KURDISTAN
DIE KURDENFRAGE - GESCHICHTE UND GEGENWART
KEMAL BURKAY
Die Kurdenfrage ist in den letzten Jahren erneut und intensiver auf die
internationale Tagesordnung gekommen. Diese Frage beschäftigt seit
Jahren die Länder in der Region grundlegend und führt zu ausgedehnten
inneren Auseinandersetzungen, wirtschaftlichen und sozialen Krisen. Um
die Kurdenfrage in ihrer heutigen Dimension nachvollziehen, ist es
nötig, wenn auch nur zusammenfassend, auf die geschichtlichen und
geographischen Hintergründe einzugehen.
Sprache, Religion und Geschichte
Die Kurden sind neben den Arabern, Persern und Armeniern eines der
ältesten Völker der Region. Das von ihnen besiedelte Land wird Kurdistan
gennant. Die Kurden haben ihre eigene Sprache, Kurdisch. Kurdisch gehört
zur indo-europäischen Sprachfamilie und gehört neben dem Persischen,
Afghanischen und dem Beludischen zur Gruppe der iranischen Sprachen. Mit
dem Arabischen und dem Türkischen ist Kurdisch nicht verwandt.
In kurdischer Sprache werden seit dem 10. Jahrhundert schriftliche
literarische Werke verfaßt. Die kurdische Sprache ist eine lebendige und
reiche Sprache, die sich trotz aller Unterdrückung und Verbote, denen
sie ausgesetzt war, bewahren konnte. Die Zahl der in Kurdisch
schreibenden Dichter, Schriftsteller und Forscher geht in die Hunderte.
In kurdischer Sprache sind zig Wörterbücher und Grammatiken verfaßt
worden. Auch die kurdische Folklore ist sehr reichhaltig.
Innerhalb des Kurdischen sind mit der Zeit verschiedene Dialekte
entstanden. Der am weitesten verbreitete Dialekt ist Kurmanci. Kurmanci
wird von ca. 90 % der Kurden in der Türkei sowie im iranischen und im
irakischen Kurdistan in den grenznahen nördlichen Gebieten zur Türkei
und von den syrischen Kurden, also von rund 60 % aller Kurden
gesprochen. Mit rund 25 % folgt der Sorani-Dialekt. Dieser Dialekt wird
in den mittleren und südlichen Regionen des iranischen und irakischen
Kurdistan gesprochen. Zazaki ist ein weiterer, in bestimmten Regionen
Türkisch-Kurdistans gesprochener Dialekt. Weiterhin werden in den drei
südlichsten Teilen Kurdistans Gorani und andere Dialekte gesprochen.
Die große Mehrheit der Kurden, ca. 75 %, sind sunnitische Moslems, ca.
15 % alevitische Moslems. Die Aleviten sind mehrheitlich in den
nördlichen und westlichen Gebieten Türkisch-Kurdistans sowie in der
Region Chorasan im Iran angesiedelt. Im Iran und Irak existieren des
weiteren religiöse Gruppierungen wie schiitische Kurden (Feyli) sowie
die den Aleviten nahestehenden Ehlihak ("die Leute Gotttes"). In den
verschiedenen Teilen Kurdistans, insbesondere in der Region, in der die
Grenzen der Türkei, Irans, Iraks zusammentreffen, und in Armenien
existieren yezidisch-kurdische Gemeinschaften. Das Yezidentum war eine
in früheren Zeiten unter den Kurden weit verbreitete Glaubensrichtung,
ihre Wurzeln reichen bis zum Zarathustra-Glauben zurück. Des weiteren
gibt es in den mittleren Gebieten Kurdistans bei kleineren Einheiten
einen Zweig des Christentums, die syrischen Christen.
Kurden haben in der Geschichte dieser Region schon seit den frühen
Epochen eine wichtige Rolle gespielt. In zahlreichen griechischen,
römischen, arabischen sowie armenischen Quellen finden sich dazu viele
Informationen. Danach haben Kurden, abgesehen von der fernen
Vergangenheit, in der islamischen Epoche in der Zeit zwischen dem 11.
und 13. Jarhundert mehrere wichtige Staaten wie Scheddadiden, Mervaniden
und Eyyubiden gegründet: Insbesondere der Gründer des Ägypten, Syrien
und Kurdistan einschließenden Eyyubidenstaates, Sultan Salahaddin, nimmt
in der Geschichte einen wichtigen Platz ein.
Die aus Mittel-Asien stammenden Türken sind nach dem 11. Jahrhundert
über den Iran nach Anatolien gekommen und haben zuerst den Seldschuken-
und danach den Osmanen-Staat gegründet. Kurdistan war lange Zeit
Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen dem osmanischen
und dem persischen Reich. Zu der Zeit haben kurdische Fürstentümer mal
für die eine mal für die andere Seite Partei ergriffen und somit ihren
Autonomie-Status bewahrt. Im Jahr 1638 jedoch wurde Kurdistan durch den
Vertrag von Kasri Schirin zwischen diesen beiden Staaten offiziell
aufgeteilt. Seitdem haben beide Staaten bis zur Mitte des 19.
Jahrhunderts die kurdischen Fürstentümer kriegerisch bekämpft, um sie
aus der Welt zu schaffen.
Der Kampf der Kurden gegen diese beiden großen Staaten erhielt ab Beginn
des 19. Jahrhunderts einen nationalen Charakter. Kurdische Fürsten wie
Bedirchan und Yazdanschêr sowie religiöse Führer wie Scheich Ubeydullah
haben für die Einheit und die Unabhängigkeit Kurdistans gekämpft, wurden
jedoch besiegt.
Nach dem Ersten Weltkrieg ging das Osmanische Reich in die Geschichte
ein, auf seinem ehemaligen Territorium entstanden neue Staaten. Nachdem
am 10. August 1920 unterzeichneten Vertrag von Sévres sollte dort auch
ein Staat Kurdistan entstehen. In der Folgezeit wurde dies jedoch nicht
realisiert. Mit dem am 24. Juli 1923 unterzeichneten Vertrag von
Lausanne wurde der zum osmanischen Territorium gehörende Teil Kurdistans
noch einmal aufgeteilt. Ein Teil wurde dem englischen und französischen
Mandat unterstellt, wo später Syrien und Irak entstanden. Der größte
Teil Kurdistans blieb innerhalb der Staatsgrenzen der auf den Trümmern
des Osmanischen Reiches gegründeten Republik Türkei.
Das Osmanische und das Persische Reich, die Kurdistan unter sich
aufgeteilt hatten, haben zu keiner Zeit die Existens des kurdischen
Volkes in Frage gestellt. Auch die Republik Türkei hatte anfänglich ihre
neuen Grenzen als die "Grenzen des Misak-i Milli (Nationalpark), die die
von der türkischen und kurdischen Mehrheit besiedelten Gebiete
einschließen" definiert. Auf der ersten Sitzung der Großen
Nationalversammlung in Ankara waren ca. 70 kurdische Abgeordnete
anwesend, die offiziell als "Abgeordnete Kurdistans" bezeichnet wurden.
Der türkische Vertreter Ismet Pascha erklärte in Lausanne:"Kurden und
Türken stellen die eigentlichen Bestandteile der Republik Türkei dar.
Kurden sind keine Minderheit, sondern eine Nation; die Regierung in
Ankara ist sowohl die Regierung der Türken als auch der Kurden".
Nach Unterzeichnung des Lausanner Vertrages änderte sich die Politik
Ankaras jedoch rasch. Die Strukturen des neuen Staates wurden gänzlich
nach den türkischen Interessen gebildet. Die Existenz der Kurden wurde
geleugnet. Neben der kurdischen Sprache und der Ausübung kurdischer
Kultur wurden auch die Begriffe ´Kurdisch` und `Kurdistan` verboten. Die
kemalistische Führung berücksichtigte die multikulturelle Struktur
Anatoliens, die ein Völkermosaik darstellte, nicht im geringsten. Sie
machte zum Grundstein ihrer Politik, andere Sprachen und Kulturen in die
türkische Kultur einzuschmelzen und dadurch "eine einzige Nation" zu
schaffen. Artikel 39 des Lausanner Vertrages, wonach die Staatsbürger
der Türkei getreten und die kurdische Sprache im Erziehungs- und
Pressewesen gänzlich verboten. Von Kurden zu sprechen und die
Unterdrückung zu kritisieren, galt als ein schwerwiegendes Vergehen und
wurde massiv bestraft.
Die Kurden leisteten im Jahre 1925 unter Scheich Said Widerstand gegen
diese Politik. Der Aufstand wurde jedoch blutig niedergeschlagen,
zehntausende von Kurde wurden getötet und vertrieben. Auch in der
Folgezeit kam es zu kurdischen Aufständen. Die bedeutendsten fanden im
Jahre 1930 in Ararat und 1938 in Dersim statt. Der türkische Staat hat
in Kurdistan ständig Krieg geführt.
Nach 1938 folgte eine relative Ruhephase von etwa 20 Jahren Dauer.
Allerdings ist es nicht verwunderlich, daß die Kurden, die alle
nationalen Rechte entbehrten und massiven Unterdrückungsmaßnahmen
unterworfen waren, die in Armut und Unwissenheit getrieben wurden und
denen alle friedlichen und legalen Möglichkeiten des politischen Kampfes
versperrt wurden, sich gegen die grausame Unterdrückung erneut
bewaffnen. Seit 1979 regiert die Türkei Kurdistan mit Kriegsrecht,
Ausnahmezustand und einem schmutzigen Krieg.
In den anderen Teilen Kurdistan ging eine ähnliche Entwicklung
vonstatten. Die Kurden innerhalb der Grenzen Iraks, das heißt in
Süd-Kurdistan, leisten seit dem Ersten Weltkrieg ebenfalls Wiederstand.
Zuerst unter Scheich Mahmud Barzenci (1919 - 1923) und danach unter
Scheich Ahmed Barzani und seinem Bruder Mustafa Barzani (1933 und
danach) fanden Aufstände statt. Auch diese Aufstände haben die Kurden
auch gewisse kulturelle Rechte erhalten. Sie bekamen Schulen,
Universitäten, Radiosendungen usw. Die kurdische Kultur hat sich in
diesem Teil ziemlich weit entwickelt.
Der größte kurdische Aufstand in diesem Teil Kurdistans begann im Jahre
1961 wiederum unter Mustafa Barzani und dauerte bis 1970. Im Jahre 1970
einigten sich die Kurden mit der Zentralregierung auf eine Autonomie.
Die Regierung in Bagdad hielt die Kurden jedoch hin und ignorierte die
Vertragsbestimmungen. Aus diesem Grund begann im Jahre 1975 der Krieg
von neuem. Mit einigen zeitlichen Unterbrechungen dauerte er bis zum
Jahre 1991 an.
Der Krieg gegen die Kurden ist den Irak teuer zu stehen gekommen. Um die
Unterstützung der Kurden zu unterbinden, hatte das Saddam-Regime dem
Iraner gegenüber zuerst Gebietskonzessionen gemacht. Um diese Gebiete
zurückzuerobern, begann er danach einen acht Jahre dauernden,
zerstörerischen Krieg gegen den Iran. Dabei wurde Kurdistan verwüstet
und der Irak setzte sogar Giftgas gegen die Kurden ein. Nach Beendigung
dieses Krieges griff er dann Kuweit an. Die Entwicklung danach dürfte
jedem bekannt sein. Saddam erlitt im Krieg gegen die Alliierten eine
schwere Niederlage. Die Kurden waren zunächst einer Massenvertreibung
ausgesetzt, später wurde dann mit Beschluß der Vereinten Nationen eine
Sicherheitszone für Kurden eingerichtet. Die Flüchtlinge kehrten in ihre
Heimat zurück. Im sogenannten "Nord-Irak", also in Süd-Kurdistan, riefen
die Kurden ein Parlament ins Leben und bildeten eine nationale
Regierung.
Noch heute ist das Irak-Problem nicht gelöst. Das Land steht unter
UN-Embargo, die Kurden befinden sich in einer äußerst schwierigen Lage.
Der Iranische Staat hat gegenüber den Kurden eine Politik der
Unterdrückung, ähnlich der des kemalistischen Regimes in der Türkei,
angewendet. Als nach dem 2.Weltkrieg der Iran vom Norden her von der
Sowjetunion und von Süden her von England besetzt wurde, konnten die
Kurden etwas Luft holen und organisierten sich rasch. Es wurde die
Demokratische Partei Kurdistans gegründet, anschließend die Kurdische
Republik Mahabad proklamiert. Als jedoch der Krieg vorüber war, schaffte
die Regierung in Teheran, auch mit politischer Unterstützung Englands
und Amerikas, die Republik Mahabad aus der Welt.
Der Widerstand des kurdischen Volkes hat aber nicht aufgehört. Als das
Schah-Regime im Jahre 1978 zu Ende ging, konnte dieser Teil Kurdistans
noch einmal die Freiheit genießen. Diese Phase dauerte allerdings auch
nicht lange. Die Angriffe des neuen Regimes unter den Mollahs ließen
nicht lange auf sich warten. Der aus diesem Grund 1979 begonnene
bewaffnete Widerstand dauert bis heute an.
Zusammengefaßt hat das kurdische Volk, abgesehene von den Aufstände
davor, nach dem Ersten Weltkrieg und bis in die Gegenwart in diesen drei
großen Teilen Kurdistans gegen eine grausame Unterdrückung und
Kolonialisierung ständig Widerstand geleistet und für die
Aufrechterhaltung seiner Identität, die Inanspruchnahme seiner
nationalen Rechte und die freie Bestimmung seines eigenen Schicksals
gekämpft. Unser Volk hat in diesem Kampf hunderttausende von Menschen
verloren, ist Opfer von Massenverteibungen geworden. Ihm ist viel Leid
zugefügt worden. Hier liegt in der Tat ein Völkermord vor. Doch leider
sind sowohl die Völkergemeinschaft als auch die Organisation der
Vereinten Nationen bei dieser Tragödie unseres Volkes ihrer
Verantwortung nicht gerecht geworden und haben den Geschehnissen nur
zugeschaut.
Geographie und Bevölkerung
Die Zahl der Kurden in den vier Teilen Kurdistans und innerhalb der
Grenzen der vier Teilungsländer beträgt insgesamt ca. 35 Millionen.
Somit sind Kurden ihrer Zahlen nach neben Arabern, Türken und Persern
eine der vier großen Nationen im Nahen Osten.
Das seit jeher von Kurden besiedelte Kurdistan ist mit 500.000 qm Fläche
so groß wie Frankreich. Mit anderen Worten bilden Kurden in ihrem Land
keine Minderheit, sondern die Mehrheit. Die Kurdenfrage ist nicht ein
Minderheitenproblem dieses oder jenes Landes, sondern die Frage eines
geteilten Landes und einer Nation. Wie alle anderen Nationen haben auch
die Kurden das Recht auf Selbstbestimmung.
Die Grenzen, die Kurdistan teilen, sind weder natürliche,
wirtschaftliche noch kulturelle Grenzen. Es sind künstliche Grenzen, die
gegen den Willen des kurdischen Volkes nach den Interessen der
Teilungsmächte und des Machtgleichgewichts gezogen wurden. Sie haben oft
Dörfer, Städte, ja sogar Familien voneinander getrennt und sich auf das
wirtschaftliche soziale und kulturelle Leben spaltend und destruktiv
ausgewirkt.
Der größte der Teile Kurdistans, der nach Einwohnerzahl und Fläche
zugleich annähernd die Hälfte seiner Gesamtheit ausmacht, liegt im
Norden innerhalb der Staatsgrenzen der Türkei. Dieser Teil bildet ein
Drittel der Gesamtfläche der Türkei und umfaßt in den "östlichen und
nordöstlichen Regionen" über zwanzig Provinzen. Andere Teile sind, nach
Größe, Ost-Kurdistan (innerhalb der Grenzen Irans), Süd-Kurdistan
(innerhalb der Grenzen Iraks) und kurdische Gebiete innerhalb der
Grenzen Syriens.
In allen diesen Teilen ist eine große Einwohnerzahl von Kurden zu
verzeichnen, die 80-90% beträgt. Ein gewisser Teil von Kurden lebt seit
frühen Zeiten oder aufgrund der Migrations- bzw. Fluchtbewegungen der
letzten Zeit in anderen Regionen und den Metropolen der jeweiligen
Länder. Zieht man auch diese in Betracht, so leben innerhalb der
Staatsgrenzen der Türkei 18-20 Millionen, des Iran 8-10 Millionen, des
Irak 5 Millionen und Syriens 1,5 Millionen Kurden.
