kampagne, die von der Republik Türkei fordert, dass sich sie beim kurdischen Volk für die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit entschuldigt, ein umfassendes Entschädigungsprogramm einleitet und die VerbrecherInnen zur Rechenschaft zieht.
Die kurdischen und prokurdischen Organisationen, die diese Kampagne unterstützen, werden die Ergebnisse dieser Kampagne an internationale Institutionen und Gremien weiterleiten.
Bonn, 06. August 2004
IMK e.V. - Internationales Zentrum für die Menschenrechte der Kurden ,
Verein gegen Kriegsverbrechen in Kurdistan e.V.
Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e.V.,
KOMKAR – Veband der Vereine aus Kurdistan e.V.
KOMJIN – Kurdisches Frauenbüro Wuppertal
KOMCIWAN – Verband der Jugendlichen aus Kurdistan
Presseerklärung
Die Parlamentarische Versammlung des Europarates hat am 22.06.2004 nach einer Debatte über den Bericht der Berichterstatterin Frau Mady Delvaux-Stehres das vom Europarat 1996 eingeleitete Überwachungsverfahren (Monitoring) in der Türkei beendet.
Die Parlamentarische Versammlung „begrüßt dabei die demokratischen Fortschritte der jetzigen türkischen Regierung, insbesondere die Abschaffung der Todesstrafe, der Staatssicherheitsgerichte und den verringerten Einfluss des Militärs hervor. Sie lobt weiterhin die Stärkung der Presse- und Meinungsfreiheit sowie die Einführung von kurdisch-sprachigen Radio- und Fernsehsendungen in der Türkei.“ Sie kritisiert gleichzeitig, dass in der Türkei weiterhin Folter gibt, dass es noch Mängel an Gleichberechtigung von Frauen und Minderheiten gäbe. Die Behauptung „der Einfluß der Militärs hätte sich verringert“ entspricht nicht der Realität.
Das Bestehen der militärischen Organisation EMASYA und die Erklärungen der türkischen Generäle in den letzten Wochen machen weiterhin ihren Einfluß auf die Politik der Türkei deutlich.Die Berichterstatterin Frau Delvaux- sollte beim Verfassen Ihres Türkei-Berichtes stärkeres Augenmerk auf die Berichte von Amnesty International, der Menschenrechtsstiftung (TIHV) und des Menschenrechtsvereins der Türkei (IHD) richten.
Auch die heutige Regierung in Ankara hat keine Absicht sich von der 80-jährigen saatlichen Kurden- und Minderheitenpolitik zu verabschieden und wirksame Schritte zur Lösung des Kurdenkonfliktes zu unternehmen. Ihre Politik basiert weiterhin auf Assimilierung von ca. 20 Millionen Kurden und der religiösen sowie ethnischen Minderheiten in der Türkei. Die Drohungen vom Ministerpräsidenten Erdovan und des Justizministers Cicek in den letzten Tagen machen diese bisher betriebene Politik deutlich. Beide drohen insbesondere den kurdischen Politikerinnen und Politikern, die eine offizielle Anerkennung der kurdischen Identität fordern mit Gewaltanwendung (Devletin Sopasi).Auch die KommentatorInnen der meisten türkischen Medien stellen sich hinter der bisherigen Regierungspolitik und verlangen von KurdInnen zu schweigen und fordern ihre Assimilierung.
Die bisher eingeführten muttersprachlichen Sendungen lediglich im staatlichen Radio- und Fernsehanstalt TRT ist ein Hohn gegenüber ein viertel der Bevölkerung der Türkei. Dass diese Sendungen die kurdische Bevölkerung nicht im geringsten Masse befriedigen, mussten nach Beginn der Sendung in TRT auch die türkischen Medien zugeben. Genauso ist mit den kurdischsprachigen Kursen. Bisher sind unter größten bürokratischen Schwierigkeiten in drei Orten ein Kurdischsprachiger Kurs genehmigt worden. Kurdische Kinder und Jugendliche haben keine Change diese Kurse zu besuchen, weil diese Kurse während der Schulzeit und an den Wochenenden durchgeführt werden müssen.
Auch die heutige Regierung versucht die internationalen Institutionen hinters Licht zu führen. Wenn die Parlamentarische Versammlung des Europarates von den Fortschritten in der Türkei überzeugt ist und deswegen das Überwachungsverfahren beendet, warum fordert sie von der Türkei nicht die Unterzeichnung bzw. Ratifizierung von internationalen Konventionen wie die Konvention zum Schutz des Kindes und die Konvention zum Schutz der Minderheiten?
Die Türkei weigert sich bisher beharrlich die beiden Konventionen zu ratifizieren, weil sie nicht bereit ist, die Identität der kurdischen Nation in der Türkei offiziell anzuerkennen und damit ihnen ihre kollektiven Rechte zuzugestehen.Die Türkei ist weiterhin nicht bereit die Religionsfreiheit für alle Bürgerinnen und Bürgern einzuführen.Daher protestieren wir den Beschluss der Parlamentarischen Versammlung des Europarates das Überwachungsverfahren aufzuheben.Wir fordern vom Europarat und anderen europäischen Institutionen auf die Türkei einzuwirken, wirksame Schritte zur Lösung des Kurdenkonfliktes und der Minderheitenproblematik einzuleiten.
