Kindertagesstätte Hêlin „Hêlin“
ist das kurdische Wort für „Nest“ – ein
lebendiges Beispiel kurdischer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in
Berlin. Die
EKT „Hêlin“ wurde 1990 als Selbsthilfeprojekt
kurdischer Immgrant/Innen in der Walterstraße Berlin
Neukölln gegründet. Dieses „Nest“ hatte je zur
Hälfte kurdische und deutsche Kinder sowie Erzieher, wie es dem
Konzept entsprach. Der jetzige Standort (Nogatstr. 5) liegt in
unmittelbarer Nähe des Körnerparks, hat mehrere umgebende
Grünflächen und eine Vielzahl von Spiel- und
Sportplätzen, die für die Kinder schnell und sicher zu
erreichen sind, da vom Quartiersmanagement direkt vor unserer
Haustür der Bau einer weiteren Spielstraße in Auftrag
gegeben worden ist. Begleitend
mit der Entwicklung des Berliner Bildungsprogrammes fördern wir
unsere Kinder mit gezielten Entwicklungsangeboten, in denen wir auch
teilweise die Eltern miteinbezogen haben, z.B. gemeinsamer
Eltern-Kind-Sprachkurs, „Kleiner Stern“-Verbindung von
Sprache, Musik und Bewegung. Seit Jahren regelmäßig,
speziell konzipierte Computerkurse für Kitakinder, auch den
spielerischen Umgang mit Farben und unterschiedlichen Materialien
begleitend mit Kunstherapeuten/Innen, gehören zu unserer
pädagogischen Praxis. Zu
unserem lebendigen Kita-Leben gehören selbstverständlich auch
genügend Freiräume zum Kind-Sein mit Spielen, Toben, Sport
sowie Gemeinschaftsaktivitäten wie leckeren Kuchen backen, Kino-
und Theaterbesuche, Ausflüge und gemeinsame Feste. Ziel
unserer Kita ist es Integration schon im Kleinkindalter besser zu
gestalten und die Kinder bikulturell zu erziehen. Durch eine
zweisprachige Erziehung mit deutschen und kurdischen Mitarbeitern
versuchen wir dieses in unserer Kita zu realisieren. Wir betreuen
insgesamt 38 Kinder im von zwei bis fünf Jahren
(alterstufenabgestimmt in drei Gruppen) Wir haben von 7.00 bis 17.00
Uhr geöffnet. Unsere
eigene Lebenserfahrung besagt, dass es für uns wichtig ist, die
Sprache unseres Herkunftslandes und die Sprache des Landes, in dem wir
unseren Lebensmittelpunkt gefunden haben, möglichst gut zu
beherrschen. Da Unsere teils verbotene, teils vernachlässigte
Muttersprache kurdisch ist also die zweite Sprache, neben dem
Deutschen, die unsere Kinder unbedingt lernen sollten, damit sie Ihre
Umwelt besser begreifen und sich in ihr zurechtfinden können. Aufnahmekriterien Grundsätzlich werden Kinder aller sozialer Schichten und Nationalitäten im Alter von 2-5 Jahren aufgenommen. Kindertagesstätte Hêlin Projekt Eltern-Kinder-Sprachförderung Die
Kindergärten haben den Auftrag, Kinder zu erziehen, zu bilden und
zu betreuen. Im Rahmen dieses Auftrages bildet die Sprachförderung
einen Schwerpunkt. Die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten von
Kindern zu entwickeln und zu pflegen ist eine der zentralen Aufgaben
des Kindergartens. Auch die Berücksichtigung und Stärkung des
familiären Bezugssystems spielen eine große Rolle, indem z.