Rund ein Drittel der Arbeitsimmigranten aus der Türkei, die in den
letzten 20-30 Jahren in die europäischen Länder eingewandert sind, sind
Kurden. Wenn man noch die Zahl der Kurden aus der Türkei und anderen
Teilen Kurdistans dazurechnet, die in den letzten Jahren aus politischen
und wirtschaftlichen Gründen nach Europa geflüchtet sind, so beträgt die
Zahl der in europäischen Ländern lebenden Kurden rund 1 Million.
Aufgrund von Migration und Flucht sind auch in Nord-Amerika und
Australien solche kurdischen Gemeinschaften entstanden.
Natürliche Ressourcen, wirtschaftliche und soziale Strukturen
In bezug auf Bodenschätze ist Kurdistan eines der reichsten Länder der
Erde. Die seit früheren Zeiten als "Fruchtbarer Halbmond" bekannte Zone,
die von den Zagrosgebiergen bis ans Mittelmeer reicht und auch
Nord-Mesopotamien einschließt, befindet sich größtenteils in Kurdistan.
Kurdistan ist reich an Landwirtschaft. Die Ebenen zwischen den
Bergketten, insbesondere im warmen Süden, sind wegen der Bodenarten und
den günstigen klimatischen Bedingungen sehr gut geeignet für
Landwirtschaft. Die Hochebenen und Berghänge haben äußerst fruchtbares
Weideland. Auf den Böden Kurdistans wachsen alle Getreidesorten sowie
hochwertiges Obst und Gemüse. Die Harran-Ebene sowie Gebiete um Cezire
und Mossul sind Getreidereservoirs der gesamten Region.
Temperatur- und Höhendifferenzen zwischen dem Norden und dem Süden haben
dazu geführt, daß Kurdistan schon immer ein wichtiges
Viehwirtschaftsland war. Desweiteren ist Kurdistan für den Nahen Osten
ein Reservoir für Fleisch, Butter, Käse, Wolle und Tierfelle.
Kurdistan ist hinsichtlich Erdölvorkommen und anderen Mineralstoffen ein
sehr reiches Land. Ein großer Teil der Erdölquellen Iraks befindet sich
in Kurdistan, in den Regionen um Kirkuk und Hanikin. Ein Teil der
wichtigen Erdölquellen Irans sind ebenfalls in ausschließlich in
Kurdistan (Region um Batman, Diyarbakir und Adiyaman). Auch Syriens
Erdölquellen sind hauptsächlich in Kurdistan in der Region um Cezire.
Daneben ist unser Land reich an Bodenschätzen wie Eisen, Kupfer, Chrom,
Kohle, Silber, Gold, Uran und Phosphat.
Weiterhin gibt es in Kurdistan Flüsse, die mindestens so wichtig, wenn
nicht noch wichtiger als der Erdöl sind. Die Hochebene und Berge
Kurdistans, die durch hohe Niederschläge und im Winter eine hohe
Schneedecke gekennzeichnet sind, sind für den Nahen Osten das
Wasserreservoir. Hier entspringen neben den berühmten Flüssen Euphrat
und Tigris Ebene zahlreiche weitere kleinere Flüsse. Euphrat und Tigris
beleben neben der Mesopotamien-Ebene und dem südlichen Teil Kurdistans
Irak Syrien mit Wasser. Diese aus drei- bis viertausend Meter Höhe
hinabfließenden Flüsse sind gleichzeitig auch für die Energiegewinnung
sehr bedeutsam. Irak und Syrien haben an diesen Flüssen oder an deren
Nebenflüssen zahlreiche Staudämmen, die von der Türkei im Rahmen des
GAP-Projektes (Südostanatolienprojekt) gebaut sind. GAP ist ein Projekt,
das noch nicht abgeschlossen ist und schon jetzt einen wichtigen Teil
des elektrischen Energiebedarfes der Türkei abgedeckt. Mit dem Abschluß
des Projektes wird einerseits der Vorrat an elektrischen Energiebedarfs
der Türkei abdeckt. Mit dem Abschluß des Projektes wird einerseits der
Vorrat an elektrischer Energie und andererseits durch Bewässerung dieses
Teiles von Kurdistan die landwirtschaftliche Produktion um ein
Vielfaches steigen.
Kurdistan lag im Altertum und Mittelalter auf der Handelsstraße zwischen
Fernost und Europa (Seiden- und Gewürzstraße). Auch in der jüngeren
Vergangenheit wurde diese Bedeutung aufrecht erhalten. Interessanter
weise ist Kurdistan heute die günstigste Region für die Erdöl-Pipe-Lines
des Irak und des Kaukasus.
Der außerordentliche Reichtum Kurdistans und seine strategische Lage
sind gleichzeitig der wichtigste Grund dafür, daß unser Land geteilt
gehalten und unserem Volk so großes Leid zugeführt wird. Aus den
genannten Gründen hat Kurdistan im 18. und 19. Jahrhundert die
Aufmerksamkeit westlicher Kolonialstaaten auf sich gezogen. Engländer,
Franzosen und Russen haben um unser Land gerungen. Dann haben sie es
nach dem Ersten Weltkrieg entsprechend ihren eigenen Interessen noch
einmal aufgeteilt.
Die Russen hatten sich nach der Oktober-Revolution 1917 aus der Region
zurückgezogen. Engländer und Franzosen haben mit der Unabhängigkeit
Syriens und Iraks die Region administrativ verlassen. Jedoch bestehen
ihre wirtschaftliche Beziehungen in ihr Einfluß in der Region weiter.
Neben der Republik Türkei und dem Iran haben auch die neu gebildeten
nationalen Führungen in Syrien und Irak alles Nötige getan, um den ihnen
zugesprochenen Teil Kurdistans unter Kontrolle zu halten und die Kurden
zu assimilieren und auszurotten. Sie haben kurdische Aufstände brutal
niedergeschlagen. In diesem Zusammenhang haben die meistens
zusammengehalten und Vereinbarungen getroffen. Die Reichtümer Kurdistans
haben sie geplündert, seine wirtschaftliche, soziale und kulturelle
Entwicklung verhindert.
Daher muß unser Volk auf diesem reichen Land in Armut leben. Diese
kolonialistischen Bedingungen, die ständige Unsicherheit und der Krieg
haben die Entwicklung unseres Landes in der Landwirtschaft, im Handel
und in der Industrie verhindert. Das in Kurdistan erwirtschaftete
Kapital ist stets außer Landes geflossen. Die Gesellschaft konnte sich
nicht modernisieren, die Feudalstrukturen der Vergangenheit sind nicht
gänzlich aufgelöst worden. Die Stammesstruktur in der ländlichen
Gebieten, das Großgrundbesitzertum und die damit einhergehenden
religiösen Strömungen sowie die Institution des Scheichtums (Scheich:
Rel. Oberhaupt) haben sich erhalten. Heute noch befindet sich Kurdistan
in einem halbfeudalen System noch keine große Bedeutung.
Die schmutzigen Kriege, die die jeweiligen Kolonialstaaten führen, um
die seit 1961 in Süd-Kurdistan (Irak), seit 1979 in Ost-Kurdistan (Iran)
und seit 1984 in Nord-Kurdistan anhaltenden kurdischen Partisanenkriege
und Volksaufstände niederzuschlagen, sind für unser Land verheerend
gewesen. Angesichts dieser Situation, in der alles brutal zerstört wird
und die Menschen in Massen flüchten, weil sie um ihr Leben fürchten,
wirtschaftliche und soziale Fortschritte zu erwarten, wäre lächerlich.
Warum hatte die kurdische Widerstandsbewegung bis heute keinen Erfolg ?
Das 20. Jahrhundert war Zeuge des Untergangs des weltweiten
kolonialistischen Systems und der Gründung neuer Staaten in ehemaligen
Kolonien und abhängigen Ländern. Warum haben die Kurden, die eine alte
Geschichte und reiche Kultur besitzen, obwohl sie seit Beginn des 19.
Jahrhunderts stets Widerstand geleistet haben und einen hohen Preis
zahlen mußten, nicht die Freiheit erlangt?
Das hat interne und externe Gründe. Die feudale Zersplitterung in der
kurdischen Gesellschaft ist solch ein interner Grund. Die
Stammesstruktur, Spaltung in religiösen Strömungen und Konfessionen
sowie die Großgrundbesitzer- und Scheich-Institution bildeten zu jeder
Zeit Hindernisse für die Einheit nationaler Kräfte. Die
mittelalterlichen Wertvorstellungen dieses System haben dazu geführt,
daß sich ein nationales Bewußtsein nur mangelhaft ausbilden konnte.
Jedoch sind dies nicht die eigentlichen Gründe. Es darf nicht vergessen
werden, daß auch zahlreiche Nationen in Asien und Afrika, die ihre
Freiheit erlangt haben, in Bezug auf das wirtschaftliche und soziale
System rückständig, oft sogar im Vergleich zu den Kurden rückständiger
waren. Die eigentlichen Gründe, die den Erfolg der kurdischen
Nationalbewegung verhindert haben, sind externe.
Anfangs haben Kurden gegen zwei Großreiche, das Osmanische und
Persische, gekämpft. Das Kräftegleichgewicht war zum Nachteil der Kurden
und sie hatten keinerlei durch die Unterstützung von außen. Jedoch haben
beispielsweise die Balkanländer ihre Unabhängigkeit durch die
Unterstützung mächtiger westlicher Staaten wie Rußland, Österreich,
England und Frankreich erlangt. Engländer und Franzosen waren es auch,
die Arabien vom Osmanischen Reich getrennt haben. Eben diese Mächte
haben in Vereinbarungen mit der Regierung in Ankara Kurdistan erneut
aufgeteilt.
Die dem Ersten Weltkrieg folgenden Aufstände der Kurden wurden außer von
der Türkei und dem Iran auch von den Franzosen und den Engländern, die
Syrien und Irak unter ihrem Mandat hatten, bekämpft. Insbesondere die
Engländer haben den nationalen Austand der Kurden im Irak mit ihren
eigenen Kräften niedergeschlagen.
Nachdem Syrien und Irak ihre Unabhängigkeit erlangt hatten, sah sich die
kurdische Nationalbewegung der Allianz dieser vier Staaten gegenüber.
Einer der ungünstigen Effekte ist, daß das kurdische Land von diesen
vier Teilungsstaaten, also von gegnerischen Mächten, eingeschlossen ist.
Die Kurden haben weder über das Festland noch über Meere Verbindung nach
außen. Es ist sehr schwierig, mit der Außenwelt Kontakte herzustellen.
Auch wenn es befreundete Kräfte geben sollte, die den Kurden von außen
helfen wollten, bestehen keine Wege oder Zugänge, über die diese
Unterstützungen direkt nach Kurdistan gelangen könnte. Wenn die
kurdische Nationalbewegung in irgend einem Teil zum Stützpunktgebiete
oder logistische Unterstützung zu erhalten. Gerade dieses, oder ein
anderes, Nachbarland ist jedoch einer der vier Staaten, die einen
anderen Teil Kurdistans unter ihrer Kontrolle halten. Keiner von ihnen
ist an einem Sieg von Kurden interessiert. Diese Staaten spielen
lediglich die kurdische Karte gegeneinander aus, wenn sie von Zeit zu
Zeit Probleme miteinander haben. Gerade das macht die kurdische Frage,
die ohnehin kompliziert genug ist, noch komplizierter. Solche
Beziehungen sind für die kurdische Nationalbewegung höchst problematisch
und bringen kurdische Organisationen von Zeit zu Zeit in die Lage, sich
sogar gegenseitig zu bekämpfen.
Im übrigen hat die kurdische Nationalbewegung zu keiner Zeit eine
tragfähige internationale Unterstützung gehabt. Der wesentliche Grund
dafür ist, daß große und auch kleinere Staaten, die in dieser Frage
nicht direkt Parteien sind ihre eigenen Interessen in den Vordergrund
stellen und sich nicht gegen die vier Staaten in der Region (Türkei,
Irak, Iran und Syrien) stellen wollen.
Was ist die Lösung?
Die Kurdische Nationalbewegung hat aus all den genannten Gründen keinen
Erfolg erzielt. Andererseits haben auch die betreffenden vier Staaten es
nicht geschafft, die Kurden einzuschmelzen und aus der Welt zu schaffen.
Im Gegenteil: Das kurdische Nationalbewußtsein hat sich von Jahr zu Jahr
gefestigt und unter Überwindung gewisser feudaler Hindernisse hat es
einen Massencharakter erlangt. Die kurdische Nationalbewegung hat sich
organisiert, sie schließt alle gesellschaftlichen Klassen und Schichten
ein und die Kurden in den verschiedenen Teilen sind sich näher gekommen.
In allen diesen Ländern ist der kurdische Widerstand stärker geworden
und in den drei großen Teilen hat er die Form des bewaffneten
Widerstandes angenommen, den niederzuschlagen einfach nicht gelingt.
Die kurdische Identität zu leugnen, Kurden ihre Rechte nicht
zuzugestehen und die Unterdrückungspolitik gegenüber den Kurden kommt
auch die beteiligten Ländern sehr teuer zu stehen. Die Regierungen der
Türkei, des Irak und Iran müssen ständig Krieg deswegen führen. Dieser
Krieg verschlingt ihre Finanzressourcen und kostet Menschenleben. Unter
diesem Aspekt ist der Irak, der praktisch mit einer Teilung konfrontiert
ist, das interessanteste Beispiel. Aber auch in der Türkei ist die Lage
nicht rosiger als im Irak.
Die Unterdrückungspolitik gegenüber den Kurden ist für die Türkei das
größte Hindernis für die Demokratie und inneren Frieden. Eine der
Hauptursachen für die häufigen Militärputschs in der Türkei ist die
Kurdenfrage. Der seit 11 Jahren gegen das kurdische Volk geführte
schmutzige Krieg verschlingt die Ressourcen. Die Türkei tätigt jährlich
8 - 10 Milliarden direkte Kriegsausgaben. Außerdem verzeichnet der
Tourismussektor aus diesem Grund große Verluste. In Kurdistan ist die
Wirtschaft gänzlich lahmgelegt; Landwirtschaft, Handel und
Viehwirtschaft sind zusammengebrochen.
Es ist ein Stadium erreicht, in dem die Kurdenfrage in der Türkei eine
ernsthafte wirtschaftliche und politische Krise herbeigeführt hat. Die
Gewalt überzieht das gesamtgesellschaftliche Leben wie ein Netz. Der
chauvinistisch geprägte Nationalismus und der Militarismus nehmen stark
zu.
Regierung und offizielle Stimmen lasten die Verantwortung für die
mißliche Lage nach wie vor der PKK an, der sogenannten "Handvoll
Terroristen". Die Hauptverantwortliche für die heutige Misere und all
das Leid, das beiden Völkern zugefügt wird, ist jedoch der türkische
Staat selbst. Der Punkt, der heute erreicht ist, ist das Produkt einer
falschen Politik, die seit 70 Jahren praktiziert wird.
Es besteht kein Zweifel daran, daß dieses Problem nicht durch die Armee
und die Polizei zu lösen ist. Durch Dialog und die Anerkennung
kurdischer Rechte ist eine friedliche Lösung möglich, und die liegt im
Interesse beider Völker. Damit könnten im Land Frieden und Demokratie
Einzug halten und die ganze Türkei und Kurdistan könnten in eine
Entwicklungsphase eintreten.
In den letzten Jahren kritisieren vernünftige Kreise die seit 70 Jahren
mit Nachdruck verfolgte Politik, die keinem etwas gebracht und das Land
zunehmend in eine Sackgasse geführt hat, immer mehr und setzen sich für
eine friedliche Lösung ein. In Arbeitgeber- und Arbeitnehmerkreisen, bei
den Intellektuellen und den Medien findet diese Haltung immer mehr
Zustimmung. Auch die internationale Situation drängt die Türkei zu einem
Kurswechsel.
Die Kurdenfrage hat sich in den letzten Jahren von einem Regionalproblem
zu einem internationalen Problem entwickelt. In diesem Zusammenhang ist
der Beschluß der Vereinten Nationen zum Schutz der irakischen Kurden
außerordentlich wichtig. Die Türkei, die in die Europäische Union
aufgenommen werden will, muß das politische und kulturelle Leben an die
europäische Standarts anpassen und die internationalen Vereinbarungen,
die sie unterzeichnet hat, praktisch umsetzen.