Bonn, 25. Juni 2004 gez. Abubekir Saydam (Geschäftsführer des IMK e.V.)
IMK e.V. – Internationales Zentrum für die Menschenrechte der Kurden
In diesem Zustand verdient die Türkei nicht, Mitglied der EU zu werden !
Auf dem EU-Gipfel im Dezember 2004 steht die Türkei auf der Tagesordnung ganz oben. Die EU wird bei diesem Treffen beschließen, ob und wann die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei beginnen sollen.
Die Türkei behauptet, sie habe zahlreiche der von der EU geforderten Gesetzesänderungen und die dazu nötigen Verordnungen schon durchgeführt und würde bis zu diesem Gipfel auch die übrigen Gesetzesänderungen durchbringen. Im Gegenzug dazu erwartet Sie von der EU die Nennung eines Termins für die Aufnahme der Beitrittsverhandlungen.
Hat die Türkei wirklich ihre Hausaufgaben erledigt? Hat sie die Kopenhagener Kriterien, die sie zuvor erfüllen muss, insbesondere die politischen, erfüllt?
Die türkische Regierung beantwortet diese Fragen gerne mit ja. Seltsam ist, dass die Oppositionspartei, die Republikanische Volkspartei CHP, die sich gerne als links und fortschrittlich bezeichnet, fragt, warum man so viele Reformpakete brauche und findet, dass man viel mehr Schritte gemacht hätte als nötig.
Aber der Fortschrittsbericht der EU-Kommission vom 5. November 2003, der vom Europaparlament am 31. März 2004 angenommene Oostlander-Bericht und die Berichte der Nichtregierungsorganisationen in der Türkei zeichnen ein völlig anderes Bild. Aus diesen Berichten geht deutlich hervor, dass die Änderungen, insbesondere die den Nationalen Sicherheitsrat betreffen, nicht umgesetzt wurden und das Militär weiterhin einen großen Einfluss auf die Politik nimmt. Es wird hervorgehoben, dass gerade die erlassenen Ausführungsbestimmungen die Anwendung der geänderten Gesetze und der neuen Rechte geradezu verhindern.
Die Reformpakete dürfen nicht auf das Militär angewendet werden!
Die das Militär betreffenden Änderungen sind ein gutes Beispiel dafür, dass die Anstrengungen der türkischen Regierung in Richtung Anpassung an die EU reine Augenwischere sind. Mit den neuen Verordnungen werden die gerade anerkannten Rechte wieder rückgängig gemacht.
In dem vom niederländischen Christdemokraten Arie Oostlander erarbeiteten Türkei-Bericht, der vom Europäischen Parlament angenommen wurde, wird zum Ausdruck gebracht, „dass das Europäische Parlament über die einflussreichen offiziellen wie auch inoffiziellen Netzwerke des Militärs besorgt ist". Diese Besorgnis spiegelt die Realität wider.
So ernennt beispielsweise das Generalsekretariat des Generalstabs immer noch seine Vertreter in den Hochschulrat (YÖK) und in die Oberste Überwachungsbehörde für Radio und Fernsehen (RTÜK).
Alle Änderungen, die das Generalsekretariat des Nationalen Sicherheitsrats (NSR) betreffen und die mit dem 7. Reformpaket am 30. Juli 2003 angenommen wurden, wurden später mit Verordnungen wieder umgangen. Das 7. Paket hatte den Militärs alle politischen Befugnisse außer der Verteidigungspolitik der Streitkräfte weggenommen. So wurde dem Militär untersagt, über die zivile Politik zu bestimmen, zu korrigieren, Aktionspläne vorzubereiten sowie Pläne für Kriege und für zivile Dienste zu machen. Die Verordnungen besagen auch, dass die Führung des NSR paritätisch von einem zivilen und einem militärischen Vertreter besetzt sein muss. Ist der Generalsekretär des NSR ein Zivilist, dann muss sein Stellvertreter ein Militär sein bzw. umgekehrt.
Die türkische Regierung will außerdem ein neues Projekt verwirklichen, das die Gendarmerie dazu ermächtigt, auch in den Städten nachrichtendienstlich aktiv zu werden, also Informationen zu sammeln, organisierte Kriminalität und terroristische Aktivitäten zu verfolgen. Derzeit fällt die Sicherheit auf dem Lande, also nahezu 90 % der Gesamtfläche der Türkei, in den Aufgabenbereich der Gendarmerie. Mit diesem Projekt werden die Soldaten, neben der Polizei, auch in den Städten eine gehobene Stellung bekommen.
Wie das folgende Beispiel zeigt, ist dieses Projekt bereits Realität.
Die Regimentskommandantur der Gendarmerie in der Provinz Diyarbakir verfolgt entgegen den neuen erlassenen Gesetzen diejenigen, die ihre Namen in kurdischen Namen ändern wollten. Sie forderte von den Staatsanwälten die Namen derer, die ihren Namen ändern und einen kurdischen Namen nehmen wollten und verfolgte sie mit massiven Repressionen. Das wurde auch in der türkischen Presse breit diskutiert. Dieser klare Angriff auf die Kurden, die von ihrem legalen Recht Gebrauch machen wollen, verfolgt einzig und allein das Ziel, die Kurden in eine derartige Angst zu versetzen, dass sie so etwas nicht noch einmal wagen. Fatal daran ist, dass die Staatsanwaltschaft, deren Aufgabe die Gesetze auszuführen ist, der Regimentskommandantur dabei geholfen und ihr die Namen der betroffenen Kurden genannt hat.