B. die mehrsprachige Lebenssituation von zugewanderten Kindern beachtet
wird. Diese Lebenssituation ist Teil des Alltags in Neukölln und
in unserer Kita. Alle Kinder unserer Kindertagesstätte stammen aus
Migrantenfamilien der verschiedensten Länder bei denen zuhause in
der Regel die eigene Muttersprache gesprochen wird. Deshalb sollte
gerade die Lebenssituation dieser Kinder Ausgangspunkt für die
Planung und Gestaltung des pädagogischen Alltags unserer Kita
sein. Die Spracherfahrungen, die das Kind in seiner häuslichen
Umgebung macht ist sehr wichtig für die nachhaltige Entwicklung
des Kindes und da dem Elternhaus und Kindergarten gleichermaßen
die Aufgabe zukommt, die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten von
Kindern zu entwickeln und zu fördern, möchten wir mit unserem
neuen Projekt genau an dieser stelle Akzente setzen. Kindergärten
sind im Allgemeinen die ersten Orte, an denen Kinder aus zugewanderten
Familien und ihre Eltern mit außerfamiliären
Bildungsangeboten und Erziehungsvorstellungen in Berührung kommen.
Im Kindergarten treffen die Kinder und Eltern auf andere Kinder und
deren Eltern. Die meisten Eltern trauen sich nicht solange sie nicht
müssen sich in deutscher Sprache auszutauschen, z.B. mit Nachbarn
oder mit anderen Familien aber vor allem mit ihren Kindern. Diese
Hemmschwelle soll durch unser Projekt abgeschwächt und zum Teil
durchbrochen werden um im häuslichen Alltag unserer
Migrantenkinder die deutsche Sprache einzugliedern. Die Kinder
gewöhnen sich daran, dass die deutsche Sprache nicht nur in der
Schule und in den Ämtern benötigt wird, sondern eine
gemeinsame Basis für die Kommunikation in der hiesigen
multilingualen Gesellschaft ist. Wir möchten eine Isolierung der
Eltern im eigenen Kulturkreis verhindern, dass durch den Austausch mit
anderen Eltern in unserer Kindertagesstätte ein erster Schritt
wäre. Es ist wichtig, gerade diese Eltern zu ermuntern, den
Kindergarten als Bildungsangebot zu begreifen und ihr Kind dadurch beim
Erwerb der deutschen Sprache zu unterstützen, dass es
regelmäßig den Kindergarten besucht aber auch an unserem
Projekt mit teilnehmen. Das
Pilotprojekt mit dem Ziel der Sprachförderung Deutsch als
Zweitsprache von Kindern mit Migrationshintergrund in Zusammenarbeit
mit den Eltern Übungsleiterin: Helgard Müller Förderung: Quartiersmanagement Körnerpark Dauer der Maßnahme: 01.11.2006 – 28.03.2007 und 15.06.07 - 31.12.2007 Zwischenbericht für den Zeitraum vom 01.11.2006 bis 28.03.2007 Entwicklung der Zusammenarbeit mit den Eltern Das
Projekt der Sprachfördermaßnahme hat die Zielstellung den
Lernprozeß der Zweitsprache Deutsch über die
Fördermaßnahme in der KITA hinaus anzuregen indem die Eltern
aktiviert werden, den Lernprozeß ihrer Kinder zu
unterstützen. Dank der guten engen Kooperation mit der
KITA-Leitung und Erzieherinnen in der KITA Helin passten wir gemeinsam
das Konzept der Maßnahme an die jeweilige
pädagogisch-organisatorische Situation flexibel an und entwickeln
sie schrittweise weiter. Im ersten Schritt wurde versucht, die
Akzeptanz der Eltern für die Fördermaßnahme zu
schaffen, die zunächst skeptisch auf diese
„Einflußnahme von Außen“ reagierten, da sie
diese als Fremdeinwirkung sahen, der sie indirekt abwehrend begegnen.