Meine Folgerung aus dem bisher Dargelegten ist, daß die Lösung der
Kurdenfrage, trotz der schlechten aktuellen Lage, näherrückt. Um eine
friedlich Lösung umgehend zu ermöglichen, müssen auf nationaler und
internationaler Ebene die Friedensinitiativen verstärkt werden.
Die Sozialistische Partei Kurdistans, zu der ich gehöre, tritt für eine
friedliche und gerechte Lösung ein. Trotz all der Unterdrückung und
Provokationen, denen das kurdische Volk ausgesetzt war und ist, haben
wir uns von Anfang an für politische und friedliche Methoden des Kampfes
entschieden. Unserer Ansicht nach ist das friedliche Zusammenleben
beider Völker möglich und unsere Partei schlägt dafür eine Föderation
vor. Wir können Lösungen finden ähnlich wie in Spanien, Belgien, oder in
der Schweiz. Was die Türkei für die hunderttausend Türken auf Zypern
fordert, sollte sie auch innerhalb ihrer Grenzen der kurdischen Nation
mit ihren 20 Millionen Menschen zuerkennen.
Dafür müssen jedoch zu allererst auf beiden Seiten die Waffen schweigen
und Verhandlungen eingeleitet werden.
Auch in anderen Teilen Kurdistans ist unserer Ansicht nach die Lösung
des Problems auf friedliche Art möglich. In allen Teilen müssen die
Existenz und die Rechte des kurdischen Volkes respektiert werden, auf
Basis der Gleichberechtigung müssen föderative Lösungen gefunden werden.
Die Frage nach der Einheit der kurdischen Nation ist eine Frage der
Zukunft. Ich glaube, in Zukunft wird auch die Nahost-Region sich stark
verändern. Die heutigen despotischen, unterdrückerischen und primitiven
Regimes werden gehen, das Verhältnis zwischen den Völkern wird sich
bessern und es wird eine Phase der Annäherung, ähnlich wie in Europa,
geben. Die Grenzen werden ihre Bedeutung verlieren. 1997
Zur Situation des kurdischen Volkes im europäischen Jahr gegen Rassismus
Die Europäische Union hat das Jahr 1997 zum Jahr der Bekämpfung von
Rassismus und Fremdenfeindlichkeit erklärt. Dies war eine notwendige und
überaus wichtige Entscheidung. Wir begrüßen sie.
Obwohl nunmehr bereits halbes Jahrhundert seit dem Niedergang des
Faschismus in Europa vergangen ist, bleiben leider Fremdenfeindlichkeit
und Rassismus traurige Bestandteile des Alltags in Europa. Die Facetten
solcher Strömungen sind breitgefächert. Sie können sich richten gegen
Menschen anderer Hautfarbe, gegen Ausländer, Zuwanderer, Asylbewerber,
oder einfach nur gegen ethnische Gruppen, die eine andere Sprache
sprechen oder einer anderen Glaubensrichtung angehören. Tätliche
Übergriffe, Mißhandlungen und Brandlegungen sind hierbei sicherlich nur
Extremfälle, die man nicht verallgemeinern sollte. Trotzdem machen sie
deutlich, welchen Sumpf es noch auszutrocknen gilt. Und: Fast noch
schlimmer sind tagtägliche, sublime und für die Betroffenen schmerzhafte
Diskriminierungen und Zurücksetzungen. Wenn solche Abgrenzungstendenzen
und xenophobe Strömungen sogar auf die Regierungspolitik einzelner
Länder durchschlagen, ist höchste Vorsicht angebracht. In solchen
Situationen müssen demokratische und auf Ausgleich bedachte Kräfte ihre
Stimme erheben und zur Wachsamkeit aufrufen.
Es gilt, die Entscheidung der Europäischen Union mit Leben zu füllen.
Soll sie nicht nur auf dem Papier stehen, muß die Öffentlichkeit
intensiv über die Folgen von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit
aufgeklärt und auf die Gefahren eines nicht frühzeitigen Unterbindens
solcher Strömungen hingewiesen werden.
Dies ist der Hintergrund, vor dem wir auf die heutige Situation des
kurdischen Volkes eingehen wollen. Das kurdische Volk ist eines der
Völker, das aufgrund seiner geographischen Lage, seiner Sprache und
Kultur seit Jahrhunderten immer wieder Opfer von Rassismus und auch
Fremdenfeindlichkeit wurde. Am meisten betroffen hiervon waren seit
jeher die in der Türkei lebenden Kurden. Die schlimmsten Verhältnisse
und massivsten rassistischen Praktiken herrschen in der Türkei, einem
Land, das Mitglied des Europarates sowie der Europäischen Zollunion ist,
und beabsichtigt, unter den herrschenden Bedingungen Vollmitglied der
Europäischen Union zu werden. Insofern betrifft dieses Problem auch
Europa, ist geradezu ein innereuropäisches Problem.
Die Kurden gehören zu einem der ältesten und zahlenmäßig größten Völker
im Nahen Osten. Kurdistan ist flächenmäßig so groß wie Frankreich.
Dieses Land ist aufgeteilt unter der Türkei, dem Iran, Irak sowie
Syrien. Die Gesamtzahl der Kurden im Nahen Osten wird auf rund 35
Millionen geschätzt. Davon leben ca. 25 Millionen in ihrer historischen
Heimat Kurdistan. Der größte Teil der restlichen 10 Millionen lebt
infolge der Vertreibung, dem Krieg und der Migration in anderen Gebieten
der genannten Staaten sowie in benachbarten Ländern oder in der
Diaspora, darunter auch in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union.
In den europäischen Staaten leben zur Zeit nach Schätzungen ca. 1
Million Kurden als Arbeitsimmigranten und Flüchtlinge.
Kurden genießen leider in keinem der genannten Staaten die Freiheit.
Ihnen wird das Recht auf die Selbstbestimmung, das von allen kleinen
oder großen Nationen in Anspruch genommen wird oder werden sollte, nicht
zuerkannt. Die Staaten, die die Reichtümer Kurdistans für sich nutzen,
verbieten den Kurden ihre Sprache sowie das Bekenntnis zu ihrer Kultur.
Unterricht in Kurdisch, Zeitungen oder Fernsehsendungen in ihrer
Sprache, ja sogar teilweise das Hören ihrer Musik wird ihnen verweigert.
Die Staaten verfolgen das Ziel, die Kurden zu assimilieren, und zwar im
Irak zu Arabern, im Iran zu Persern und in der Türkei zu Türken.
Die Türkei ist zur Zeit das Land, in dem die massivsten
Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Kurden praktiziert werden. Die
Republik ist auf der Grundlage eines rassistischen Weltbildes
entstanden. Aus diesem Grunde ist ihre Geschichte von einem extremen
Nationalismus und Rassismus gekennzeichnet, die sich gegen andere Völker
und ethnischen Gruppen außer den Türken richten.
Ethnische Säuberungen und Genozid
Das Osmanische Reich, konnte neben Anatolien jahrhundertelang den
Balkan, Arabien und Kurdistan unter seiner Herrschaft halten. Die Hohe
Pforte schlug in seinem Herrschaftsbereich den Widerstand all der Völker
gegen die Repressalien und die Ausbeutung mit kolonialistischen Methoden
nieder, bekämpfte sie in ihrem Bestreben nach Unabhängigkeit. Diese
Politik der Osmanen war jedoch nicht von einem rassistischen oder
nationalen Verständnis geprägt. Die Existenz der Völker wurde nicht
verneint, deren Sprache, Religion oder andere Unterscheidungsmerkmale
wurden bis zu einem gewissen Grad respektiert. Diese Politik änderte
sich mit dem Aufkommen des türkischen Nationalismus zu Beginn des 20.
Jahrhunderts. Türkische nationalistische Kräfte übernahmen in der
Endphase des Osmanischen Reiches die Macht und gründeten im Jahre 1923
die Republik Türkei. Schon Ende des 19. Jahrhunderts und während des 1.
Weltkrieges begannen diese Kreise mit einer großen ethnischen Säuberung
gegen andere Völker und führten sogar Pogrome durch, um das Land
innerhalb der Grenzen der heutigen Republik gänzlich zu türkisieren.
Der Völkermord an den Armeniern während des 1. Weltkrieges kostete bis
zu einer Million Menschen das Leben und genauso viele wurden
zwangsdeportiert. Nach dem Krieg waren die Armenier in der Türkei nur
noch eine verschwindend kleine Minderheit, wobei die meisten von ihnen
in Istanbul lebten. Auch in Istanbul und in den westlichen
Küstengebieten lebenden Millionen von Griechen wurden nach dem
türkisch-griechischen Krieg, der dem 1. Weltkrieg folgte, dezimiert. Sie
wurden gezwungen, Anatolien und Thrazien zu verlassen. Die verbliebene
griechische Minderheit in Istanbul hielt den staatlichen Repressalien
nicht mehr stand und verließ schließlich auch das Land.
Die türkische Administration hat mit einer gezielten Politik die
Armenier- und Griechenfrage durch Genozid und Vertreibung beseitigt.
Innerhalb der heutigen Grenzen blieben muslimische Minderheiten wie die
Lasen, Tscherkessen, Araber sowie die Kurden. Gegenüber diesen Völkern
begann der Staat eine massive Assimilationspolitik. Alle anderen
Sprachen und Kulturen außer der türkischen wurden verboten, eine
systematische Türkisierungspolitik wurde zum erklärten Ziel.
Lasen, Tscherkessen und Araber lebten verstreut in unterschiedlichen
Siedlungsgebieten und bildeten dort jeweils nur eine kleine Minderheit.
Daher konnten sie dieser Assimilationspolitik nicht standhalten. Kurden
jedoch bildeten in ihrer Heimat die überwiegende große Mehrheit. Der
Innerhalb der Grenzen der Türkei verbliebene Teil Kurdistans umfaßt rund
ein Drittel des Staatsgebietes. Die Kurden hatten ihre ethnische
Identität erlangt und widersetzten sich daher gegen diese Politik. Schon
zu Zeiten des Osmanischen Reiches im 19. Jahrhundert führten Kurden
einen ständigen Kampf um ihre Unabhängigkeit. Von Osmanen und dem Iran
zugleich bedrängt, erlitten sie jedoch immer wieder Niederlagen. Sie
wehrten sich auch nach der Gründung der Republik Türkei gegen die
Türkisierungspolitik und forderten ihre nationalen Rechte. Aus diesem
Grund fanden allein nach der Republikgründung über zwanzig kurdische
Aufstände statt. Der erste und zugleich einer der größten war der
Aufstand von Scheich Said im Jahre 1925, bei dem die Kurden ihren Willen
zur Unabhängigkeit bekundeten. Alle Aufstände wurden jedoch vom
türkischen Militär blutig niedergeschlagen. Die Kurden, umgeben von den
Staaten, die ihr Land unter sich aufgeteilt hatten und ihnen gegenüber
feindlich gesinnt waren, hatten ohne Unterstützung keine Chance. Daher
wurden sie jedesmal besiegt. In den irakischen und iranischen Teilen
Kurdistans herrschten die gleichen Verhältnisse. Das Aufbegehren des
kurdischen Volkes hat aber nicht aufgehört und wird noch heute in diesen
drei Staaten weitergeführt.
Die Türkei mißachtete den Lausanner-Vertrag
Die Politik der Zwangsassimilation und des Leugnens der Existenz von
Kurden verstößt auch gegen den Lausanner Vertrag vom 24. Juli 1923, auf
dessen Fundamenten die Republik Türkei aufgebaut wurde. Die Vertreter
der türkischen Seite während der Lausanner Konferenz hatten die Existenz
der Kurden nicht in Frage gestellt oder geleugnet. Der
Verhandlungsführer der türkischen Delegation, Ismet Inönü, sprach
ausdrücklich davon, daß "die Kurden keine Minderheit seien und daher wie
die Türken einen Hauptbestandteil der Republik darstellten. Aus diesem
Grunde repräsentiere die Regierung in Ankara sowohl die Türken als auch
die Kurden". Den damals gleichbehandelten und als eigenständige Nation
angesehenen Kurden wurden kurz nach der Ausrufung der Republik nicht
einmal die Minderheitenrechte zuerkannt. Auch der Paragraph 39 des
besagten Vertrages, der allen ethnischen Minderheiten die freie
Anwendung ihrer eigenen Sprache in allen Bereichen des
gesellschaftlichen Lebens zusichert, wurde mißachtet. Neben der
kurdischen Sprache wurden auch die Sprachen der Minderheiten wie Lasen,
Tscherkessen und Araber gänzlich verboten.
Die Republik Türkei hat sich auf einer rassistischen Weltanschauung
formiert
Der türkische Staat formierte sich ideologisch und in Bezug auf das
Erziehungs- und Bildungssystem auf einer rassistischen Grundlage. Deren
Umsetzung wurde schon vom Staatsgründer Mustafa Kemal (Atatürk)
begonnen.
Es gab zahlreiche Reden und Texte Atatürks, die dieses Weltbild prägten,
darunter der Spruch "Glücklich sei der, der sagen kann, ich bin ein
Türke!". Dieser Spruch steht heute noch insbesondere im kurdischen
Siedlungsgebiet an allen Schultoren, geschrieben auf riesigen Flächen
sogar an den von Weitem sichtbaren Berghängen.
Ein anderer sehr häufig zitierter Spruch Atatürks lautet: "Ein Türke ist
so viel wert wie die ganze Welt!"
Die berühmte "Widmung Atatürks an die Jugend" fängt an mit "Hey,
türkische Jugend" und endet mit dem Satz "Die Allmacht, die Du brauchst,
existiert in dem in Deinen Adern fließenden edlen Blut!". Die
Überlegenheit der türkischen Rasse und die Edle des türkischen Blutes
kommen in der Literatur und Alltagssprache sehr oft vor. So werden
Linke, Oppositionelle, usw., die Meinungen vertreten, welche mit der
sogenannten "nationalen" Politik nicht übereinstimmen, öfters als
"Blutlose" oder "Menschen verdorbenen Blutes" bezeichnet.
Seit Jahrzehnten müssen Schüler in allen Grundschulen des Landes jeden
Morgen vor dem Unterrichtsbeginn einen Eid leisten, den sie im Chor
sprechen müssen. Dieser Eid beginnt mit "Ich bin Türke, aufrichtig und
fleißig" und endet mit dem Satz "Mein Leben ist dem Türkentum gewidmet!"
In Grund- und Mittelschulen sind die Unterrichtsbücher voll solcher
rassistisch geprägter Sätze und Gedichte. Gedichte dieser Art werden bei
allen nationalen Feierlichkeiten in Fernseh- oder Radiosendungen
vorgetragen. Eines davon fängt mit dem Spruch "Ich bin ein Türke, meine
Religion und Rasse sind erhaben!" an.
Ähnliche Züge trägt sogar die türkische Nationalhymne, in der die Rede
von "meiner siegreichen Rasse" ist.
Während dieses Weltbild das Türkentum zu einer überlegenen Rasse
erklärt, diskriminiert und erniedrigt es andere Völker, stellt sie somit
als Feinde dar. Als 1930 der kurdische Aufstand von Ararat zerschlagen
wurde, äußerte sich der damalige Justizminister Mahmut Esat Bozkurt auf
einer Kundgebung zum Aufstand, daß "es sich dabei um einen Krieg
zwischen zwei Rassen handele und dieser sei weder der erste noch der
letzte" und führte weiter aus: "Wir leben im freiesten Land der Welt,
nämlich in der Türkei. Der Türke ist der alleinige Herr und Besitzer
dieses Landes. Diejenigen, die nicht zur reinen türkischen Rasse
gehören, haben lediglich das Recht auf ein Diener- und Sklavendasein.
Unsere Freunde sowie unsere Feinde, ja sogar die Berge sollen diese
Tatsache wissen!" (19. September 1930, Tageszeitung Milliyet)
Der damalige Ministerpräsident und später Nachfolger von Atatürk als
zweiter Staatspräsident der Türkei, Ismet Inönü, äußerte sich bei der
Eröffnungsrede einer Eisenbahnlinie in der Provinz Sivas zum kurdischen
Aufstand wie folgt: "In diesem Land hat nur die türkische Nation das
Recht ethnische sowie rassische Rechte einzufordern und sonst niemand."
(Tageszeitung Milliyet vom 31. August 1930).