Viel bedeutsamer ist ein anderes Vorgehen, das vom Generalstab bestätigt und auch in den Medien diskutiert wurde. Die Oberkommandantur des türkischen Heeres hat eine Direktive an die örtlichen Behörden geschickt, wonach Informationen über die in "separatistische und zerstörerische Aktivitäten" verwickelten Personen und Gruppen gesammelt werden sollen. Mit dieser Direktive fordert die Oberkommandantur des Heeres von den Gouverneurs- und Landratsämtern die Namen und die Aktivitäten der inländischen so wie ausländischen Medien in der Türkei und der Diplomaten, die mit den separatistisch-terroristischen Organisationen zusammenarbeiten. Sie fragt auch nach deren Beziehungen zu Medien und politischen Vereinigungen. Weiter will sie wissen, mit welchen Parteien, die der separatistischen Terrororganisation zugewandten Parteien und Organisationen bei eventuellen Wahlen sich verbünden würden. Auch interessiert sich die Oberkommandantur des Heeres für Missionare und die Missionare unterstützenden Institutionen.
In derselben Direktive wird auch gefordert, dass man auch über die Gruppierungen, „die dazu neigen sich als ethnische Minderheit zu betrachten", also all diejenigen, die sich nicht als Türke fühlen, und über die Schriftsteller und Künstler, die gegen die Türkei agieren, Informationen gesammelt werden sollen. Beachtenswert in dieser Direktive ist, dass auch die Bürger, die in irgendeiner Beziehung zu den USA und Mitgliedsländern der EU stehen, beschattet werden sollen.
Der Kreis der Suspekten geht sogar noch weiter: Die Direktive schließt „philosophische Gruppierungen, Aktionsgruppen" und „High Society Gruppen, sowie die Vereinigungen, zu denen Künstler gehören, die Cliquen der Kinderreicher Familien, Sekten (Satanisten, Klu Klux Klan, Freimaurerlogen usw.) Internet- und Meditationsgruppen" mit in die Gruppen ein, über die Geheiminformationen gesammelt werden sollen.
Die militärische Sondereinheit EMASYA
Die Aktivitäten der Militärs sind nicht nur auf die Verfolgung der Anhänger der USA und EU sowie der zur High Society zählenden Personen begrenzt.
Es gibt eine Institution namens EMASYA, welche mit der türkischen Stadt Amasya nicht zu verwechseln ist, die berühmt ist für ihre Äpfel. EMASYA ist eine von Militärs ins Leben gerufene Organisation, die die Aufgabe hat, „Verräterlisten" zu erstellen. Als Verräter werden EU-Befürworter, Befürworter der zweiten Republik, Gegner des Militärs und Feinde von Atatürk" angesehen.
Wie die Presse berichtet, wurde EMASYA - Einheiten für Sicherheit, Ordnung und Zusammenarbeit ("Emniyet, Asayiş, Yardımlaşma Birlikleri”) gemäß eines Provinzverwaltungsgesetzes in den 60er Jahren gegründet.
Diesem Gesetz zufolge können die Gouverneure der Provinzen, wenn sie gegen politisch- gesellschaftliche Bewegungen Unterstützung brauchen, diese bei den militärischen Einheiten einfordern. Um diese Hilfe planen zu können, lässt das Militär die zum verdächtigen Kreis gehörenden Bürger ausspionieren und registriert Daten und Informationen über sie.
Bis 1970 wurde auf diese Weise verfahren. Nach 1997, also nachdem sich die Anstrengungen der Türkei zu einer Mitgliedschaft in der EU verdichtet hatten, wurde die Struktur von EMASYA nach einem Protokoll zwischen dem Innenministerium und dem Generalstab verändert. Mit diesem Protokoll wird den EMASYA-Einheiten das Recht übertragen, eigenständig und nach eigenem Gutdünken, auch ohne die Informationsnachfrage durch Gouverneure, in die politisch-gesellschaftliche Ereignisse einzugreifen. Seit 1997 wurden diese Einheiten in Verbänden umstrukturiert, die 24 Stunden in Alarmbereitschaft stehen und koordiniert agieren.
Diese EMASYA-Einheiten, die aus den Reihen des Heers gebildet wurden, sind befugt, von den Gouverneursämtern jegliche Informationen fordern und gegebenenfalls die Gouverneursämter beeinflussen. Mit dem Protokoll von 1997 zwischen dem Innenministerium und dem Generalstab hat der Generalstab zivile Verwaltungsstrukturen wie Gouverneursämter und Landratsämter unter ihren Einflussbereich gebracht. Die EMASYA-Einheiten sind befugt, quasi die ganze Gesellschaft in der Türkei zu überwachen und verfolgen.
Es ist ein völkerrechtliches Prinzip, dass die Protokolle nicht dem Grundgesetz und den Gesetzen widersprechen dürfen. Wenn sie völkerrechtlich nicht gedeckt sind, müssen sie aufgehoben werden. Die türkische Regierung hat aber trotz dieses völkerrechtlichen Prinzips das Protokoll, das den Einflussbereich des Militärs immens ausweitet, nicht aufgehoben.