Die Eltern wurden im ersten Schritt vom KITA-Personal angesprochen und
schriftlich eingeladen an der Maßnahme teilzunehmen. Es ging am
Anfang vor allem darum, den Untericht der Sprachförderungung bei
Kindern und Eltern zu etablieren und die Kindergruppen zu
stabilisieren. Nachdem die Teilnahme der Eltern sehr unstet und gering
war, legten wir aus strategischen Gründen die Unterrichtszeiten
auf die Zeit des Bringens und Abholens der Kinder durch die Eltern, um
den Kontakt zu allen Eltern zu erhöhen und den Eltern die
Teilnahme zu erleichtern. Die Eltern erhielten dadurch mehr Gelegenheit
den Unterricht zu beobachten und dabei interessiert zu werden. Dabei
wurde erreicht, dass einige der abholenden Mütter, Väter und
Geschwister in der Zeitspanne im zweiten Teil des Unterrichts dazu
kamen. Die bisherigen Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig der
direkte Kontakt des Übungsleiters zu den Eltern ist um eine
Vertrauensbasis in die Maßnahme zu schaffen, auch über
den üblichen KITA-Kontakt hinaus. Erste Erfolge sind zu
erkennen, dabei zeigt sich, dass die Eltern die zwar überwiegend
unregelmäßig oder weniger am Untericht teilnahmen, sich
langsam mehr interessieren und gezielt über das Lernverhalten
ihrer Kinder nachfragen. Einzelne Mütter nehmen auf eigenen Wunsch
regelmäßig am Unterricht teil, und legen großen Wert
darauf, dass ihr Kind teilnimmt. Kinder deren Elternteile aktiv
teilnehmen werden bevorzugt in die Maßnahme integriert. Die
präsenten Mütter bzw. Väter werden von mir in den
Unterrichtsablauf einbezogen und zur Beteiligung aufgefordert. Die
anwesenden Elternteile nehmen dabei durchaus aktiv am
Unterrichtsgeschen teil. Bei den meisten Kindern anwesender Eltern
wirkt sich das positiv auf ihr Lernverhalten aus. Der größte
Teil der Eltern nimmt jedoch nur unregelmäßig an den Stunden
der Sprachförderungsmaßnahme teil. Einige der Eltern
befragen mich jedoch regelmäßig über den
Entwicklungsstand ihres Kindes im Unterricht, und wollen, daß
ihre Kinder daran teilnehmen. Etwa ein Drittel der Eltern hat aufgrund
von familiären und außerfamiliären Bedingungen,
wie z.B bei Müttern Kinder im Säuglingsalter oder z.B. durch
Arbeitseingliederungsmaßnahmen nie am Unterricht teilgenommen.
Diese Eltern können nur über indirekte Maßnahmen wie
(Gespräche, Mitgabe von Aufgaben) erreicht werden, die ich daher
verstärke. Mittel der Integration der Eltern Um
die Eltern in die Verantwortung der Unterrichtsgestaltung
einzubinden, bitte ich sie z.B. bei bestimmten Themen wie
Kleidung, von zu Hause Kleidungsstücke oder beim Thema
Familienfeste, Fotos von zu Hause mitzubringen oder auch
Lieblingsspielzeug mitbringen zu lassen. Im Unterricht gebe ich Eltern
und Kindern dadurch die Gelegenheit, ihre eigenen Erfahrungswelt und
Kenntnisse einzubringen. Indem ihre persönlichen Dinge
thematisiert werden, werden Entfremdungsgefühle und Barrieren
abgebaut. Um den Lernprozess über den Unterricht hinaus anzuregen,
erhalten die Kinder zum Mitnehmen von mir persönliche
Schnellhefter mit Arbeitsblättern zu jeweils behandelten Themen
(Ausmalbögen, Wörtern zum Ausmalen, Liedtexte, Reime). Das
ermöglicht es zusammen mit den Eltern, an behandelten Themen
sprachlich weiterarbeiten zu können und die Eltern dabei
über mögliche Übungsformen zu informieren. Die Ordner
mit Arbeitsblätter werden sehr gut angenommen und genutzt.