Es können noch zahlreiche Beispiele dieser Art genannt werden. Auf
höchstpersönliche Anordnung von Mustafa Kemal wurden wissenschaftliche
Untersuchungen über die türkische Rasse durchgeführt. Während des
Dritten Reichs, in dem die Nationalsozialisten die Macht ausübten,
wurden aus Deutschland Instrumente zum Ausmessen von menschlichen
Schädeln importiert. Männer, die kurzerhand einen Professorentitel
erhielten, entwickelten auf Grund der Direktiven eine Reihe von
unwissenschaftlichen Thesen in Bezug auf die typischen Merkmale der
Türken wie Augenfarbe, Schädelform, Blutgruppe usw.
Wiederum wurden von türkischen Geschichts- und Sprachwissenschaftlern
eigens nach Direktiven Atatürks hochinteressante Thesen der "Türkischen
Geschichtstheorie" und "Sonnen-Sprach-Theorie" aufgestellt. Gemäß dieser
Theorie stammen alle Völker von Türken ab und alle Sprachen vom
Türkischen. Diese leeren Floskeln wurden jahrzehntelang als Thesen in
der türkischen Geschichtsschreibung und Kulturforschung vertreten.
Die Verfassung von 1982 untermauert weiterhin das bestehende Weltbild
Das türkische Rechtssystem und die türkische Politik wurden
jahrzehntelang auf dieser chauvinistisch-nationalistischen Grundlage
entwickelt.
Das Präambel der Verfassung von 1982 beginnt mit den folgenden Sätzen:
"Diese Verfassung, die die ewig währende Existenz des türkischen
Vaterlandes und des türkischen Volkes festlegt und die unteilbare
Einheit des hoch erhabenen türkischen Staates bestimmt, ... nach dem vom
Gründer der Republik Türkei, dem unsterblichen Führer und
unvergleichlichen Helden Atatürk entwickelten Nationalismusver- ständnis
und seiner Revolution und Prinzipien ..." und wird weitergeführt: "Keine
Meinung und Weltanschauung gegen die Geschichte des Türkentums und
seiner moralischen Werte und gegen den von Atatürk festgelegten
Nationalismus dürfen vertreten werden. Diese können auch keinen Schutz
genießen."
Durch die oben aufgeführten Beispiele dürfte es ausreichend deutlich
geworden sein, welcher Fanatismus und Chauvinismus sich hinter dem
"Nationalismus Atatürks" verbergen. Diese heute noch gültige Verfassung
bringt offen zum Ausdruck, daß sie diese Auffassung sichert und keine
andere "Meinung und Weltanschauung" zuläßt.
Es ist offensichtlich, daß in einem solchen Land die Meinungs- und
Glaubensfreiheit nicht existieren kann. Diese Verfassung macht deutlich,
daß alle anderen Meinungen, Gedanken und alle von der zulässigen
Richtung abweichenden Tendenzen im Namen des "Kemalismus und
Nationalismus" verfolgt und vernichtet werden. Dieses wird seit Jahren
so praktiziert. Zur Zeit sitzen aus diesem Grunde mehr als 170
Schriftsteller, Journalisten und Wissenschaftler in türkischen
Gefängnissen. Gegen weitere Hunderte wird ermittelt. Sie müssen mit
hohen Strafen rechnen. Das sind die konkreten Beispiele dieser Politik.
Der Eid, den die Abgeordneten gemäß Paragraph 81 der türkischen
Verfassung im neugewählten Parlament leisten müssen, hat ebenso einen
unzeitgemäßen nationalistischen und antidemokratischen Charakter. Im
Rahmen dieses Eids müssen die Abgeordneten unter anderem folgenden Satz
aussprechen: "Ich schwöre vor der großen türkischen Nation auf meine
Ehre, daß ich den Prinzipien und der Revolution Atatürks treu bleiben
werde!"
Diesen Eid müssen, wie alle anderen, auch die kurdischen Abgeordneten
schwören. Sie müssen dadurch ihre Verbundenheit zu einer Weltanschauung,
die unter anderem auf Kurdenfeindlichkeit basiert, und zur "großen
türkischen Nation" bekunden. Als Folge dieses Eids wurde im Jahre 1991
die neugewählte kurdische Abgeordnete Leyla Zana von der aufgebrachten
Mehrheit der anwesenden Parlamentarier als Landesverräterin verunglimpft
und beschimpft, weil sie während ihrer Vereidigung von
Völkerfreundschaft sprach. Frau Zana wurde später u.a. aus diesem Grund
zusammen mit einer Gruppe kurdischer Abgeordneter, die ebenfalls
neugewählt waren, aus dem Parlament heraus inhaftiert und zu einer
langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, die sie noch heute verbüßt.
Ein System, das auf der Leugnung der Existenz der Kurden, ihrer Sprache,
Kultur und Geschichte basiert
Wie in der Vergangenheit unterliegt die kurdische Gesellschaft auch
heute unterschiedlichen Maßnahmen der türkischen Rassentheorie und
Weltanschauung. Die kurdische Sprache und Kultur unterliegen weiterhin
einem Verbot. Nach der offiziellen türkischen Ideologie gibt es kein
Volk mit der Bezeichnung Kurden! Somit haben Kurden auch keine
Geschichte! Nach Ansicht des Regimes in Ankara gibt es keine Sprache
Kurdisch, obwohl die kurdische Sprache trotz aller unvorstellbaren
Repressalien sich bis heute am Leben erhalten konnte. Trotz eines
breitgefächerten Spektrums und unzähligen Produkten einer reichen
Folklore und schriftlichen Literatur in kurdischer Sprache gibt es nach
der Behauptung dieses Regimes diese Sprache nicht.
Obwohl rund ein Drittel der Einwohner der Türkei, d.h. über 20 Millionen
Menschen, Kurden sind, gibt es keine einzige Schule, in der Kurdisch
unterrichtet wird. Die Anwendung der kurdischen Sprache im Bildungswesen
ist verboten. Vor nicht langer Zeit hat die von Kurden ins Leben
gerufene Stiftung KÜRT-KAV (Stiftung für kurdische Kultur und
Forschung), die Initiative ergriffen, Kurdischkurse anzubieten. Trotz
einer positiven Entscheidung des Obersten Gerichtshofes verweigert das
Ministerium für nationale Erziehung die Genehmigung für diese Kurse.
In diesem Jahr versandte die amtierende türkische Innenministerin Meral
Aksener ein Dekret mit dem Vermerk "streng geheim" an alle Gouverneure
und Polizeipräsidien der Provinzen sowie Gendarmeriekommando- zentralen.
Mit diesem Dekret ordnete sie an, "administrative und rechtliche
Maßnahmen gegen solche Personen einzuleiten, die Alphabetisierungskurse
in Kurdisch anbieten und Forschung mit dem Ziel betreiben, die kurdische
Sprache zu verbreiten und sie zu einer Schriftsprache zu entwickeln."
(Wochenzeitung HEVI, 8. März 1997, Istanbul)
Sendungen in Kurdisch und Verbreitung der kurdischen Musik sind nicht
erlaubt
Fernseh- und Radiosendungen in kurdischer Sprache sind heute noch nicht
möglich. Die Verwendung des Kurdischen auf politischen Veranstaltungen
ist per Gesetz unterbunden und wird strafrechtlich verfolgt.
Die Herausgabe von kurdischen Musikkassetten wurde vor 5 - 6 Jahren pro
forma genehmigt. De facto wird das Verbot jedoch aufrechterhalten. Fast
jede Musikkassette wird sofort nach der Herausgabe beschlagnahmt oder
von der Polizei willkürlich "sichergestellt". Den Musikgruppen oder
Musikern sowie Künstlern, die kurdische Musik zu verbreiten versuchen,
wird nur in Ausnahmefällen die Genehmigung für ein Konzert erteilt.
Die Herausgabe von Zeitschriften und Zeitungen in kurdischer Sprache war
jahrzehntelang untersagt. Wenn jemand mit einem Buch festgenommen wurde,
das in Kurdisch oder über Kurden geschrieben war, konnte er sogar mit
einer Todesstrafe rechnen. Gegen diese Maßnahmen des Staates haben sich
die kurdischen Intellektuellen in den vergangenen Jahren gewehrt. Auch
der Druck von Seiten Europas auf die türkischen Regierungen hat zu einer
vorübergehenden Lockerung der Administration geführt, so daß zur Zeit
trotz Beschlagnahmen und Verboten Zeitungen, Zeitschriften oder Bücher
in Kurdisch veröffentlicht werden können. Mit allen Mitteln versucht die
Administration jedoch, den Verkauf oder den Vertrieb dieser
Publikationen zu verhindern. Zeitungen, Zeitschriften oder Bücher, die
ganz oder teilweise in Kurdisch geschrieben sind und in einer Metropole
wie Istanbul unter sehr schwierigen Bedingungen herausgebracht werden
können, werden entweder gleich nach dem Erscheinen oder wenn sie noch im
Druck sind, beschlagnahmt. Diese Publikationen in Kurdistan zu
vertreiben oder dorthin zu bringen, ist beinahe gefährlicher als Bomben
zu transportieren. Autoren und Herausgeber dieser Publikationen werden
zu Freiheits- und Geldstrafen in astronomischen Höhen verurteilt. In den
letzten Jahren wurden zahlreiche engagierte Journalisten ermordet, Büros
von Zeitungen überfallen und in Brand gesteckt und zerstört.
Türkische Intellektuelle und Schriftsteller, die diese Praktiken und
Politik kritisieren, sind ebenfalls einer massiven Verfolgung
ausgesetzt.
Begriffe wie "Kurde" oder "Kurdistan" sind aus dem türkischen Wortschatz
verbannt
Das heutige System, das sich nach der Gründung der Republik im Staats-
und Kulturwesen ausschließlich nach der türkischen Ethnie organisierte,
ist nicht nur gegen die kurdische Sprache und Kultur vorgegangen,
sondern hat als Konsequenz seiner Politik auch die Verwendung der
Begriffe "Kurde/Kurdisch" und "Kurdistan" untersagt, um die kurdische
Existenz zu auszulöschen. Diese Begriffe wurden aus Büchern und Lexika
entfernt. Sogar die bekannte Blätterteigsspezialität wurde von
"kurdisches Börek" in "türkisches Börek" umbenannt.
Auch heute gilt die Verwendung der Begriffe "Kurde/Kurdisch" und
"Kurdistan" in veröffentlichten Texten, politischen Artikeln, Romanen
oder Gedichten als eine strafbare Handlung und kann sogar als eine
terroristische Straftat eingestuft werden. Gleichgültig, ob darin die
Rede von der Natur, Schönheit oder Liebe ist. Die Verwendung eines
dieser Wörter kann genügen, um Zeitungen, Zeitschriften und Bücher zu
beschlagnahmen und die betroffenen Menschen vor Gericht zu stellen. In
dieser Hinsicht können Vergleiche zwischen dem türkischen Rechtssystem
sowie Hochschulwesen und den Strukturen der mittelalterlichen
Inquisitionszeit gezogen werden.
In ihrem Bemühen, die kurdische Kultur und Geschichte aus dem Gedächtnis
der Menschen zu löschen, hat das Regime in Ankara zahlreiche wertvolle
literarische Werke aus früheren Epochen und teilweise auch wichtige
historische Werke zerstört. Seltene historische Inschriften an den
Denkmälern wurden unkenntlich gemacht. Diese Politik widerspricht dem
heutigen Kulturverständnis und Zeitgeist. Es ist purer Vandalismus
gegenüber der Menschheit.
Geographische Bezeichnungen und Namengebung in Kurdisch sind verboten
Das Regime hat alle, teilweise historischen, Namen kurdischer Dörfer,
Groß- und Kleinstädte geändert und ihnen türkische Namen gegeben. Das
hat zu einer erheblichen Verunsicherung und großen Begriffsverwirrung
unter der kurdischen Bevölkerung geführt. Menschen haben
Schwierigkeiten, die neuen Namen ihrer Nachbarorte, ja oft sogar ihrer
eigenen Heimatorte richtig zuzuordnen.
Das Regime hat es nicht dabei belassen und hat den Kurden sogar
verboten, ihren Kindern kurdische Namen zu geben. Früher gegebene Namen
wurden oft sogar per Gerichtsbeschluß und durch Repressalien auf die
Eltern zwangsweise geändert. Hinzu kommt, daß diese Praxis bis nach
Europa ausgeweitet wurde.
Auch in Europa werden die kurdischen Migranten diskriminiert
Seit Jahren liegen den Standesämtern verschiedener europäischer Staaten
Namenslisten von türkischen Auslandsvertretungen vor. Für die türkischen
Staatsangehörigen ist Vorschrift, bei der Namengebung der Neugeborenen,
einen Namen aus der vorgelegten Liste auszuwählen. Interessant ist, daß
diese Praxis von vielen europäischen Ländern ohne Rücksicht auf das
elementare Menschenrecht übernommen wurde, womit sie sich zum Mittel der
Politik und antidemokratischen Praxis der Türkei machen lassen.
Eine andere antidemokratische Praxis europäischer Länder in Bezug auf
die Kurden betrifft Fernseh- und Radiosendungen und den
muttersprachlichen Unterricht in Kurdisch. Im allgemeinen haben die
größeren Migrantengruppen die Möglichkeit, täglich oder wöchentlich von
öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehanstalten Programme in ihrer
Muttersprache zu empfangen. Obwohl Kurden in den jeweiligen europäischen
Ländern eine zahlenmäßig große Migrantengruppe bilden, wird ihnen mit
der Begründung, daß sie keinen eigenen Staat haben, dieses Recht
verwehrt. Dies ist insofern nicht hinnehmbar, weil dieses Recht nicht
Staaten sondern Menschen zustehen sollte. Für Migrantengruppen, die
einen eigenen Staat haben, besteht keine dringende Notwendigkeit. In
einer Zeit der technischen Revolution haben die meisten dieser
Migrantengruppen mit Eigenstaatlichkeit die Möglichkeit, via Satellit
regelmäßig mehrere Heimatsender zu empfangen. Kurden haben nicht einmal
diese Möglichkeit. Daher haben sie Fernseh- und Radiosendungen ihrer
Gastländer nötiger als andere Migrantengruppen.
Weiterhin wird in europäischen Ländern den Migrantengruppen die
Möglichkeit zum muttersprachlichen Unterricht in den öffentlichen
Schulen angeboten, wobei auch dieses Recht - mit wenigen Ausnahmen - den
Kurden verwehrt bleibt.
Als ob die Verbote und Unterdrückungsmaßnahmen der Staaten Türkei, Irak,
Iran und Syrien nicht hinreichend wären, legen auch westliche Länder mit
ähnlicher Praxis eine Haltung zugrunde, die dem europäischen Geist
widerspricht. Wie kann diese Politik mit Motto der Europäischen Union
"Europa der Regionen und Kulturen" vereinbar sein. Diese Haltung negiert
leider die Zukunftsvision der zukünftigen Europa und trägt dazu bei, das
Unrecht des Regimes in Ankara zu stärken.
Kurdische Nationalfarben dienen nach diesem Verständnis dem
"Separatismus"
Die türkische Regierung betrachtet sogar die Kombination der kurdischen
Nationalfarben grün, gelb und rot als Stärkung des "kurdischen
Nationalismus". Für die Europäer lächerlich aber wahr ist, daß in
manchen kurdischen Städten, wie z.B. Batman und Van, aus diesem Grund
eine Zeitlang bei den Verkehrsampeln die grüne Farbe durch blau ersetzt
wurde. Die türkischen Sicherheitskräfte entfernen sogar
Schaufensterdekorationen, falls zufällig diese Farbkombination
entstanden ist. Ein türkischer Angeordneter hat sogar eine Strafanzeige
gegen einen Gärtner einer Parkanlage eingeleitet, weil er in dieser
Grünanlage die Farbkombination entdeckt hat. Für den Abgeordneten hatte
der Gärtner "Separatismus" betrieben.
Im Land herrscht eine Schizophrenie. Nachdem es den Machthabern
mißlungen ist, diese Farben aus dem kurdischen Alltag zu verbannen,
haben sie vor kurzem diese Farben für sich "entdeckt", sie kurzerhand zu
türkischen Nationalfarben erklärt und während der kurdischen
Neujahrsfeierlichkeiten Newroz am 21. März 1997 mit massiver staatlicher
Propaganda unters Volk gebracht.
Parteien und Organisationen kurdischer Prägung haben keine Chancen zur
freien Betätigung
Im Anbetracht der Tatsache, daß Kurden im gesellschaftlichen Leben ihre
eigenständige Identität nicht kundtun können, versteht sich von allein.