Kann man nun trotz allem von der türkischen Regierung sagen, sie habe ihre von der EU-Kommission gestellten Hausaufgaben erledigt? Ziel der Reformen sollte ja die Verringerung des Einflusses des Militärs auf das zivile Leben und die zivile Verwaltung sein.
Wir sagen Nein!
Die AKP steht wegen ihrer Ideologie unter der strengen Beobachtung des Militärs. Deswegen hat die AKP-Regierung große Angst, das Militär könnte sich gegen sie stellen. Das Militär wiederum nährt mit seinen Vorstößen diese Angst. Die Regierung wagt deswegen die ernsthaften Schritte hin zu einer Demokratie, die mit der Verbannung des Militärs aus dem politisch-zivilen Leben zusammenhängen, nicht.
Die Verfassung vom 12. September ist immer noch in Kraft
Die bisherigen türkischen Regierungen wollten sich im Rahmen der EU-Beitrittsprozesses ein paar Schritte vorwagen, um einige der Verpflichtungen aus dem „Nationalprogramm" zu erfüllen. Doch für wiederum einige andere wichtige Änderungen konnten sie nicht die Zustimmung des Nationalen Sicherheitsrates bzw. der Militärs erhalten. Einige Gesetzesänderungen wurden durch die anschließend erlassenen Verordnungen quasi wieder rückgängig gemacht.
Die Änderungen an dem Grundgesetz sind nicht über leichte Retuschierungen hinausgegangen und so ist die Kritik von Arie Oostlander in seinem vom Europäischen Parlament angenommenen Bericht, dass das türkische Grundgesetz, das den Siegel des autoritären Regimes von 1982 trägt, sei geschützt worden, sehr berechtigt.
Wie türkische Elitejuristen und die türkische Anwaltskammer ausdrücklich feststellen, ist das Grundgesetz von 1982 ist ein Produkt der Militärjunta vom 12. September 1980. Diese Verfassung ist von der ersten bis zur letzten Zeile antidemokratisch und kann daher nicht mit einigen Retuschen in ein demokratisches Grundgesetz umgewandelt werden. Wie der nun pensionierte Präsident des Kassationsgerichthofs Sami Selcuk zum Ausdruck bringt, ist diese Verfassung lediglich eine „Polizeisatzung".
Die Verfassung von 1982 ist nicht erarbeitet worden, um die Rechte und Freiheiten des Bürgers zu sichern, sondern den Staat vor den sogenannten nicht vertrauensunwürdigen, potenziell schuldigen und gefährlichen Bürgern zu schützen. Sie ist eine Sammlung von schriftlichen Bestimmungen und Anordnungen, die die Freiheiten der Bürger weitestgehend einschränken und uneinforderbar machen.
Dieses Grundgesetz beruht von Anfang an auf einem rassistisch-chauvinistischen Gedankengut. Die Präambel ist eine rassistische Erklärung ohne Beispiel. Während diese Verfassung das Türkentum und die türkische Kultur zu einem Fetisch aufbaut, werden gleichzeitig andere Nationalitäten und Kulturen verleugnet.
Wie der niederländische Parlamentarier Oostlander in seinem erwähnten Bericht fordert, muss also eine neue, zivile, demokratische Verfassung erarbeitet werden.
Wie ist der Stand der Menschenrechte nach all diesen Reformpaketen?
In der Türkei wurden seit dem 6. Februar 2002 mehrere Reformpakete verabschiedet.
Die türkischen Regierungen behaupten, mit diesen Paketen seien die Menschenrechte, Demokratie und die Rechte sowie Freiheiten den europäischen Standards angepasst, Folter und Misshandlungen verhindert worden sind.
Die Berichte der Menschenrechtsorganisationen machen allerdings deutlich, dass die Türkei von diesen Zielen noch weit entfernt ist. Doch auch die türkischen Politiker, die sich rühmen, ihre „Hausaufgaben" erledigt zu haben und nun nach einem Termin für den Beginn der Beitrittsverhandlungen drängen, müssen ehrlich gestehen, dass sie im Fach Menschenrechte durchgefallen sind. Sie kommen nicht umhin zu gestehen, dass sie „in der Praxis Schwierigkeiten haben, aber bemüht sind, diese auszuräumen."
Der Bericht der international hoch angesehenen Stiftung für die Menschenrechte in der Türkei (TIHV) legt in seinen jährlichen Berichten der Weltöffentlichkeit den Stand der Rechte und Freiheiten im Lande offen.
Dem „Bericht über die Meinungsfreiheit in der Türkei 2003" der TIHV zufolge wurden in der Türkei im Bereich der „Meinungsdelikte" 774 Fälle vor den Gerichten verhandelt. Weiter sagt der Bericht, im Jahre 2003 seien „diejenigen Parteien, NGO’s, Journalisten, Schriftsteller und Künstler weiterhin unter Druck gesetzt worden, deren Äußerungen und Aktivitäten mit der offiziellen Politik des Staates nicht konform sind." Gegen Journalisten und Intellektuelle wurden wegen ihrer Meinungsäußerungen, sowohl mündlich als auch in den Medien, in 774 Fällen Prozesse angestrengt.