Darüber hinaus wird in kurzen Videosequenzen Alltagssituationen
(U-Bahnfahren , Einkaufen, Zahnarzt, Frühstück) gezeigt,
innerhalb derer die Kinder von mir direkt angesprochen werden. Dabei
wird Bezug auf die bekannte Umwelt der Kinder genommen und durch
Sprache ergänzt. Die Videos sind interaktiv angelegt und fordern
die Kinder heraus, sich sprachlich dazu zu äußern oder auch
Situationen nachzuspielen. So kann ein Problem im Alltag dargestellt
werden und ein Lösungsangebot mit Eltern und Kindern entzwickelt
und im Video vorgestellt werden. Die aktive Teilhabe am
gesellschaftlichen Prozeß soll dabei gefördert werden. In
anschließenden Spielen und Rollenspielen werden auch Situationen
und Sprache eingeübt, die dazu anregen sollen, diese für den
Spracherwerb einzubauen bzw. den Eltern eine Anleitung an die Hand zu
geben, wie sie selbst spielerisch ihr Kind im Alltag fördern
können. In den Lehrvideos werden die Kinder dazu angeregt,
sich eine vermeintlich fremd erlebte Umwelt sprachlich anzueignen um
diese als Teil der eigenen Erfahrungswelt zu betrachten. Nebenbei soll
der direkte Umgang mit diesem Medium vermittelt werden,
alternativ zum passiven Fernsehverhalten, indem Kinder direkten
Einfluß ausüben können und direkt beteiligt werden. Sie
erhalten die Möglichkeit selbst im Video zu agieren und sich dann
betrachten zu können. Die Leinwandpräsentation der Videos
grenzt den Unterricht gegenüber anderen üblichen
KITA-Aktivitäten ab und erhöht die Attraktivität
für die Eltern am Unterricht teilzunehmen. Es kann in der
anschließenden Betrachtung zur besseren Selbstwahrnehmung von
Kindern und Eltern führen. Die Videobeobachtung der
Unterrichtssituation bietet darüber hinaus die Möglichkeit
einer anschließenden Analyse gemeinsam mit Erziehern bzw. Eltern.
Nogatstr.5 12051 Berlin
Tel : 030/ 682 78 49 Fax: 030/ 530 84 943
Alle Kinder, die an der Fördermaßnahme teilnehmen, stammen
aus Migrantenfamilien mit unterschiedlichem sprachlich-kulturellem
Hintergrund. Sie sprechen mit den Eltern vowiegend in der Muttersprache
und erwerben Deutsch als Zweitsprache in erster Linie durch ältere
Geschwistern und in der KITA. Die lehreinheiten der
Fördermaßnahme findet zweimal wöchentlich, an den
KITA-Alltag angepasst, in 90-minütigen Unterrichtseinheiten statt.
Es wurden von der KITA-Leitung und mir insgesamt dreizehn Kinder im
Alter von drei bis sechs Jahren ausgewählt, die wir je nach
Entwicklungsstufe und KITA-Gruppenzugehörigkeit in zwei
Lerngruppen mit je 6 bzw. 7 Kindern aufgeteilt haben. Die teilnehmenden
Kinder weisen mehr oder weniger ausgeprägte Defizite im Erwerb der
deutschen Sprache auf. In der ersten Gruppe liegt der
Altersdurchschnitt bei vier Jahren, das durchschnittliche Alter
in der zweiten Gruppe bei fünf Jahren. Insgesamt fünf der
teilnehmenden Kinder sollen in diesem Jahr eingeschult werden.
Deutliche Fortschritte im Lernprozeß zeigen sich besonders bei
Kinder der Gruppe mit dem jüngerem Altersdurchschnitt. Sie
können sich immer besser auf Gruppenspiele, einfache Aufgaben und
Fragestellungen einstellen und zeigen Lernfortschritte. Ein Junge, der
dieses Jahr eingeschult werden soll und zunächst durch
Verweigerung und störend auffiel, nimmt inzwischen
regelmäßig teil und beteiligt sich mit Erfolg am
Lernprozess. Die positive Entwicklung der konzentrierten Aufmerksamkeit
dieser Lerngruppe, die sich auf den Lernsituation einlässt,
trägt dazu wesentlich bei.
Neben Video als Mittel der Sprachvermittlung werden im Unterricht
sprachlich-sinnliche Anregungen gegeben mithilfe von
Bilderbüchern, Spielen, Gestaltung mit Farben, Kneten,
Gegenstände ertasten und benennen oder auditiv Geräusche
benennen. Auch das kann den Eltern zur Anregung dienen, da etwa
Alltagsgegenstände thematisiert werden. Zur
Konzentrationsförderung werden in Abständen im
90-minütigen Unterricht Kinder-Yoga-Übungen, Phantasiereisen
und Bewegungsspiele eingebaut. Die Eltern machen dabei mit und erhalten
die Geschichten und Übungen in schriftlicher Form zur eigenen
Anwendung nach Hause mit. Zur Förderung der Laut- und
Silbenerkennung werden außerdem Lieder und Sprech- und
Klatschspielen gemacht, deren Texte im Ordner der Kinder mitgenommen
werden.