Auch ihre Organisationen mit politischer und kultureller Prägung, durch
die sie ihren Rechten und Forderungen Nachdruck verleihen möchten,
werden verfolgt und meistens verboten. Diesbezügliche Initiativen zählen
strafrechtlich zu schweren separatistischen Taten, die "der Teilung des
Vaterlandes und der Nation" dienen. In der Vergangenheit wurden von
Kurden ins Leben gerufenen Kulturvereine sogar verboten, deren
Mitglieder schweren Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt und zu hohen Strafen
verurteilt.
Kritik an der bislang geführten Kurdenpolitik, das Fordern kultureller
Rechte für Kurden oder die Meinung, daß außer der türkischen Kultur auch
andere Kulturen existieren, können zum Verbot einer politischen Partei
führen. Bislang sind vom Verfassungsgericht zahlreiche politische
Parteien verboten worden. Paragraph 81 des türkischen Parteiengesetzes
lautet wörtlich:
"Die politischen Parteien
a) dürfen nicht behaupten, daß es innerhalb des Staatsgebietes der
Republik Türkei Minderheiten existieren, deren Unterscheidungs- merkmal
auf nationaler und religiöser Kultur oder Rasse oder Sprache beruht;
b) dürfen auf dem Staatsgebiet der Republik Türkei keine Minderheiten
schaffen, indem sie eine sich von der türkischen Sprache und Kultur
unterscheidende Sprache und Kultur bewahren, sie weiterentwickeln oder
verbreiten, um das Ziel zu verfolgen, die Einheit der Nation zu
zerstören oder in dieser Richtung Aktivitäten zu entfalten;
c) dürfen im Niederschreiben und Veröffentlichen ihrer Satzung und ihres
Programmes sowie auf ihren Parteitagen, ihren Versammlungen im Freien
oder in geschlossenen Räumen, ihren Kundgebungen und bei ihrer
Propaganda eine sich vom Türkischen unterscheidende Sprache nicht
verwenden; dürfen keine Transparente und Schilder sowie Schallplatten,
Ton- und Videobänder, Broschüren und Bekanntmachungen in einer sich vom
Türkischen unterscheidenden Sprache verwenden und verteilen; dürfen
nicht untätig bleiben, wenn solche Aktionen und Vorgehensweisen durch
andere wahrgenommen werden. Es ist jedoch möglich, die Satzung und das
Programm in eine nicht durch das Gesetz verbotene Fremdsprache zu
übersetzen."
"Per Gesetz verbotene Sprachen ..."
Offensichtlich ist in diesem Paragraphen die Rede von "per Gesetz
verbotenen Sprachen". Hier wird auf die Paragraphen 26 und 28 der
türkischen Verfassung von 1982 Bezug genommen.
Paragraph 26 der Verfassung lautet:
"Bei der Äußerung und Verbreitung von Meinungen darf eine durch Gesetz
verbotene Sprache nicht verwendet werden."
Im Paragraph 28 heißt es:
"In einer durch Gesetz verbotenen Sprache dürfen keine
Veröffentlichungen gemacht werden."
In den folgenden Jahren wurde gemäß dieser Paragraphen auch ein Gesetz
erlassen, um diesen Verbot auszuführen. Damit das Kurdische nicht beim
Namen zu nennen, wurde in diesem Gesetz die "verbotene Sprache<@148> wie
folgt umschrieben: "Sprachen außer der ersten Amtssprache eines jeden
Landes ..." Kurdisch ist im Irak weiterhin die zweite Amtssprache. Daher
wurde die Regelung "erste Amtssprache" getroffen..
Somit ist die Türkei das erste und einzige Land der Welt, das eine
Sprache per Verfassung verbietet. Es ist offensichtlich, wohin die
Politik zur Ausrottung des kurdischen Volkes diesen Staat und dessen
Gesellschaft geführt hat.
"Bergtürken" und Völkermord
Im Zuge ihrer oben beschrieben Politik führte der türkische Staat die
Begriffe "Bergtürken" und "Bergtürkisch" ein, um nicht die verbotenen
Begriffe wie "Kurden" und "Kurdisch" verwenden zu müssen. Im
gesellschaftlichen und politischen Leben des Landes wurden
jahrzehntelang die Kurden zu Bergtürken erklärt. Beeindruckt von den
Machenschaften des türkischen Regimes, hat der berühmte englische Autor
Harold Pinter ein Theaterstück mit dem Titel "Bergsprache" geschrieben.
Jedoch war es auch als "Bergtürke" nicht möglich, der Gewalt dieses
Regimes zu entgehen. General Cemal Gürsel, der 1960 durch einen Putsch
an die Macht kam und dann zum vierten Staatspräsidenten der Republik
erkoren wurde, äußerte sich bezüglich der Kurden:
"Sollten die Bergtürken keine Ruhe geben, so wird die Armee nicht
zögern, ihre Städte und Dörfer zu bombardieren und zu zerstören. Es wird
solches Blutbad geben, daß sie und ihr Land nicht mehr existieren
werden". (Schwedische Zeitung Dagens Nyheter, 16. November 1960).
Genau das ist es, was der türkische Staat seit einigen Jahren in
Kurdistan zu verwirklichen versucht.
Es war unvermeidlich, daß diese despotische Politik zu einer Reaktion
und zum Widerstand des kurdischen Volkes führen würde. Die
Unterdrückungs- und Gewaltpolitik hat unausweichlich ihr Gegenbild
geschaffen. Jahrzehntelang währende staatliche Gewaltpolitik hat die
Gegengewalt hervorgebracht. und aus diesem Grund führt die Türkei seit
Jahren einen Krieg gegen Kurden, die einen Partisanenkrieg führen.
In diesem Krieg hat die Türkei auch das Kriegsrecht mißachtet und
schwere Verbrechen am kurdischen Volk und sogar an der gesamten
Menschheit begangen. Die Türkei hat kurdische Dörfer, Städte und andere
Siedlungen mit Hilfe von Panzern und Artillerie angegriffen und mit
Kampfflugzeugen bombardiert, niedergebrannt und verwüstet. Rund
viertausend kurdische Siedlungen wurden dem Erdboden gleich gemacht.
Vier Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Menschen,
die alles verloren haben, was sie besaßen, leben jetzt ohne Arbeit und
Zukunftsperspektiven in Armenvierteln der Großstädte in großer Armut. Es
wurden Wälder in Brand gesetzt, ja sogar chemische Waffen wurden
eingesetzt. Türkische Soldaten ließen sich im Siegesrausch mit geköpften
Partisanen fotografieren. Frauen wurden vergewaltigt, Kinder schlimmsten
Folterungen unterworfen. Es wurden sogar Massaker an Gefangenen
begangen. Staatlich gelenkte Todesschwadronen haben Tausende von
Menschenleben auf dem Gewissen, die Täter sind immer "unbekannt".
Um diesen schmutzigen Krieg gegen die Kurden finanzieren zu können,
verwandelte sich die Türkei in ein staatlich geschaffenes und gelenktes
Rauschgift- und Glücksspielparadies.
Eine ähnliche Zerstörung und Vertreibung hatte zuvor schon die irakische
Regierung unter Saddam in Irakisch-Kurdistan gegen die Kurden
durchgeführt, was -auch wenn es ziemlich spät kam - international als
Völkermord bewertet wurde. Gegenüber all dem, was die Türkei anrichtet,
wird aber geschwiegen. Was muß eigentlich noch geschehen, damit sich die
internationale Öffentlichkeit endlich bewegt? Etwa die Besetzung
Kuwaits..?
Der Bericht des Nationalen Sicherheitsrates: Ein beispielloser Rassismus
Es sieht aber nicht so aus, als ob der türkische Staat es bei den
bisherigen Maßnahmen beläßt. Vor kurzer Zeit wurde ein erschreckender
Bericht des Nationalen Sicherheitsrates in der Öffentlichkeit bekannt.
In diesem Bericht wird die steigende Zahl der Kurden in der Türkei als
gefährlich eingestuft und darauf hingewiesen, daß die kurdische
Bevölkerung im Jahre 2010 den Anteil von 40 % und im Jahre 2025 schon
den Anteil von 50 % Prozent der Gesamtbevölkerung erreichen werde. In
Anbetracht dessen würden die Kurden im Parlament die Mehrheit erringen.
Dieser Gefahr müßte berücksichtigt und "radikale Maßnahmen" dagegen
ergriffen werden. Als eine mögliche Maßnahme wird die Einführung von
Steuern für jedes neugeborene Kind vorgeschlagen, also eine Art
Geldstrafe.
Im selben Bericht wird darauf hingewiesen, daß 90 % der Angestellten im
religiösen Sektor, 80 % der Gefängniswärter und 43 % der Lehrer
kurdischer Abstammung seien. Auch das wird als eine Gefahr angesehen und
die Regierung wird aufgefordert, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Es ist nicht neu, daß die türkische Administration im kurdischen Gebiet
keine Kurden als Beamte beschäftigen will. Sie hat aber dabei keinen
Erfolg gehabt, weil türkische Beamte aufgrund schwieriger
Lebensverhältnisse dort nicht arbeiten wollen. Die Region ist für die
meisten ein Verbannungsziel. Auf der anderen Seite hat sich der
türkische Staat über den Bevölkerungszuwachs der Türken nie beschwert,
seit Jahren aber wird versucht, den Bevölkerungszuwachs der Kurden zu
verhindern. Mit diesem Ziel wurden viele Maßnahmen ergriffen, darunter
der Einsatz von Spiralen zur Empfängnisverhütung bei kurdischen Frauen
oder die kostenlose Verteilung von Präservativen an Männer. Es ist
offensichtlich, daß all diese Maßnahmen und die Vertreibung von
Millionen von Kurden und zum Teil sogar Massenmorde noch nicht
ausgereicht haben, so daß jetzt radikalere Maßnahmen gefordert werden.
Welche könnten nun in Frage kommen? ...
Die Argumentation der türkischen Regierung für den seit Jahren gegen das
kurdische Volk geführten schmutzigen Krieg ist die Terrorbekämpfung.
Jedoch führt der Bericht des Nationalen Sicherheitsrates noch einmal
ganz deutlich vor Augen, daß das, was Terror genannt wird, einerseits
ein Produkt der Politik des türkischen Staates ist und andererseits ein
Vorwand für seine Unterdrückungspolitik. Das eigentliche Ziel des
türkischen Staates ist, die kurdische Identität und somit die innerhalb
seiner Staatsgrenzen lebenden 20 Millionen Kurden auszurotten.
Als dieser Bericht der Regierung vorgelegt wurde, verlor ein Minister
kurdischer Abstammung die Beherrschung und sagte, "er werde ihn nicht
unterschreiben, weil dieser Bericht selbst separatistisch sei"
Diskriminierung der Kurden im Arbeits- und Berufsleben
Für eine Kurdin oder einen Kurden ist nur dann möglich, in eine
systemtreue Partei einzutreten, ins Parlament zu kommen oder Minister zu
werden, wenn sie oder er das repressive, antidemokratische und
rassistisch motivierte System vollständig mitträgt, vor allem, wenn sich
dieses System gegen das kurdische Volk richtet. Die Unterdrückung und
Verachtung der Kurden erreicht jedoch manchmal ein Ausmaß, daß nicht
einmal solche regimetreue Wendehälse aushalten können.
Wenn die Türkei aufgrund dieser Praxis wieder einmal in die
internationale Kritik gerät, entgegnen die Vertreter der Türkei, die
Kurden könnten auch am politischen Leben teilhaben. Sie hätten das Recht
zu wählen und gewählt zu werden, ins Parlament zu kommen und sogar
Ministerämter zu bekleiden. Das ist aber nur innerhalb des von diesem
System gesetzten Rahmens möglich. Das heißt, unter der Voraussetzung,
sich dem repressiven Regime zu beugen, alles von ihm ausgehende Unrecht
zu befürworten und seine eigene Identität zu leugnen. Welches
Gewaltregime akzeptiert dies nicht?
Doch trotz der Regimetreue ist es auch solchen Kurdinnen und Kurden
nicht gestattet, in sensible Positionen des Staates zu gelangen. In
Offiziersschulen und -akademien werden keine Kurden aufgenommen, hohe
Positionen im administrativen Bereich der Außenpolitik sind den Kurden
verschlossen. In den letzten Jahren ist auch bei den
Sicherheitsbehörden, wie die Polizei, eine solche Praxis eingeführt
worden. Für patriotische und intellektuelle Kurden, die nicht bereit
sind, ihre Identität preiszugeben oder zu leugnen, ist eine Anstellung
im öffentlichen Dienst völlig unmöglich. Für diese ist es sogar sehr
schwierig, in der privaten Wirtschaft eine Anstellung zu finden. Im
allgemeinen wird ein polizeiliches Führungszeugnis benötigt, und die
Haltung der Polizei solchen Kurden gegenüber liegt auf der Hand.
Auch Newroz, das traditionelle Neujahrsfest der Kurden, ist verboten
Es würde wohl wundern, wenn ein solches Unrechtsregime das traditionelle
Fest Newroz den Kurden nicht verbieten würde. Der türkische Staat hat,
ähnlich wie beim Tag der Arbeit am 1. Mai, alles erdenkliche unternommen
und viel Blut vergossen, um das am 21. März gefeierte kurdische
Neujahrsfest Newroz zu verhindern. Am 21. März 1992 haben Angehörige der
türkischen Streitkräfte und Polizei Menschenmassen, darunter viele
Frauen und Kinder, die mit ihren traditionellen Festkleidern friedlich
auf Straßen marschierten, unter Beschuß genommen. In kurdischen Städten
wie Cizre, Nusaybin und Sirnak wurden auf diese Weise über hundert
Menschen ermordet und weitere hunderte verwundet.
Das Feiern des Newroz-Festes wird heute verhindert. Das Regime hat
jedoch erkannt, daß es Newroz nicht gänzlich verhindern kann und daß
dieses traditionelle Fest für die Kurden zu einem Symbol des
Widerstandes geworden ist. Nun versucht es, das Fest für sich in
Anspruch zu nehmen und es von seinem eigentlichen Inhalt und der
Bedeutung zu entleeren. Vor kurzem hat der türkische Staat Newroz zu
einem türkischen Fest erklärt und begründet dessen Ursprung mit dem
rassistischen Grauen-Wolf-Mythos (nach diesem Mythos sollen die Türken
von einem grauen Wolf abstammen). Auf diese Weise wird Newroz nun als
ein türkisches Volksfest von Angehörigen der Regierung,
Parteifunktionären, Gouverneuren, Polizeipräsidenten und Generälen in
rassistisch geprägten offiziellen Zeremonien gefeiert, während es den
Kurden weiterhin untersagt bleibt.
Es ist ein bemerkenswerter Zufall, daß Newroz mit dem internationalen
Anti-Rassismus-Tag am 21. März zusammenfällt. Und Kurden bringen an
diesem Tag ihre Sehnsucht nach Frieden und Freiheit mit großer
Begeisterung zum Ausdruck.
Es darf nicht Stillschweigen bewahrt werden
In Anbetracht der dramatischen Lage läßt sich sagen, daß die Kurden
eines der Völker auf der Erde sind, und das Opfer größter nationaler
Unterdrückung und rassistischer Diskriminierung sind. Und eines der
Länder, die diese Politik gegen die Kurden betreiben, ist die Türkei,
die Mitglied des Europarates und der OSZE ist. Die Türkei verletzt somit
aufs gröbste das internationale Recht und ihre selbsteingegangenen
internationalen Verpflichtungen. Mit dieser Politik lädt sie große
Schuld gegen die Menschheit auf sich.
Die Europäische Union, die das Jahr 1997 zum Jahr zur Bekämpfung des
Rassismus und Fremdenfeindlichkeit erklärt hat, darf nicht
Stillschweigen bewahren angesichts der dramatischen Lage der Kurden, der
schweren Menschenrechtsverletzungen und der rassistischen Praktiken der
Türkei.
Das kurdische Volk braucht die internationale Unterstützung.
Alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sollten gegenüber der
Türkei von ihrem Recht auf Durchführung von Sanktionen, das auf
internationalen Vereinbarungen beruht, Gebrauch machen und sollten die
Identität der in ihren Ländern lebenden kurdischen Immigranten
anerkennen und sie mit anderen Immigrantengruppen gleichstellen, indem
auch ihnen das Recht auf Radio- und Fernsehsendungen und
muttersprachlichen Unterricht in Kurdisch gewährt wird. Dadurch können
sie das in ihren eigenen Ländern herrschende Unrecht beseitigen.