In 70 Fällen wurden mit der Behauptung Prozesse eingeleitet, diese hätten „den Staat, die Republik, die Sicherheitskräfte und das Militär beleidigt". In 7 von 21 abgeschlossenen Verfahren wurden Hafturteile ausgesprochen.
Sehen wir uns nun den Bericht des Menschenrechtsvereins (IHD) von Diyarbakir an.
Diesem Bericht zufolge wurden im Jahre 2003 85 Personen durch unbekannte Täter ermordet. 21 Personen kamen durch Explosionen von Landminen ums Leben. 548 Personen wandten sich mit Beschwerden an den Menschenrechtsverein, misshandelt und gefoltert worden zu sein. Gegen 1298 Beamte wurde wegen ihrer Meinungsäußerungen und Aktivitäten Untersuchung eingeleitet. 40 angemeldete Veranstaltungen in der Region wurden nicht genehmigt.
In der Region wurden in 5625 Fällen Menschenrechtsverletzungen und Freiheitsberaubungen verzeichnet, 2089 Personen von ihnen wandten sich deshalb an den Menschenrechtsverein.
Diyarbakir ist ein kleiner Teil von Nordkurdistan. Die Menschenrechtsverletzungen im ganzen Kurdistan übersteigen diese angegebenen Zahlen um ein Vielfaches. Diese Zahlen zeigen nur die Personen, die den Mut aufgebracht haben, sich an den IHD zu wenden. Man sollte nicht vergessen, dass Menschenrechtsverletzungen in ländlichen Gebieten wegen der Angst der Menschen vor der Gendarmerie und Spezialeinheiten nicht angezeigt werden. Denn die Personen, die das wagten, wurden später hart bestraft.
In dem vom Menschenrechtsverein Istanbul erarbeiteten „Bericht über Menschenrechtsverletzungen in Istanbul 2003" stehen kurz zusammengefasst diese Informationen:
Im Jahre 2003 wandten sich 283 Personen, davon 34 Kinder und 92 Frauen, wegen Folter und Misshandlungen an den Verein. 138 Zeitungen und Zeitschriften wurden konfisziert, innerhalb eines Jahres wurden gegen Personen wegen ihrer Meinungsäußerungen Gefängnisstrafen von 62 Jahren und 10 Monaten sowie Geldstrafen in Höhe von rund 287 Milliarden Lira verhängt. In diesem Jahr wurden Bombenattentate gegen fünf Parteigebäude verübt.
Die Zentrale des Menschenrechtsvereins in Ankara veröffentlichte auch einen Bericht, über die Menschenrechtsverletzungen im Jahre 2003. Nach diesem Bericht wurden 44 Personen ohne jegliche gerichtliche Urteile umgebracht und 49 Personen verletzt. 13 von ihnen wurden von den Sicherheitskräften erschossen, weil sie trotz des Befehls stehen zu bleiben nicht hielten, 12 Personen wurden durch Dorfschützer ermordet.
Im Jahr 2003 kamen 20 Häftlinge wegen den Zuständen in den Gefängnissen ums Leben. 11 von ihnen verübten Selbstmord, zwei Personen starben in Folge des Hungerstreiks, eine Person verbrannte sich, drei wurden von anderen Gefängnisinsassen ermordet und drei Personen starben, weil sie keine ärztliche Behandlung bekamen. 113 Personen wurden in Gefängnissen gefoltert. Zwei Personen starben in Gewahrsam. 818 Personen wurden misshandelt. 10 Klagen wegen des Todes in Polizeigewahrsam sind noch nicht abgeschlossen.
In Jahr 2003 wurden 99 Schüler und Studenten, 66 Journalisten, 11 Parteifunktionäre, 11 Lehrer, 8 Gewerkschafter, 8 Mitglieder verschiedener Stiftungen und Vereine, 9 kommunale Funktionäre, also insgesamt 222 Personen, von der Polizei angegriffen.
Ausserdem wurden in diesem Zeitraum in nur vier Städten 98 Musikkassetten, 23 Bücher, 25 Zeitschriften konfisziert oder verboten, 24 Zeitungen und Zeitschriften geschlossen. 26 kulturelle Veranstaltungen erhielten von den Behörden keine Erlaubnis. 30 Mal wurden Büroräume verschiedener Zeitungen und Zeitschriften von der Polizei durchsucht. 11 Fernsehkanäle und 10 Radiosender wurden für insgesamt 480 Tage geschlossen.
In politischen Prozessen, die 2003 abgeschlossen wurden, verurteilten die Gerichte 171 Personen zu 324 Jahren Gefängnisstrafe und von 5 Milliarden Lira Geldstrafe. 736 Personen wurden aus ihren Wohnorten verbannt. In 46 Parteigebäuden nahm die Polizei Razzien vor.
Ein interessanter Vorfall ereignete sich in der kurdischen Provinzstadt Van. Der Menschenrechtsverein in Van druckte anlässlich des Weltfriedentags ein Plakat in kurdischer Sprache. Dieses Plakat wurde von einem Gericht in Van verboten. In Windeseile wurde der Urteilspruch auch in andere Städte geschickt, damit das Plakat auch dort verboten wird.
Was wäre, wenn es den Brief von Powell nicht gegeben hätte?
Der Prozess gegen die Polizisten, die vor zehn Jahren den Studenten Birtan Altintas unter Folter umgebracht hatten, verdeutlicht beispielhaft wie wenig ernst und wie unehrlich die türkischen Politiker in ihrem Vorhaben sind, Folter und Misshandlungen zu verfolgen.
Gegen die angeklagten Polizisten konnte kein Prozess geführt werden, weil sie angeblich nicht an ihren Wohnsitzen aufzufinden waren und ihnen deshalb die Vorladung nicht zugestellt werden konnte. Interessant ist jedoch, dass von diesen mit Haftbefehl gesuchten Polizisten zwei im Ruhestand sind und vom Staat jeden Monat ihre Pension bekommen. Einer von ihnen war sogar während der Ecevit-Koalition Berater eines Ministers. Einige der Polizisten kündigten ihren Beruf als Polizist und wurden bei den anderen staatlichen Behörden eingestellt.
Es ist lächerlich: Ein Staat, der der EU beitreten möchte, der viele Gesetze erlässt, um Folter und Misshandlungen zu verhindern, kann seine Bediensteten, die diese Verbrechen begangen haben nicht finden, um ihnen den Prozess zu machen! In welchem anderen Land kann so etwas merkwürdiges passieren?
Nachdem US Außenminister Powell in einem Brief an seinen türkischen Kollegen seine Besorgnis über den Fall von Altintas zum Ausdruck gebracht hatte, wurden plötzlich die Polizisten gefunden und verurteilt. Was nicht bedeutet, dass sie ins Gefängnis kamen. Warum? Weil der Staat, der ihnen jeden Monat ihre Rente bzw. ihren Gehalt auszahlt, kann sie nicht finden und festnehmen. Deswegen sind die verurteilten Polizisten noch immer auf freiem Fuß.
Die Berichte der Menschenrechtsorganisationen und der Fall Altintas belegen, dass auch in der Zeit der AKP-Regierung, die vollmundig entschlossen von „Null Toleranz gegenüber Folter" spricht, die Menschenrechtsverletzungen unverändert fortgesetzt wurden. Die Regierungen, die die EU-Anpassungsgesetze verabschiedet haben, begnügen sich mit kleinen Retuschen statt die neuen Gesetze in die Praxis umzusetzen. Sie signalisieren der Bevölkerung ihres Landes klar und deutlich, dass sie nicht vorhaben, ernsthafte Schritte zur Anerkennung und Praktizierung der Menschenrechte einzuleiten.
Und was ist mit den Menschenrechten und den nationalen Rechten der Kurden?
Was geschieht mit denen, die muttersprachliche Kurse und kurdische Namen forderten und Kurdisch sprachen?
Mit dem Reformpaket vom 3. August 2002 wurde die Todesstrafe abgeschafft, mit der Ausnahme des Kriegsfalles und des drohenden Krieges.
Mit Änderungen an einigen Gesetzen wurden „Radio- und Fernsehensendungen in anderen Sprachen und Dialekten, die die Bürger in ihrem alltäglichen Leben benutzen", zugelassen. Außerdem wurde erlaubt, diese Sprachen in privaten Sprachkursen zu lehren.
Inzwischen sind fast zwei Jahre vergangen. Was in diesen zwei Jahren geschehen ist, zeigt, dass die türkischen Politiker auch in diesem Bereich den Weg zur Augenwischerei gewählt haben und versuchen, Zeit zu gewinnen.
Nachdem mit dem 3. Reformpaket erlaubt worden war, „die traditionellen Sprachen und Dialekte in Privatkursen zu lehren", haben viele Studenten und Schüler und deren Eltern Anträge bei den Universitäten bzw. Schulbehörden gestellt, um von diesem Recht Gebrauch zu machen. Diese Studenten und Schüler wurden allesamt von den Schulen und Universitäten entfernt, mit ihren Eltern zusammen festgenommen und gegen sie Prozesse geführt.
Diejenigen, die die Anpassungsgesetze nutzen und trotz der Drohungen seitens der Gendarmerie ihre türkischen Namen in kurdische umändern wollten, scheiterten vor Gerichten. Einige Gerichte lehnten die Anträge mit der Begründung ab, die Namensänderungen würden „der laizistischen, republikanischen, rechtstaatlichen, die Menschenrechte achtenden Qualität des türkischen Staates nichts beitragen". Ein anderer Ablehnungsgrund war, dass das türkische Alphabet die Buchstaben Q, W, X nicht enthält, die aber im kurdischen vorhanden sind.
Die erarbeiteten „Bestimmungen für das Lernen traditioneller Sprachen und Dialekte" knüpften dieses Recht an sehr viele Hindernisse. So zum Beispiel müssen die Personen, die diese Kurse besuchen, mindestens einen Grundschulabschluss haben. Die Kurse müssen außerdem an Wochenenden und während der normalen Arbeitszeiten stattfinden. In den Kursen ist es verboten, „separatistische Symbole" und „separatistische Farben" wie Rot, Gelb und Grün nebeneinander zu benutzen.