Kemal Burkay
Juni 1997
BERICHT
ÜBER DIE BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER EU UND DER TÜRKEI
SOWIE DEN EU-BEITRITT DER TÜRKEI
Wie weit ist die Türkei auf dem Weg in die EU?
- Hat die Türkei die Forderungen im Beitrittspartnerschaftsdokument
erfüllt? Was sagen die Veränderungen in der Verfassung aus?
- Ist die Türkei ein laizistisches Land?
- Was hat sich an der Situation der Kurden geändert?
- Was wurde durch das „EU-Anpassungspaket“ erreicht?
- Die Türkei hat die Beschlüsse des Lausanner Vertrages mit Füßen
getreten. Nun versucht sie die Kopenhagener Kriterien mit einem „Bypass“
zu umgehen
- Die Türkei wurde zur Geisel der Kurdenfrage
- Was ist die Lösung in dieser Situation?
- Die grundlegende Lösung für die Kurdenfrage
- Die EU muss an ihren Normen und Prinzipien festhalten
Wie weit ist die Türkei auf dem Weg in die EU?
Die Europäische Union hat eine lange Zeit ernsthafte Schritte für die
Lösung der Zypern- und der Kurdenfrage sowie die Erfüllung der in den
Kopenhagener Kriterien genannten Forderungen zur Bedingung für die
Aufnahme der Türkei in den Kandidatenstatut für den EU-Beitritt gemacht.
Doch die Türkei hat, scheinbar den Beitritt in die EU sehnlichst
erwartend, sich beharrlich geweigert, die betreffenden Schritte nicht zu
unternehmen.
Dieser Haltung zum Trotz hat die EU im Dezember 1999 bei dem Gipfel in
Helsinki ihre Taktik geändert und die Türkei als Anwärter für die
Kandidatur akzeptiert; mit der Begründung, dadurch die Türkei leichter
beeinflussen und sie dazu bringen zu können, die geforderten Reformen zu
realisieren.
Doch die Türkei hat ihre gewohnte Haltung fortgesetzt. Etwa ein Jahr
nach dem Helsinki-Gipfel, am 8. November 2000, hat die EU der Türkei mit
dem „Beitrittspartnerschaftsdokument“ einen Zeitplan für die Erfüllung
der Kopenhagener Kriterien und der Lösung der Zypernfrage vorgegeben.
Dieses Dokument war außerordentlich kompromissreich. Die Kopenhagener
Kriterien waren ausgedehnt worden, die Kurdenfrage wurde nicht beim
Namen genannt. Dennoch kochten die türkischen Führer und die türkische
Presse über vor Wut gegen die EU. Sie behaupteten, die EU wolle Zypern
den Griechen schenken und die Europäer versuchten, die Türkei zu teilen.
Ministerpräsident Ecevit sagte: „Die Europäer haben uns betrogen!“
Außenminister Cem brauste auf: „Einige Europäer sehen uns als ihre
Kolonie an und verhalten sich wie Kolonialherren!“
Es war offensichtlich, dass die türkische Führung weder zur Veränderung
gewillt war, noch zur Lösung der Zypern- und Kurdenfrage. Auch hatte sie
nicht vor, ihren Staatsbürgern zeitgemäße Menschenrechte zuzugestehen.
Schließlich präsentierte die Türkei, nachdem sie die EU hingehalten
hatte und die gesetzte Frist verstreichen ließ, im März 2001 der EU
ihren „Nationalbericht“, der eine Vielzahl der wichtigen, grundlegenden
Forderungen im Beitrittspartnerschaftsdokument außer acht ließ.
Mit der Aussage, „die Türkei ist ein Unitarstaat, ihre offizielle
Sprache ist Türkisch“, wurde die Existenz anderer Völker, Sprachen und
Kulturen sowie die Gewährung von Rechten an diese Gruppen abgelehnt.
Kulturelle Rechte wurden auf Individualrechte reduziert.
Auch wenn sie den Nationalbericht als ungenügend bewertete, hat die EU
ihn als einen positiven Schritt angesehen und seine Haltung der
„Motivation und Ermutigung“ fortgesetzt.
Hat die Türkei die Forderungen im Beitrittspartnerschaftsdokument
erfüllt?
Was sagen die Veränderungen in der Verfassung aus?
In der folgenden Periode hat die Türkei, um einige Versprechungen im
Nationalprogramm zu erfüllen, Veränderungen in der Verfassung
vorgenommen. Ein Teil der im Jahr 2001 geplanten Veränderungen, die aus
der Sicht der Demokratisierung einigermaßen tauglich waren, blieben im
Nationalen Sicherheitsrat, also bei den Militärs, auf der Strecke. Die
übrigen waren allenfalls Retuschen.
Eigentlich war die Verfassung von 1982, ganz so wie es die angesehensten
Juristen und Anwaltskammern auch festgestellt haben, ein Produkt der
Militärjunta vom 12. September. Sie war vom Anfang bis zum Ende
antidemokratisch und es war unmöglich, sie durch einige Retuschen
geradezubiegen. Sie war, wie Sami Selcuk, Vorsitzender des
Revisionsgerichtes, es sagte, “eine Polizeisatzung” und es war
notwendig, sie beiseite zu schieben und eine vollkommen neue Verfassung
zu erarbeiten.
Die 1982er Junta-Verfassung war nicht dazu erlassen worden, um die
Rechte und Freiheiten des Staatsbürgers zu garantieren, sondern ganz im
Gegenteil, den repressiven Staat gegen den Staatsbürger zu schützen, den
man nicht ernst nahm, dem man nicht traute und vor dem man sich
fürchtete. Aus diesem Grund wurde sie zu einer Zwangsjacke, die die
Rechte und Freiheiten so weit wie möglich einschränkte und unbrauchbar
machte.
Diese Verfassung ist vom Anfang bis zum Ende mit einem
rassistisch-chauvinistischen Verständnis geschrieben. Die Präambel ist
eine unvergleichlich rassistische Tirade. Während die türkische „Rasse“
und Kultur in den Vordergrund gestellt und zu einem Fetisch erhoben
wird, wird die Existenz anderer Völker und Kulturen verleugnet und steht
ohne Schutz da.
Mit dieser “Verfassung” und ähnlichen anderen Gesetzen werden die
Menschenrechte und Freiheiten diesen rassistisch-chauvinistischen Werten
entsprechend eingeschränkt, das Recht auf Meinungs-, Presse-,
Organisations- und Demonstrationsfreiheit eliminiert.
Dieses System ist antidemokratisch, repressiv und primitiv. Die Praxis
übersteigt sogar das Maß an Geschmacklosigkeit und Willkür um ein
Vielfaches. Das wird wohl der Grund sein, warum es in der Türkei keine
Meinungsfreiheit gibt, andererseits jedoch zu jeder Zeit Tausende von
politischen Häftlingen in den Gefängnissen der Türkei ihr Dasein
fristen. Ausschließlich wegen ihrer Schriften und Reden werden
Schriftsteller, Künstler, Politiker und auch einfache Bürger
festgenommen, zu schweren Strafen verurteilt und geschunden. In diesem
System werden ständig politische Parteien verboten. In diesem System
sind friedliche Versammlungen und Demonstrationen vollkommen der Lust
und Laune der Polizei und der Gouverneure überlassen. In der Praxis wird
Regimegegnern dieses Recht niemals gewährt. In diesem System hört die
Folter nicht auf. In diesem System besitzen weder das 20 Millionen
Menschen zählende Volk der Kurden, noch die anderen Minderheitenvölker
kulturelle oder nationale Rechte und Freiheiten. Forderungen dieser Art
zählen zur schwerwiegenden Straftat der “Teilung von Vaterland und
Nation” und werden gnadenlos bestraft. Das Gesetz für politische
Parteien verbietet es sogar zu sagen, dass in der Türkei andere Sprachen
als Türkisch und andere Kulturen existieren. Dies stellt ein Grund zur
Schließung einer Partei dar.
Bekanntlich ist die Türkei in der Vormundschaft des Nationalen
Sicherheitsrates, der über der zivilen Politik, der Regierung und dem
Parlament steht und besondere Ermächtigungen besitzt. Es wurden
keinerlei Veränderungen innerhalb dieser halb-militärischen Institution
vorgenommen, die in Wahrheit den Wünschen der Generäle entsprechend
agiert.
Ist die Türkei ein laizistisches Land?
Ebenso, wie das Regime in der Türkei nicht demokratisch ist, ist sie
entgegen der Behauptungen auch nicht laizistisch. Sowohl die 15 bis 20
Millionen Aleviten, die in der Türkei leben, als auch die Yeziden werden
unterdrückt. Auch die Assyrer und andere christliche Gruppen leiden
darunter.
In den Schulen ist der Religionsunterricht ein Pflichtfach. Grundlage
dieses Unterrichtes ist der sunnitische Islam. So sind alle, auch die
Angehörigen anderer religiöser Gruppen wie der Aleviten, Yeziden und der
Christen gezwungen, in den Schulen die Regeln, die Gebete und den Namaz
(das rituelle Tagesgebet gen Mekka) des sunnitischen Islam zu lernen.
Der Staat stattet die Anstalt für Religionsangelegenheiten mit Tausenden
von Mitarbeitern und einem großen Budget aus und zwingt der Gesellschaft
nach eigenem Gutdünken eine bestimmte Ausrichtung des sunnitischen
Glaubens (Hanefiten) auf.
Daneben existiert auch eine etwas privilegiertere islamische Schicht,
die von Zeit zu Zeit zur Zielscheibe der Repressionen des kemalistischen
Regimes wird, das meint, sich in den Glauben und den Lebensstil seiner
Bürger einmischen zu dürfen. Die repressive Haltung des Regimes gegen
das Kopftuch ist ein konkretes und lebendiges Beispiel der letzten Jahre
dafür. Der Staat hetzt – je nach Situation – die islamische Bewegung
manchmal gegen die Linke und die kurdische Nationalbewegung auf,
manchmal erscheint sie ihr zu gefährlich und wird beschnitten.
Was hat sich an der Situation der Kurden geändert?
Die türkische Presse hat die Verfassungsänderung im Jahr 2001 mit lautem
Gepolter als einen “Demokratisierungscoup” präsentiert. Angeblich
sollten die Hindernisse vor Bildung und Sendungen in der Muttersprache
aufgehoben werden. Doch weder entsprach das den Tatsachen, noch hatte
das Regime einen solchen Willen. Tatsächlich wurden in der folgenden
Zeit kurdische Kinder, Jugendliche und ihre Eltern, die Bildung in der
Muttersprache oder Kurdisch als Wahlfach forderten, und die kurdischen
Lehrer, die dies unterstützten, verschiedenen Repressionen ausgesetzt.
Sie wurden beschuldigt, Mitglieder der “Terrororganisation” zu sein und
eine von ihr gelenkte Kampagne durchzuführen. Hunderte wurden
festgenommen, gefoltert und verhaftet. Die Gerichtsverfahren dauern noch
an.
Genau in der Periode nach der Verfassungsänderung wurden auf Befehl des
Innenministeriums kurdische Namen verboten. Diese Namen würden “nicht
mit der türkischen Kultur zu vereinbaren sein”! Staatsanwälte haben in
zahlreichen Provinzen Kurdistans wie auch im Westen der Türkei Verfahren
eröffnet, um die Namen der kurdischen Kinder zu ändern.
Auch in dieser Periode wurden Zeitschriften, Zeitungen und Bücher, die
ganz oder teilweise in Kurdisch waren oder die Kurdenfrage behandelten,
konfisziert, gegen die Autoren und Herausgeber wurden Anklagen erhoben,
Strafen wurden verhängt. Darunter befinden sich der berühmte Autor Ahmet
Altan und der Dozent Fikret Baskaya. Diese Publikationen durften nicht
nach Kurdistan eingeführt werden. Diese Praxis dauert heute noch an.
Selbst die Verfolgung der kurdischen Musik ging in dieser Periode weiter
und wurde sogar verschärft. So wurde beispielsweise in Diyarbakir ein
Minibusfahrer, der in seinem Minibus kurdische Musik abgespielt hatte,
allein aus diesem Grund zu 3,5 Jahren Strafe verurteilt, weil er durch
das bloße Abspielen der kurdischen Musik eine “terroristische
Organisation unterstützt hatte”.
Der seit Jahren in Kurdistan herrschende Ausnahmezustand wurde bis auf
Diyarbakir und Sirnak beendet. Doch in Wirklichkeit ist das
Ausnahmezustandsrecht, das in den 24 Jahren Ausnahmezustand praktiziert
wurde, nicht beendet. Die außerordentlichen Ermächtigungen, die den
Gouverneuren und der Polizei mit verschiedenen Gesetzen ermöglicht
wurde, gelten immer noch und rechtfertigen willkürlichen Praktiken. Die
Situation wendet sich einfach nicht zur Normalität.
Die türkische Regierung plant den Ausnahmezustand ganz aufzuheben und an
seine Stelle ein anderes außerordentliches System, das
“Südost-Staatssekretariat” genannt wird, zu installieren. Dies bedeutet
nichts anderes, als die Fortsetzung des Regionalen
Ausnahmezustandsgouvernements unter einem anderen Namen. Anders gesagt,
das Regime hat nicht vor, die Situation in Kurdistan zum Normalen wenden
zu lassen.
Um die soziale und wirtschaftliche Situation in der Region zu
verbessern, leistet das Regime nichts anderes als leere Worthülsen zu
produzieren. Sie unternimmt keinerlei konkreten Schritte.
Eine der Schritte, die unternommen werden müssen, ist die Unterstützung
der Millionen Menschen, deren Dörfer und Häuser während des schmutzigen
Krieges zerstört und die dadurch zur Flucht gezwungen bzw. vertrieben
wurden. Der Weg zur Rückkehr in ihre Dörfer hätte geebnet werden müssen,
der Staat hätte sie beim Verbinden ihrer Wunden unterstützen müssen.
Doch obwohl immer wieder gesagt wurde, dass die Erlaubnis zur Rückkehr
in die Dörfer erteilt werden wird, findet in der Praxis eine
systematische Behinderung dessen statt. Die Sicherheitskräfte des
Staates, die Polizei, die Gendarmerie und die paramilitärischen
Dorfschützer, erlauben eine Rückkehr nicht und bedrohen diejenigen, die
zurückkehren möchten. Wer trotzdem zurückkehrt, ist Angriffen und
Repressionen ausgesetzt und bereut seine Rückkehr. So wurden zum
Beispiel vor Kurzem in dem Dorf Nureddin in der Region Mus, drei
Personen, die in ihr Dorf zurückgekehrt waren und dort das Gras auf
ihren Weiden schnitten, durch paramilitärische Dorfschützer ermordet.
Gegen die Schuldigen wurde keine Strafverfolgung eingeleitet. Zuvor
waren Bewohner des Dorfes Marinus bei Hakkari ermordet worden, als sie
in ihr Dorf zurückkehrten, um die Walnussernte einzuholen. Zahlreiche
Vorfälle dieser Art können aufgelistet werden.
Deswegen bleiben diejenigen, die aus der Vertreibung zurückkehren
können, nur eine verschwindend kleine Minderheit. In den Vororten der
Großstädte, wo sie Zuflucht finden, fristen die meisten ohne eine
Unterkunft, ohne Arbeit oder Bildung ihr armseliges Dasein. Auf diese
Weise ist das gesamte ländliche Gebiet Kurdistans noch weit von
jeglicher Produktion entfernt und bleibt zerstört. Arbeitslosigkeit und
Perspektivlosigkeit deprimieren die Bevölkerung in dieser Region.
Dieser Zustand und auch die Vorkommnisse, von denen oben beispielhaft
die Rede ist, sind in der Presse und in der Weltöffentlichkeit
registriert worden. Um es zusammenzufassen: Das Regime führt einerseits
Reformen durch, um sich angeblich der EU anzupassen, andererseits
vermeidet sie ernstzunehmende Veränderungen und wird in seinem
Bestreben, das aktuell existierende repressive, primitive System zu
schützen, noch aggressiver.
Dies ist nichts anderes als eine verlogene, doppelzüngige Politik.
Was wurde durch das „EU-Anpassungspaket“ erreicht?
Und das am 2. August 2002 im türkischen Parlament verabschiedete, aus 14
Artikeln bestehende EU-Anpassungspaket? Was wird tatsächlich damit
erreicht?
Die türkischen Staatsmänner, Politiker und die regimetreuen türkischen
Presseorgane jubeln lautstark, die Türkei hätte nun alle Forderungen,
auch die in den Kopenhagener Kriterien genannten, erfüllt. Politiker wie
Presse sprechen von „Riesenschritten“, die unternommen wurden. Die
innere und äußere Öffentlichkeit wird einem noch nie da gewesenen
Propagandabombardement ausgesetzt. „Der Ball ist nun im Feld der EU, sie
muss der Türkei nun Termine für Verhandlungen geben“, sagen sie.
Doch die tatsächliche Situation ist wieder einmal ganz anders, als von
ihnen dargestellt. Die unternommenen Schritte sind weit davon entfernt,
die Kopenhagener Kriterien zu erfüllen. Auch ist es unklar, ob sie in
die Praxis umgesetzt werden. Klar ist jedoch zweifellos, dass die Praxis
wie die bisherige sein wird!
Was enthält das 14 Artikel umfassende EU-Anpassungspaket?
Einer der Artikel betrifft die Todesstrafe. Durch die Veränderung wird
die Todesstrafe bis auf „Kriegssituationen oder drohende
Kriegssituationen“ aufgehoben. Sicherlich ist das positiv. Seit 1984
wurde sowieso auf die Vollstreckung von gerichtlich erteilten
Todesstrafen verzichtet, um nicht die Kritik der äußeren Öffentlichkeit
auf sich zu ziehen. Aber das war auch nicht nötig, denn die
Vollstreckung geschah auf anderem Wege. Beispielsweise haben
Geheimorganisationen, die unter staatlicher Kontrolle stehen, die sog.
„Morde unbekannter Täter“ verübt. In den vergangenen 20 Jahren wurden
auf diese Weise Tausende von Intellektuellen und Demokraten, die dem
Regime nicht passten, insbesondere kurdische Patrioten, ermordet. Die
Täter blieben für immer unbekannt. Ein anderer Weg ist die offene
Hinrichtung durch die Exekutive des Staates, die Polizei und das
Militär. Auf dem Lande, in Städten, in den Gefängnissen oder selbst in
den Wohnung der Opfer, vor den Augen der Öffentlichkeit kam es so zu
zahlreichen extralegalen Hinrichtungen von Tausenden unschuldiger
Menschen, die nichts mit Terror zu tun hatten.
Wir denken nicht, dass solche Praktiken ein Ende finden werden. Am 15.
August 2002 hat das Büro des Menschenrechtsvereins in Diyarbakir
erklärt, dass in den vergangenen zwei Monaten allein in Kurdistan 10
weitere Menschen durch „Hinrichtungen ohne Verurteilungen“ und durch
„Morde unbekannter Täter“ getötet wurden.
In der Türkei ist Folter angeblich verboten und eine Straftat. Doch die
Mühlen des Folters drehen sich ununterbrochen und systematisch weiter.
Demonstrationen sind angeblich frei. Doch noch im vergangenen Jahr
wurden diejenigen, die für den Frieden demonstrieren wollten, brutal
verprügelt.
Eine der durch das EU-Anpassungspaket durchgeführten Änderungen betrifft
die Bildung in der Muttersprache. Diese Änderung erlaubt weder dem
kurdischen Volk, noch anderen Gruppen, die eine andere Sprache sprechen
als Türkisch, das Recht auf Bildung in der Muttersprache. Ein Drittel
der Bevölkerung der Türkei, also 20 Millionen Kurden die die erdrückende
Mehrheit in ihrem Land Kurdistan stellen, dürfen keine
Bildungseinrichtungen haben, die in ihrer Muttersprache unterrichten. Es
wird keine Grundschule, keine Mittelschule, keine Oberschule geben, die
in Kurdisch unterrichtet. Für die Interessenten wird es außerhalb der
Unterrichtszeiten „Kurse zum Erlernen von Sprachen“ geben. So, als würde
man Japanisch oder Englisch lernen. Selbstverständlich wird der Staat
hierfür nichts ausgeben. Diese Kurse werden privat und gegen Gebühr
angeboten.
Dies ist nicht das Recht auf Bildung in der Muttersprache, sondern eine
gemeine Art, sich über Menschen lustig zu machen. Selbst das Recht von
Kurden und anderen Migrantengruppen in verschiedenen europäischen
Staaten, Muttersprachlichen Unterricht zu erhalten, geht weit darüber
hinaus. In Staaten wie Schweden und Deutschland gibt es beispielsweise
sogar Kindergärten, die Bildung in der Muttersprache anbieten. In diesen
Ländern, in Holland und in anderen Ländern Europas auch haben kurdische
Kinder das Recht, in ihrer Muttersprache auf Grundschulniveau
unterrichtet zu werden. Dieser Unterricht findet in den Schulen statt
und die Gehälter des für diese Aufgabe eingestellten Lehrpersonals wird
vom Staat bezahlt. In Schweden gibt es beispielsweise auch eine Schule,
in der Lehrer für Kurdisch ausgebildet werden.
Diese Rechte sind den etwa 30 bis 40 Tausend Kurden zuerkannt, die in
den vergangenen Jahren als Flüchtlinge oder Arbeiter nach Schweden
gekommen waren, viele von ihnen sind vor dem Folter und der Verfolgung
des türkischen Regimes geflohen.
Das heißt also, dass die Türkei einen Drittel seiner Staatsbürger, 20
Millionen Kurden, die in Kurdistan die erdrückende Mehrheit darstellen,
nicht für würdig genug hält, um ihnen dieses Maß an Recht auf Bildung
zuzuerkennen. Dabei sind diese Menschen nicht einmal Einwanderer. Sie
lebten bereits Tausende von Jahren vor den Türken, die sich von
Zentralasien auf den Weg machten und Anatolien und Thrazien okkupierten,
in diesem Land.
Bleibt noch zu sagen, dass es keine Überraschung wäre, wenn sogar die
Realisierung dieser Kurse auf vielfältige Art verhindert würde.
Bei dem Recht auf Sendungen in der Muttersprache verhält es sich
ähnlich. Angeblich sind die Hindernisse vor Sendungen in anderen
Sprachen als Türkisch aufgehoben worden. Aber es wird jetzt schon
mitgeteilt, dass dieses Recht nur sehr restriktiv und unter der
Kontrolle des Staates umgesetzt wird. Allenfalls könnte es eine täglich
15 bis 30-minütige Sendung geben.
Ist das nicht lächerlich für ein Volk von 20 Millionen Menschen? Ist das
die Art, wie das Recht auf Sprache und Kultur zuerkannt wird? Das ist,
als würde man für einen Verdurstenden täglich ein halbes Glas Wasser als
ausreichend ansehen.
Die Türkei hat die Beschlüsse des Lausanner Vertrages mit Füßen getreten
Nun versucht sie einen „Bypass“ um die Kopenhagener Kriterien zu legen
Als Begründung für die Verweigerung von grundlegenden kulturellen und
politischen Rechten für die Kurden sagt das türkische Regime, die Kurden
seien keine Minderheit. Sicherlich sind die Kurden keine Minderheit,
denn sie sind in ihrem eigenen Land sogar die Mehrheit. In ihrem
viergeteilten Land von der Größe Frankreichs leben rund 40 Millionen
Kurden und davon 20 Millionen wiederum in Nordkurdistan, also innerhalb
der Grenzen der Türkei. Wenn solch ein Volk als Minderheit angesehen
würde, dann wäre das lächerlich. Die Wurzeln der Kurden reichen Tausende
von Jahren in die Vergangenheit, sie haben eine eigene Sprache,
Geschichte und ein eigenes Land. Mit den Türken, den Arabern und der
Persern sind sie eine der vier großen Nationen im Nahen Osten. In der
Lausanner Friedenskonferenz nach dem Ersten Weltkrieg, bei der die
Republik Türkei anerkannt wurde, sagte der türkische Repräsentant Ismet
Pasa: „Kurden sind mit Türken die ursprünglichen Elemente unseres
Landes. Minderheitenrechte werden diese hohe Nation nicht befriedigen.
Die Regierung in Ankara ist die Regierung sowohl der Türken als auch der
Kurden.“
Doch nach Lausanne haben sie die Kurden ignoriert. Nicht einmal
Minderheitenrechte haben sie ihnen zuerkannt, ganz zu schweigen, dass
Kurden als die „ursprünglichen Elemente“ bezeichnet wurden, also den
Türken gleichgestellt. Der türkische Staat hat nicht einmal das im
Lausanner Vertrag genannte Recht auf die eigene Sprache und Kultur
umgesetzt.
In Artikel 39 des Vertrages von Lausanne heißt es: „Alle Staatsbürger
der Republik Türkei können in Presse und Publikationen und in allen
Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ihre Muttersprache ohne jede
Einschränkung nutzen.“
Das bedeutet also, dass für das Recht auf Presse und Publikation in
Kurdisch und in den anderen Sprachen, Radio- und Fernsehsendungen
eingeschlossen, weder der Eintritt in die EU, noch die Kopenhagener
Kriterien notwendig sind. Dieses Recht steht ihnen durch den Lausanner
Vertrag ohnehin schon zu. Doch die Türkei hat Beschlüsse dieses
Vertrages rücksichtslos mit den Füßen getreten, die Publikation von
Zeitungen, Zeitschriften und Büchern in Kurdisch verboten und von Zeit
zu Zeit selbst das Sprechen in Kurdisch verboten und diejenigen, die
Kurdisch gesprochen haben, bestraft. Sie hat also sogar den „Gebrauch
von Kurdisch in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens“ verboten.
Wenn die Kurden gegen diese Ungleichheit und gegen die Unterdrückung
ihre Stimme erhoben und Widerstand geleistet haben, wurden sie gnadenlos
niedergeschlagen. Die Staaten, die den Lausanner Vertrag mit ratifiziert
haben, blieben angesichts dieser Praktiken bloß Zuschauer.
Auch heute fährt die Türkei fort, den Vertrag von Lausanne mit den Füßen
zu treten. Sie hat vor, bei ihrem Eintritt in die EU mit den
Kopenhagener Kriterien ähnlich zu verfahren und versucht sie mit einem „Bypass“
zu umgehen.
Das EU-Anpassungspaket, wovon nun die Rede ist, stellt aus der
Perspektive der Rechte und Freiheiten keine ernste Öffnung dar.
Beispielsweise gibt es in zahlreichen Gesetzen wie dem Strafgesetz, dem
Terrorbekämpfungsgesetz, dem Pressegesetz und dem Gesetz für politische
Parteien unzählige Bestimmungen, die Rechte im Bereich der Meinung, des
Glaubens, der Presse, der Organisation, der Versammlung und der
Demonstration verhindern. Diese haben nach wie vor Gültigkeit.
Beispielsweise verbietet Artikel 81 des Gesetzes für politische
Parteien, von der Existenz und der Schutzwürdigkeit anderer Sprachen und
Kulturen als der Türkischen in der Türkei zu sprechen und sieht bei
Zuwiderhandlung einen Grund für die Schließung der Partei.
Seit der Vergangenheit ist es verboten, bei Versammlungen von
politischen Parteien und sogar von Vereinen Kurdisch zu sprechen. Daran
hat sich nichts geändert. Folgerichtig hat die Wahlkommission direkt
nach der Veröffentlichung des „Anpassungspaketes“ verlautbart, dass beim
Wahlkampf für die anstehenden Parlamentswahlen am 3. November es
verboten ist, andere Sprachen als Türkisch zu benutzen. Es wird also als
ein Verstoß gegen die Wahlkampfregeln gewertet, wenn Parteien sich in
Kurdisch an Kurden wenden, die die türkische Sprache nicht verstehen.
Dies macht deutlich, dass kein Zweifel daran bestehen kann, dass auch in
der Zukunft die Kritik an der Kurdenpolitik der Türkei, der Widerstand
gegen die Repressalien, die Forderung nach Recht und Freiheit für das
kurdische Volk wieder als eine Straftat bewertet wird, wieder als ein
Versuch, „Staat und Nation“ zu teilen.
Es besteht kein Zweifel daran, dass in Zukunft politische Parteien nicht
deswegen geschlossen werden, weil sie sich dem Terror zuwenden oder den
Terror unterstützen, sondern allein aufgrund ihrer Ansichten.
Es besteht kein Zweifel daran, dass von nun mannigfaltige Gründe
gefunden werden, um Parteien und Vereine, die von Kurden gegründet
werden und konstruktive Vorschläge für die Lösung der Kurdenfrage
unterbreiten, an ihrer Arbeit zu hindern. So wird zum Beispiel
Abdülmelik Firat, Vorsitzender der Partei für Rechte und Freiheiten (HAK-PAR),
seit fünf Jahren daran gehindert, ins Ausland zu reisen. Auch nach dem
jüngstem „Anpassungspaket“ hat sich an seiner Situation nichts geändert.
Firat war in den vergangenen zwei Parlamentsperioden Abgeordneter und es
laufen keinerlei Verfahren wegen einer Straftat gegen ihn.
Selbst die Reisefreiheit von Ausländern wird eingeschränkt, auch wenn es
sich dabei um Diplomaten handelt, wenn der Reisegrund mit Kurden
zusammenhängt. Das jüngste Beispiel dafür erlebten wir erst vor wenigen
Tagen, kurz nach der Verabschiedung des „Anpassungspaketes“. Eine Gruppe
von Abgeordneten und Mitgliedern der schwedischen Grünen, die über die
Türkei in den Irak reisten, wurden am Grenzübergang Habur von türkischen
Sicherheitskräften angehalten und zur Rückkehr gezwungen, obwohl die
Gruppe im Besitz von gültigen Visa vom irakischen Konsulat war.
Es besteht kein Zweifel daran, dass von nun an Zeitschriften, Zeitungen
und Bücher, die in Kurdisch erscheinen und von der Kurdenfrage handeln,
konfisziert werden, ihr Vertrieb behindert wird, die Autoren und
Herausgeber angeklagt werden und es Gefängnis- und Geldstrafen regnen
wird.
Das jüngste Anpassungspaket hat nicht für ein Ende der Drohungen und der
Repressionen gegen die Presse gesorgt, in mancherlei Hinsicht wurden sie
sogar verstärkt. Beispielsweise wurde bei einigen Verstößen gegen das
Pressegesetz die Gefängnisstrafe aufgehoben, jedoch wurde auf der
anderen Seite die Geldstrafe erheblich erhöht, es sind Strafen bis zu
100 Milliarden Lira möglich. Das ist insbesondere für kleinere und
mittlere Presseorgane tödlich. Das wird wohl auch der Grund sein, warum
sogar Staatspräsident Sezer diese Veränderung als „widersprüchlich und
maßlos gegenüber der Pressefreiheit und der Demokratie“ bewertete und
vor dem Verfassungsgericht Widerspruch gegen diesen Artikel einlegte.
Es besteht kein Zweifel daran, dass die kurdische Musik, Kultur und
Lebensart auch weiterhin zum Ziel vielfältiger Unterdrückung werden wird
und dass von dieser Unterdrückung auch die Freunde der Kurden und die
demokratischen Türken wie auch Fremde betroffen sein werden.
Es besteht deswegen kein Zweifel daran, weil sich das System nicht
geändert hat. Das System der labyrinthartigen Verbote besteht weiter
fort.
Weitaus wichtiger ist es zu wissen, dass das Regime nicht zu einer
Veränderung gewillt ist. Denn dieses Regime ist ein Regime der
Unterdrückung und seine Ideologie, quasi sein Mörtel, sind
rassistisch-chauvinistische Vorurteile. Das ist die grundlegende
Besonderheit dieser Ideologie.
Die Führer dieses Landes – gestern wie heute - sind aus einem Guss, es
gibt kein Unterschied zwischen ihnen. Es besteht kein Unterschied
zwischen dem angeblich „demokratischen linken“ Ecevit und dem
rassistischen Führer der Partei der nationalistischen Bewegung (MHP),
Bahceli, der sich damit rühmt, der Rasse der Wölfe abzustammen.
Justizminister Hikmet Sami Türk, der damit begonnen hat, die politischen
Häftlinge in den F-Typ Gefängnissen in Isolationshaft zu stecken und sie
physisch und moralisch zu vernichten, gehört der DSP an. Er ist es auch,
der einige Vorschläge für demokratische Reformen im Anpassungspaket bis
zur Unkenntlichkeit beschnitten hat. Innenminister Rüstü Kazim Yücelen,
der kurdische Namen verboten hat, gehört der ANAP von Mesut Yilmaz an,
der sich damit rühmt, für den EU-Beitritt zu sein.