Die Personen, die private Kurdischkurse eröffnen wollten, wurden mit unzähligen Schwierigkeiten konfrontiert. Was sie erlebt haben ist filmreif! Nur zwei Privatschulen in Urfa und Batman haben alle Hindernisse überwinden können, wie zum Beispiel den Lehrplan des Staates oder die Mängel, die die Bauaufsicht festgestellt hatte. In einigen dieser Schulen waren entweder „die Türen zu niedrig" oder „die Fenster zu eng". In anderen Städten kämpfen diejenigen, die Kurdischkurse anbieten wollen, immer noch mit diesen lächerlichen Hindernissen.
Nachdem mit dem 3. Reformpaket erlaubt wurde, die „lokalen und traditionellen Sprachen und Dialekte" zu lernen und dafür Sprachkurse eröffnet werden durften, wurden in der Universität Cukurova Kulturveranstaltungen organisiert. 30 Studenten dieser Universität wurden deshalb anschließend für den Zeitraum zwischen einem Monat und einem Jahr von der Universität entfernt, weil sie „in lokalen Sprachen Lieder gesungen, in traditionellen Trachten ideologische Tänze getanzt haben." Sie wurden auch „als potenzieller Ruhestörer" eingestuft und beschuldigt „Reden in kurdischer und arabischer Sprachen gehalten" zu haben.
Mit dem 3. Reformpaket wurde auch beschlossen, dass in den alltäglich benutzten Sprachen und Dialekten Radio- und Fernsehsendungen ausgestrahlt werden dürfen.
Die dafür von der Obersten Überwachungsbehörde für Radio und Fernsehen (RTÜK) erarbeiteten und am 25. Januar 2004 im Staatsanzeiger veröffentlichten Bestimmungen ist eine Beleidigung für das kurdische Volk!
Mit diesen Bestimmungen wird es nur den staatlichen Sendern erlaubt, in diesen Sprachen Programme zu senden. Private lokale oder regionale Sender müssen erst mal darauf warten, bis die Oberste Überwachungsbehörde für Radio und Fernsehen einen Zuschauer- und Hörerprofil erstellt hat. Wann das geschehen wird, weiß keiner.
Die Bestimmung grenzt ganz klar ein: in den lokalen Sprachen dürfen wöchentlich lediglich nur fünf und im Fernsehen nur vier Stunden Programme ausgestrahlt werden. Diese Programme müssen nur mit gleichzeitigen türkischen Untertiteln versehen sein. Zeichentrickfilme für Kinder in den besagten Sprachen verbietet RTÜK. So will die Behörde verhindern, dass die Kinder ihre Muttersprache lernen. Dadurch wird die bekannte Assimilationspolitik mit anderen Mitteln weiterbetrieben.
Seit der Verabschiedung des dritten Reformpakets wurde kein einziges Mal in einem nationalen Radio- und Fernsehsender in irgendeiner lokalen Sprache oder Dialekt gesendet. Allein das würde zur Genüge beweisen, wie unwillig die türkischen Politiker sind, diese Änderungen auch umzusetzen.
Den 20 Millionen Kurden in der Türkei nur fünf Stunden Sendungen im Radio und vier Stunden Sendungen im Fernsehen zu erlauben und davor noch auch unüberwindbare Barrieren aufzubauen, ist Betrug am kurdischen Volk und Verwässerung der politischen Kopenhagener Kriterien.
Was mit den Parteien und ihren Funktionären passiert, die den Kurdenkonflikt thematisieren
Die Türkei ist ein Parteienfriedhof, in dem vor allem die Parteien ruhen, die die Kurdenproblematik und deren Lösung in ihr Programm aufgenommen haben. Bis heute wurden in der Türkei zahlreiche Parteien verboten, die sich nicht an das faschistische Parteiengesetz des Regimes von 12. September gehalten haben. Eine Vielzahl von Parteifunktionären mussten deswegen ins Gefängnis. Sie wurden gefoltert oder durch „unbekannten Täter" ermordet. Vielen Politikern wiederum wurde das Recht, aktive Politik zu betreiben, aberkannt.
Mit dem zweiten Reformpaket vom 26. März 2002 wurde auch das Gesetz für politische Parteien geändert. Aber auch hier geschah bisher praktisch nichts!
Nach Verabschiedung des zweiten Reformpakets wurde die Demokratiepartei des Volkes (HADEP) verboten. Gleich nach ihrer Gründung wurde gegen die Partei für Grundrechte und Freiheiten (HAK-PAR) Verbotsklage vor Gericht erhoben. Das Verfahren dauert noch an.
Trotz all dieser Reformgesetze werden Funktionäre der politischen Parteien angeklagt, weil sie während ihrer parteipolitischen Aktivitäten kurdisch gesprochen haben. Der Parteivorsitzende von HAK-PAR wurde festgenommen, weil er auf einer Wahlkampagne in Diyarbakir Kurdisch sprach. Weil er auf einer von seiner Partei organisierten Veranstaltung in der Stadt Urfa die Teilnehmer in kurdischer Sprache begrüßt hatte, wurde er zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt.
Die Mitglieder des Parteivorstands von HAK-PAR wurden vor Gericht gestellt, weil sie die Einladung zum ersten Parteitag in kurdischer und türkischer Sprachen verfasst und auch auf diesem Parteitag Reden in kurdischer Sprache gehalten hatten. Der Prozess gegen diese Mitglieder geht weiter.
Auch die von HAK-PAR organisierte Veranstaltung am 11. April 2004 über „die Kurden und die Türkei im Beitrittsprozess zur EU" wurde vom Gouverneursamt der Provinz Diyarbakir verboten.
Der türkische Staat, der viele Gesetze ändert und nacheinander Reformpakete verabschiedet, um der EU beitreten zu können, duldet nicht, dass die Kurden ihre Meinung zu diesem Reformprozess äußern und verbietet deswegen zu diesem Zweck organisierte Veranstaltungen.
Wenn das nicht eine Verhöhnung der EU und deren Prinzipien ist, was dann?
Die EU soll zu ihren eigenen Prinzipien stehen!
Eine der Kopenhagener Kriterien ist die „gesellschaftliche Stabilität, die Sicherung der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, die Achtung von Menschenrechten und das Schützen der Minderheitenrechte."
Wenn wir die oben zusammengefassten Praktiken berücksichtigen, müssen wir folgern, dass die Türkei insbesondere die zur Erfüllung der politischen Kopenhagener Kriterien nötigen Gesetzesänderungen noch nicht durchgeführt hat. Die verabschiedeten Gesetze werden nicht in der Praxis angewendet. Mit demagogischen Behauptungen hat sie die Kopenhagener Kriterien verwässert. Die Türkei hat nicht vor, sich der EU anzupassen. Stattdessen versucht sie, die EU auf ihre Linie zu bringen.
Die AKP-Regierung bekräftigt bei jeder Gelegenheit ihre Entschlossenheit, alles für einen Beitritt nötige zu unternehmen. Doch gegen die Kräfte, die gegen den Beitritt sind, ist sie nicht gerade standhaft. Ganz im Gegenteil versucht sie mit diesen Kräften Kompromisse zu schliessen.
Die Sozialistische Partei Kurdistan (PSK) plädiert für einen Beitritt der Türkei zur EU, wenn die Türkei die Kopenhagener Kriterien voll und ganz erfüllt.
Dennoch sind wir nicht der Meinung, dass die Kopenhagener Kriterien allein dazu reichen, die Kurdenfrage in der Türkei zu lösen. Denn die Kurdenfrage ist eine nationale Frage. Erst wenn auch den Kurden das „Selbstbestimmungsrecht", das in vielen internationalen Abkommen und allen voran in der UN-Charta steht, zuerkannt wird, kann dieser Konflikt gelöst werden.
Wir sind dafür, dass die Türkei eine Vollmitgliedschaft in der EU erlangt. Wenn aber die EU nicht „türkisiert" werden will, soll zu ihren Prinzipien stehen und der Türkei keinen Termin zu Beginn der Beitrittsverhandlungen nennen, solange die Türkei sich weigert, die Kopenhagener Kriterien zu erfüllen, und zwar auch in der Praxis.
Wir erwarten von der EU, die Türkei auf ihre Verpflichtungen hinzuweisen und auf die Erfüllung unserer im Folgenden genannten Forderungen zu drängen.
1. Die Verfassung ist ein Produkt des faschistischen 12. September-Regimes. Sie muss abgeschafft werden. An ihre Stelle soll eine neue, die Kurden und deren Rechte anerkennende Verfassung erarbeitet und verabschiedet werden.
2. Die Rede- und Meinungsfreiheit und die Organisationsfreiheit sind gesetzlich zu garantieren und zu schützen, solange sie friedlich und gewaltlos in Anspruch genommen werden.
3. Das Recht die Muttersprache in jedem Bereich der schulischen Bildung und Erziehung zu nutzen, muss den Kurden zuerkannt werden.
4. Sendungen in kurdischer Sprache im Radio und im Fernsehen sind ohne jegliche Einschränkungen zuzulassen.
5. Die paramilitärischen Einheiten wie JITEM und das Dorfschützensystem sind gänzlich aufzulösen. Die Angehörigen dieser Einheiten sind für Ihre Verbrechen zu Rechenschaft zu ziehen.
6. Die kurdischen Parteien müssen das Recht haben, sich mit ihrer kurdischen Identität frei zu organisieren. Die dafür notwendige gesetzliche Grundlage muss geschaffen werden.
7. Der Staat soll sich von jeglichen Religionsangelegenheiten fernhalten. Jede Religionsgemeinschaft (Moslems, Christen, Juden, Yeziden, Aleviten, Assyrer usw.) müssen ihre Religion bzw. Konfession durch zivile Einrichtungen frei ausüben können.
8. Eine Generalamnestie, die ohne Einschränkungen jeden politischen Gefangenen einschließt, muss erlassen werden.
Wir sind erst dann für den Beginn der Beitrittsverhandlungen der Türkei zur EU, wenn sie die Kopenhagener Kriterien ganz erfüllt und alle in diesem Rahmen möglichen Schritte zur Lösung des Kurdenkonfliktes unternimmt.
Der Türkei darf kein Termin für den Beginn von Beitrittsverhandlungen genannt werden, bevor sie die Kopenhagener Kriterien erfüllt, sowohl gesetzlich, als auch in der praktischen Anwendung. Eine verfrühte Terminvergabe würde der Türkei Mut machen, den Kurden wie bisher ihre die elementaren Rechte rücksichtslos vorzuenthalten. Unterdrückung, Militarismus, Rassismus und Unrecht dürfen nicht belohnt werden.
Mai 2004
Sozialistische Partei Kurdistans (PSK)