Keine der Systemparteien, die im Parlament vertreten sind und seit
Jahren zwischen Führung und Opposition hin und her wechseln, ist gegen
diese rassistisch-chauvinistische Ideologie des Türkentums. Wäre sie
dagegen, so würde sie nicht mehr existieren.
Keine der Parteien, die das Land bisher regiert haben, ist für die
Anerkennung der Rechte der Kurden. Denn die nationale Politik in diesem
Land basiert auf der Idee, andere als die Türken für null und nichtig zu
erklären und zu vernichten. Nur so kann in der sogenannten „Türkei“, in
Anatolien, Thrazien und Kurdistan, wo die große Mehrheit der Bevölkerung
nicht türkisch ist, die große Nation der Türken erschaffen werden!
Die Armenier wurden zum Opfer des Völkermordes. Teile der Griechen in
Thrazien wurden ermordet bzw. vertrieben. Lazen, Tscherkessen, Albaner
und andere wurden zum großen Teil zwangsassimiliert. Die
Zwangsassimilation der Kurden dauert nun über Hundert Jahre mit Methoden
wie Völkermord, Vertreibung, Sprach- und Kulturverbot ununterbrochen an.
Der wirkliche Plan, den das türkische Regime für Kurdistan vorsieht und
zu realisieren versucht, wurde vor zwei Jahren in türkischen Zeitungen
unter dem Titel „Geheimer Aktionsplan“ veröffentlicht. Die Hauptziele
dieses Plans sind Kurdistan kurdenfrei zu machen, die kurdische Sprache
und Kultur zu vernichten und somit die Kurdenfrage auszuradieren.
Staudammprojekte, die die historischen Städte Kurdistans, die
fruchtbaren Landwirtschaftsregionen und die Täler mit den
unvergleichlichen natürlichen Schönheiten unter den Fluten begraben
werden, sind Teil dieses Plans. Die Architekten dieser Pläne, Ecevit
eingeschlossen, sind die zivilen und militärischen Kader, die die Türkei
von gestern bis heute führen. Verglichen damit sind der Österreicher
Haider und der Franzose Le Pen nur Leichtgewichte. Folglich
unterscheidet sich die türkische Führung, die heute vor den Türen der EU
steht, nicht von ihren Vorgängern.
Im 20. und 21. Jahrhundert kann diese Unterdrückungspolitik nur mit
Gewalt und Terror aufrechterhalten werden. Eine Politik, die zu nicht
Enden wollenden inneren Spannungen führt, die Konflikte im In- und
Ausland provoziert, die Ressourcen des Landes vergeudet und damit das
Land in Unfrieden stürzt, die Einwohner ohne Brot und Arbeit lässt,
dient auch nicht dem Nutzen des türkischen Volkes. Das türkische Volk
ist, auch wenn es durch den seit Jahrzehnten wehenden Wind des
Chauvinismus beeinflusst wurde und die Vorurteile zu einem bestimmten
Maß mitträgt, für eine Veränderung. Es wünscht den Eintritt in die EU,
die wirtschaftliche Entwicklung, Demokratie und Frieden. Das ist auch
der Grund, warum das Regime dem türkischen Volk nicht vertraut und die
ständige Kontrolle über das Volk braucht.
Das Regime, das dem kurdischen Volk die Freiheit vorenthält, enthält dem
türkischen Volk die Demokratie vor. Es setzt auf Gewalt und hat kein
Vertrauen in sich selbst.
Die Türkei wurde zur Geisel der Kurdenfrage
Es gab in den vergangenen Jahren zwei Hauptgründe für die türkische
Führungsklasse, sich gegen die Demokratie zu wehren: der Kommunismus und
die Angst vor Kurden. Damit ist der Regimewechsel und die Teilung
gemeint. Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus gab es keine Angst mehr
vor dem Kommunismus, Russland wurde zu einem Wirtschaftspartner. Doch
die Kurdenfrage ist nach wie vor ungelöst und so existiert die Angst vor
der Teilung auch weiter. Diese Angst ist in eine unglaubliche
Kurdenfeindlichkeit, in einen Zwang, die Kurden zu vernichten,
ausgeartet.
Wenn jahrelang eine falsche Politik verfolgt und in diesem Sinne Krieg
geführt wird, dann kann der Hass und das Wertesystem in Blutrache
umschlagen. Davon freizukommen wird schwer sein.
So ist auch die Situation des türkischen Regimes. Sein Bestreben, die
Kurden als Geiseln zu nehmen und sie zu vernichten, hat wie ein Bumerang
das Regime zum Geisel der Kurdenfrage gemacht. Die Kurdenfrage ist zum
Schlüssel geworden, der auch die anderen Probleme beeinflusst. Diese
Politik ist es, die den Rassismus und den Militarismus in der Türkei
nährt.
Diese Situation verdeutlicht nicht nur den großen Widerspruch zwischen
dem kurdischen Volk und den Führern der Türkei, sondern gleichzeitig
auch den großen Widerspruch zwischen dem türkischen Volk und seiner
Führung.
Das Verständnis und die Art dieser Führung werden weder die Probleme der
Türkei lösen, noch Frieden und Demokratie in das Land bringen. Auch
werden sie die Durchsetzung der für die EU-Anpassung notwendigen
ernsthaften und tiefgreifenden Veränderungen verhindern.
Deswegen sind die aktuellen Veränderungen lediglich eine Art
Augenwischerei. Die Führer der Türkei sind Meister der Bauernschläue und
Gerissenheit. Sie versuchen die Europäer auf die Weise hinters Licht zu
führen, wie sie es seit Jahren mit dem eigenen Volk getan haben.
Was ist die Lösung in dieser Situation?
Ganz offensichtlich liegt die Lösung nicht darin, die Kurden von ihrem
Freiheitswillen abzubringen oder sie zu vernichten, sondern darin,
diesen falschen Weg zu verlassen. Die türkische Führungsriege muss ihre
seit über Hundert Jahren verfolgte Politik des Genozids, der
Unterdrückung und der Zwangsassimilation verlassen und die Rechte der
Kurden anerkennen. Allen Bürgern der Türkei müssen Grundrechte und
Grundfreiheiten zuerkannt werden. Der Versuch, die innere und äußere
Öffentlichkeit und auch die Europäische Union zu betrügen und
Augenwischerei zu betreiben, muss ein Ende haben. Stattdessen muss sich
die türkische Führung tiefgreifenden und ernsthaften Veränderungen
zuwenden.
Zusammenfassend gesagt sind folgende Schritte zu unternehmen:
Vorrangig gehören die für die EU-Mitgliedschaft verpflichtenden
Kopenhagener Kriterien realisiert, ohne degeneriert oder umgegangen zu
werden und ohne die innere und äußere Öffentlichkeit sowie die EU zu
betrügen. Dafür sind folgende Schritte notwendig:
1. Die Junta-Verfassung von 1982, die wie eine Zwangsjacke der
Gesellschaft verpasst wurde, gehört auf den Müll. Eine demokratische,
moderne Verfassung ist zu erarbeiten. In dieser Verfassung muss die
Existenz des kurdischen Volkes, das einen Drittel der Population des
Landes ausmacht, ebenso wie seine Rechte anerkannt werden.
2. Außer der Verfassung sind alle anderen Gesetze, allen voran das
Parteiengesetz, das Wahlgesetz, das Strafrecht, das Presserecht, das
Versammlungs- und Demonstrationsrecht zu ändern. Das bedeutet eine
Demokratisierung des gesamten Rechtssystems.
3. Alle Meinungen und Gedanken müssen frei ausgedrückt werden dürfen,
sofern dies friedlich geschieht. Die Pressefreiheit ist zu
gewährleisten.
4. Alle politischen Parteien, die nicht zu Gewalt aufrufen, sind frei
zuzulassen.
5. Der über Parlament und Regierung stehende Nationale Sicherheitsrat
ist ebenso aufzulösen, wie die durch den Ausnahmezustand errichteten
Staatssicherheitsgerichte.
6. Damit das Land laizistisch wird, müssen die ungerechtfertigten,
willkürlichen Eingriffe des Staates in den Glauben der Menschen beendet
werden. Dazu ist
· die Anstalt für Religiöse Angelegenheiten aufzulösen.
· der Religionsunterricht als Pflichtfach aufzuheben.
· die Repression wegen des Kopftuchs zu beenden.
7. Die Sprache und die kulturellen Rechte des kurdischen Volkes und der
anderen ethnischen Gruppen sind im Rahmen der Kopenhagener Kriterien
anzuerkennen. Das kann nicht im Rahmen von Individualrechten angegangen
werden. In den Kopenhagener Kriterien ist sowohl von Grundrechten, als
auch von Minderheitenrechten die Rede.
Außerdem hatte die OSZE bereits im Juni 1990 - wieder in Kopenhagen -
eine gemeinsame Entschließung herausgegeben, die durch den Außenminister
der Türkei unterzeichnet wurde. In den darin enthaltenen Beschlüssen, wo
schon die Rede von „nationalen Minderheiten“ und ihren Rechten war,
findet sich folgende Auflistung:
· die eigene ethnische, kulturelle, sprachliche und religiöse Identität
frei zu artikulieren, zu schützen und zu entwickeln;
· die eigenen Muttersprachen sowohl im privaten als auch im öffentlichen
Leben frei zu nutzen;
· Institutionen und Vereine für die eigene Bildung, Kultur und Religion
zu gründen und zu entwickeln.
In Artikel 33 dieser Entschließung heißt es:
· Die unterzeichnenden Staaten verpflichten sich, die ethnische,
kulturelle, sprachliche und religiöse Identität der nationalen
Minderheiten auf ihrem eigenen Boden zu schützen und geeignete
Bedingungen für die Entwicklung dieser Identitäten zu schaffen.
In Artikel 34. wird das Recht von nationalen Minderheiten auf Bildung in
der Muttersprache behandelt und ausdrücklich gesagt, dass im Geschichts-
und Literaturunterricht auch die Geschichte und Kultur der nationalen
Minderheiten beinhaltet sein muss.
Wenn in den Kopenhagener Kriterien über den Rahmen der
Minderheitenrechte nachgedacht wird, so muss diese im Jahre 1990
akzeptierte, gemeinsame und bindende Erklärung berücksichtigt werden.
In diesem Lichte besehen sind die Reformen, die die Türkei mit dem
„EU-Anpassungspaket“ durchgeführt hat, derart oberflächlich, dass weder
die sprachlichen, kulturellen und parteilichen Rechte der Kurden, noch
der anderen nationalen Minderheiten angemessen berücksichtigt werden.
Aus der Perspektive der Kurden muss in der Türkei folgendes geschehen:
a) Kurdisch muss neben Türkisch als offizielle Sprache anerkannt und in
allen privaten und öffentlichen Bereichen des Lebens frei benutzt
werden.
b) Das Recht auf Bildung in der Muttersprache muss von der Grundschule
bis zur Hochschule realisiert werden.
c) In staatlichen wie in privaten Radio- und Fernsehkanälen müssen
ganztägige Sendungen realisiert werden.
d) Parteien und Vereine mit nationaler Identität müssen frei zugelassen
werden.
Die grundlegende Lösung für die Kurdenfrage
Die grundlegende Lösung der Kurdenfrage übersteigt ganz offensichtlich
den Rahmen der Kopenhagener Kriterien. Die Kurden sind mit ihrer
Population von 40 Millionen und ihrem Land in der Größe Frankreichs
zweifellos eine der großen Nationen des Nahen Ostens. Wenn diese Nation
und dieses Land zwischen vier Staaten aufgeteilt ist, so kann das
Problem nicht mit der Verleugnung und Vernichtung der Kurden gelöst
werden, sondern durch Kritik an der Ungerechtigkeit, die den Kurden
widerfahren ist und durch das Festhalten an den Prinzipien der
Gerechtigkeit und der internationalen Normen.
Dies wiederum kann auf zwei Wegen verwirklicht werden:
Entweder entscheiden die Kurden mit ihrem freien Willen, sich zu trennen
und ihren eigenen Staat zu gründen oder sie entscheiden sich freiwillig
in den Staaten, in denen sie sich befinden, zu bleiben, und zwar auf der
Grundlage der Gleichheit. Dies wäre in Form einer Föderation oder
Konföderation möglich.
Wir, die Sozialistische Partei Kurdistans, bleiben trotz der mehr als
einhundert Jahre andauernden, unglaublichen Barbarei und Ungerechtigkeit
des türkischen Staates gegen unser Volk und trotz des von unserem Volk
zu Recht empfundenen Hasses und der Wut realistisch.
Wir denken, dass das kurdische Volk mit den Völkern, mit denen sie Seite
an Seite leben, bei geeigneten Bedingungen in einer föderativen Form
zusammenleben können. Die Kurden im Irak haben diesen Weg gewählt. Auch
im Hinblick auf Nordkurdistan bevorzugen wir diese Lösung, also das
Zusammenleben mit dem türkischen Volk auf der Basis der Gleichheit, in
einer Föderation.
Die Türkei erachtet für die knapp mehr als 100 Tausend Zyperntürken die
von Griechenland akzeptierte Föderation aus zwei Regionen und zwei
Gesellschaften als zu wenig und fordert eine Konföderation aus zwei
Staaten. Aber warum ist sie nicht bereit, dieses Recht den 20 Millionen
Kurden in Nordkurdistan, das 10 Mal größer ist als die Insel Zypern,
zuzugestehen?
Eine dauerhafte Lösung der Kurdenfrage ist nur auf diese Weise, in einer
föderativen Struktur auf der Basis der Gleichheit beider Völker möglich.
Solch eine Lösung würde der Türkei den Frieden bringen und den Weg zu
einer wahren Demokratie öffnen. Nur so kann die verworrene Lage in der
Türkei, wo die Probleme von Tag zu Tag schwerer werden, gelöst werden.
Sowohl die Führer der Türkei, als auch die europäischen Staaten müssen
realistisch sein und die Kurdenfrage in ihrer wahren Dimension in die
Hand nehmen. Diese Frage kann nicht mit lächerlichen und oberflächlichen
Methoden wie Sprachkursen oder täglich halbstündigen Fernsehsendungen
gelöst werden. Das sind nicht Lösungen, die einer Nation präsentiert
werden können. Sie sind ehrverletzend und das kurdische Volk wird diese
Angebote niemals ernst nehmen.
Andererseits ist, wie bereits gesagt, die führende Klasse, Regierung wie
Opposition weder fähig, noch gewillt, solch eine grundlegende Kehrtwende
zu vollziehen. Was ist dann zu machen?
Wir denken, dass die Antwort auf diese Frage offensichtlich ist: Bis die
Kräfte, die diese Kehrtwende vollziehen können, an die Macht kommen,
wird sich die Depression in der Türkei vertiefen. Beide Völker – Kurden
wie Türken – werden darunter leiden. Weder der Kampf des kurdischen
Volkes für Freiheit, noch der des türkischen Volkes für Demokratie, wird
enden. Anders ausgedrückt hängt die Lösung, die in einer tiefgreifenden
gesellschaftlichen Umwälzung liegt, davon ab, ob die wirklich
reformwilligen demokratischen Kräfte an die Führung gelangen. Wie viel
Zeit das beanspruchen wird, wissen wir nicht.
Die EU muss an ihren Normen und Prinzipien festhalten
Wie soll sich die Europäische Union in einer solchen Situation
verhalten?
Wir vertreten die Ansicht, dass die Beitrittsverhandlungen mit der
Türkei wirklich erst dann aufgenommen werden sollten, wenn die
Kopenhagener Kriterien tatsächlich erfüllt und in diesem Rahmen
ernstzunehmende Schritte zur Lösung der Kurdenfrage unternommen worden
sind. Es ist offensichtlich, dass die Türkei dies nicht getan hat.
Einer Türkei, die Menschenrechte respektlos verletzt und dem kurdischen
Volk sogar die einfachsten Grundrechte verweigert, den Weg zu
Beitrittsverhandlungen zu öffnen hieße, sie in ihrer Haltung, die Normen
der EU zu verletzen und ihre Repressionsmaschinerie fortzusetzen, zu
ermutigen. Es wäre die Belohnung für die Unterdrückung und die
Ungerechtigkeit, für Rassismus und Militarismus.
Die EU sollte diesen Fehler nicht machen.
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